Sanierungsstau

Das machen die Bezirke gegen die Schlaglöcher in Berlin

Mit dem Frühling steigt die Zahl der Schlaglöcher auf Berlins Straßen. Geld für Soforthilfe ist vorhanden. Es fehlt aber an Personal.

Schlagloch / York, Katzbachstrasse

Schlagloch / York, Katzbachstrasse

Foto: Reto Klar

Berlin. Auto- und Radfahrer haben es längst gemerkt: Nach der Frostperiode steigt die Zahl der Schlaglöcher. Das Loch auf der A 100, Höhe Tempelhofer Damm, das Dienstagfrüh für Behinderungen sorgte, ist nur eines von vielen. 5400 Kilometer misst das Berliner Straßennetz – und da in den vergangenen 20 Jahren nach Auskunft von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) nicht genügend in den Unterhalt investiert wurde, sind nach ihrer Schätzung rund 1,3 Milliarden Euro erforderlich, um den Sanierungsstau abzubauen. Rein rechnerisch also 240.740 Euro je Kilometer. Eine Abfrage der Berliner Morgenpost am Dienstag bei den Tiefbauämtern der Bezirke zeigt einen ersten Überblick.

Friedichshain-Kreuzberg Für erhebliche Verkehrsbehinderungen sorgte am Dienstag ein Schlagloch auf dem mittleren Fahrstreifen des Tempelhofer Ufers Höhe Mehringbrücke. Auch auf der Hasenheide, dem Mehringdamm, der Yorck-, Blücher-, Urban- und Stresemannstraße wird gebaut. Schäden werden auch in Friedrichshain auf der Holzmarktstraße, der Frankfurter und der Karl-Marx-Allee, der Petersburger Straße, der Landsberger und Stralauer Allee sowie der Grünberger Straße beseitigt.

Von den 200 Straßenkilometern, die Friedrichshain-Kreuzberg im Haupt- und Ergänzungsnetz verwaltet, müssen bis zu 70 Prozent grundhaft erneuert werden. Im Unterschied zu den Vorjahren, als das Geld knapp war, fehle es aktuell an Personal, so ein Behördensprecher. Rund 1,2 Millionen Euro für 2018 bekomme der Bezirk aus dem Schlagloch-Sonderprogramm des Senats.

Mitte Auch in Mitte müssen Straßenschäden das ganze Jahr über repariert werden, heißt es im Bezirksamt. Aufgrund der günstigen Witterung seien im vergangenen Winter weniger Schäden aufgetreten als in den Vorjahren. Schwerpunkte gebe es in der Sickingen­straße und der Luxemburger Straße. Für kleinteilige, zeitnahe Reparaturen reichten Finanz- und Personalmittel aus, so die Sprecherin.

Für flächendeckende, grundhafte Sanierungen stünden aber weder ausreichend Personal noch Finanzmittel zur Verfügung. Aus dem Schlagloch-Programm erhält Mitte 2018 knapp 2,3 Millionen Euro. Von den 371 Kilometern Straße bestehe bei rund 25 Prozent der Fahrbahnen und 15 Prozent der Gehwege umfassender Sanierungsbedarf.

Neukölln Dem Bezirk stehen in diesem Jahr rund 2,25 Millionen Euro aus dem Sonderprogramm zur Verfügung. Obwohl es in diesem Winter keine gravierenden neuen Schäden gab, sei es aber „trotzdem leider so, dass die Mittel bei Weitem nicht ausreichen, um den allgemein schlechten Zustand des Straßenlandes zu verbessern“, teilt das Büro des Bezirksbürgermeisters Martin Hikel (SPD) mit.

Aufgrund des schlechten Fahrbahnzustandes musste zum Beispiel in der Planetenstraße zwischen Sonnenallee und Neuköllnische Allee die Geschwindigkeit heruntergesetzt werden. Aus demselben Grund wurde für die Groß-Ziethener-Chaussee zwischen Geflügelsteig und der Landesgrenze sowie für die Waßmannsdorfer Chaussee zwischen Rhodeländerweg und der Landesgrenze eine Geschwindigkeit von 10 km/h angeordnet.

Reinickendorf Der Bezirk erhält aus dem Straßensanierungsprogramm 2,3 Millionen Euro. „Wir nehmen das dankbar an, doch das Geld führt nicht zu einem insgesamt besseren Zustand unserer Straßen, es hilft nur punktuell“, sagt Stadträtin Katrin Schultze-Berndt (CDU). Um knapp 473 Kilometer muss sich der Bezirk kümmern, davon seien drei Millionen Quadratmeter Fahrbahnfläche schlaglochgefährdet. Statt des Sonderprogramms fordert sie, dass die Bezirke in ihrem regulären Haushalt für diese Aufgabe gestärkt werden sollten.

Spandau Der Bezirk beseitigt aktuell Frostschäden auf folgenden Straßen: Weißenburger Straße, Seegefelder Weg, Hackbuschstraße, Freiheit, Niederneuendorfer Allee und Schmidt-Knobelsdorf-Straße. In diesem Jahr seien für Schlaglochbeseitigung bereits 217.000 Euro beauftragt und ausgegeben worden, so Stadtrat Frank Bewig (CDU). Knapp 1,7 Millionen Euro kommen aus dem Sonderprogramm.

Steglitz-Zehlendorf Nach Auskunft von Stadträtin Maren Schellenberg (Grüne) sind die meisten Schäden an den bereits vorgeschädigten Hauptverkehrsstraßen aufgetreten. 2,77 Millionen Euro stehen 2018 für die Sanierung der Straßen und 650.000 Euro für die Gehwege zur Verfügung. 625 Kilometer Straßenland hat der Bezirk. Grundhaft saniert wird derzeit die Berlepschstraße.

Nach Einschätzung des ADAC Berlin-Brandenburg weisen die Berliner Straßen „generell unverändert viele Risse und Flicken“ auf. Deshalb seien an vielen Stellen Schlaglöcher programmiert, zum Beispiel auch auf dem Munsterdamm in Steglitz oder der Breiten Straße und Damerowstraße in Pankow. „Das gesamte Berliner Straßennetz ist betroffen. Immerhin wird inzwischen mehr getan, um die seit Langem geforderte Grundinstandsetzung vorzunehmen“, sagt Jörg Becker, Leiter Verkehr und Technik beim ADAC Berlin-Brandenburg.

Die Folge seien sehr viele Baustellen, die eine gute Koordinierung und auch Mehrschicht- sowie Wochenendarbeit erforderten. „Hier sehen wir auf jeden Fall Optimierungsbedarf“, so Becker weiter. Im Autobahnnetz sind laut ADAC Schlaglöcher besonders problematisch, „da sie schnell zu enormen Verkehrsbehinderungen und Staus“ führten. Das Geld für Sanierungen sei zwar da, so Becker, aber Planungs- und Baukapazitäten fehlten.

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