Berlin

Ein Zufall bringt einen Drogenhändler vor Gericht

Die Polizei kam nur wegen eines Streits. Jetzt steht Khaled H. wegen schwerer Drogen- und Waffenbesitz vor Gericht.

Khaled H. vor dem Landgericht Berlin

Khaled H. vor dem Landgericht Berlin

Foto: Olaf Wagner

Der als Zeuge geladene Polizist spricht vor Gericht von dem Auftrag, der ihm am 11. November vergangenen Jahres übermittelt wurde. Er lautete: "Hilfeschreie weiblich". Üblich in solchen Fällen ist es, dass die Beamte eine verweinte, oft auch verprügelte Frau vorfinden. Bei diesem Einsatz in der Singerstraße in Friedrichshain war es anders. Und der Inhaber der Wohnung, der 40-jährige Khaled H., steht seit Dienstag wegen Drogenhandels und illegalen Waffenbesitzes in Moabit vor Gericht

Als die Beamten am 11- November kamen, war der Streit geschlichtet. Sie hätten drei Personen in der Einzimmerwohnung vorgefunden, so der Polizist. Und eigentlich sei die Sache schon fast erledigt gewesen, als er zum Fensterbrett schaute und zunächst seinen Augen nicht traute: Dort lagen diverse Waffen ordentlich nebeneinander. Das war der Anfang einer sofort durchgeführten Durchsuchung, die für Khaled H. mit einem Umzug in die Moabiter Untersuchungshaftanstalt endete.

Waffen auf dem Fensterbrett gefunden

Denn es waren ja nicht nur die Messer auf dem Fensterbrett. Auf der Couch lagen ein Schlagring und ein Butterflymesser - in beiden Fällen ist der Besitz verboten. Zudem fanden sich zwei metallene Wurfsterne, ein Springmesser, Reizstoffsprühgeräte und ein Teleskopschlagstock. Außerdem wurden diverse Drogen gefunden; unter anderen mehr als 300 Amphetamin-Tabletten, Kokain und Cannabis.

Khaled H. hatte schon bei der Haftprüfung eine Erklärung abgegeben und wiederholt sie vor Gericht: Er war Türsteher in einem Szene-Klub auf dem RAW-Gelände in Friedrichshain. Die Waffen habe er Leuten abgenommen, die damit in den Klub wollte. Einige hätten sie sich später wiedergeben lassen, andere nicht - diese Waffen habe er mit nach Hause genommen und quasi zu sammeln begonnen. Es kamen noch einige hinzu, die Besucher des Klubs im Gebüsch versteckten. Auch diese Waffen hae er an sich genommen, so Khaled H.

Im Februar wurde der Angeklagte Vater

Bei den Drogen ist er weniger redselig. Er sei seit etwa einem Jahr in der Techno-Szene, sagt er, das würden nun mal Drogen genommen. Im Laufe der Monate habe sich sein Konsum gesteigert, er spricht von sechs bis acht Amphetamin-Tabletten pro Tag. Das Kokain sei ihm angeblich geschenkt worden. Zwei Drittel der gefundenen Drogen habe er zum Weiterverkauf gelagert. Im Ankauf habe er für die Tabletten drei bis vier Euro zahlen müssen, beim Verkauf hätten sie bis zu sieben Euro gebracht.

Das ist eine ungünstige Konstellation: Für Drogenhandel mit Waffen drohen Strafen von mindestens fünf Jahren Haft. Im Februar wurde Khaled H. Vater. Die Freundin, mit der sich damals stritt, ist inzwischen seine Verlobte. Könnte sein, dass er die beiden lange Zeit nicht indem Arm nehmen kann. Der Prozess wird fortgesetzt.

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