Wohnungsbauprojekt

Blankenburger Süden: Ärger über Senats-Pläne hält an

In einem Online-Dialog zum „Blankenburger Süden“ schreiben Anwohner fast 600 Kommentare. Die Senatsverwaltung reagietr darauf nicht.

Die Pläne für das Bebauungsgebiet Blankenburger Süden sorgen seit längerem für Ärger (Archiv)

Die Pläne für das Bebauungsgebiet Blankenburger Süden sorgen seit längerem für Ärger (Archiv)

Foto: Reto Klar

Berlin. Es ist gerade einmal einen Monat her, da überraschte Berlins Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) die Pankower damit, dass sie im Blankenburger Süden ein Baupotenzial für 10.600 neue Wohnungen sieht. Zuvor war von 5000, höchstens 6000 Quartieren die Rede, die auf den ehemaligen Rieselfeldern am nordöstlichen Stadtrand von Berlin entstehen könnten. Die Anwohner hatten bis zum gestrigen Sonnabend Zeit, sich in einem „Online-Dialog zu drei Entwicklungsalternativen im Blankenburger Süden“ zu Wort zu melden. Fast 600 Kommentare wurden abgegeben. Wenig überraschend: Lompscher erntet viel Kritik für ihre Baupläne.

„Nein zu Variante A, B, C – Ja zu Mitgestaltung eines Projektes, in dem die Anlage bestehen bleibt“, schreibt etwa User „Diode“, der nach eigener Aussage Rentner ist und sich in Blankenburg ein Haus zur Altersvorsorge gekauft hat. „Sollte ich das Grundstück verlassen bzw. räumen müssen, betrachte ich diese Maßnahme nicht nur als Demütigung, sondern als Bestrafung, Entmündigung und Betrug“, schreibt er weiter. „Nicht nur ich frage mich, welche Reaktion der Bausenat nach diesen drei Wahlmöglichkeiten erwartet hat“, schreibt „Geometer“. Er befürchtet, dass „eine über hundert Jahre gewachsene Struktur mit einer nicht unerheblichen Zahl von legalen Wohnhäusern regelrecht plattgemacht werden soll“.

Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bleibt Antworten schuldig

„Seit dem 22.4.1979 bin ich Bewohnerin der Erholungsanlage Garten- und Siedlerfreunde Anlage Blankenburg e. V.“, schreibt eine weitere Anwohnerin. Und weiter: „Blankenburg meine Heimat, aus der ich mich nicht vertreiben lassen werde. In der jetzigen Situation muss ich allerdings befürchten, dass mein Grundstück staatlich enteignet werden kann. Wenn ich mein Eigentum verliere, fühle ich mich wie ein Flüchtling oder ein Mensch dritter Klasse.“

Trotz der Bezeichnung „Online-Dialog“: Antworten oder Stellungnahmen zu den zahlreichen Einwendungen und Hinweisen sind auf der Webseite der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung bislang nicht zu sehen. Auch das ist ein Kritikpunkt, der von vielen Beteiligten angemerkt wird. Zum weiteren Vorgehen heißt es lediglich, dass der Senat im Sommer 2018 eine Entscheidung über eine „Vorzugsalternative“ treffen wird. Auf Grundlage dieser „Vorzugsalternative“ sollen dann weitere Untersuchungen durchgeführt und mit den betroffenen Eigentümern, Mietern sowie Pächtern Gespräche geführt werden.

Zudem ist am 5. Mai eine „Bürgerwerkstatt zu den Entwicklungsalternativen“ geplant. Wegen der beschränkten Teilnehmerzahl müssen sich Interessenten vorab per E-Mail (blankenburgersueden@sensw.berlin.de) anmelden.

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