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Berlin will Erzieher-Beruf attraktiver machen

Bildungssenatorin Sandra Scheeres will mehr Fachkräfte als Erzieher gewinnen. Dafür schlägt sie mehr als eine Gehaltserhöhung vor.

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit Schülern bei der Eröffnung des ersten von fünf Berliner Coding Hubs (Archivbild)

Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) mit Schülern bei der Eröffnung des ersten von fünf Berliner Coding Hubs (Archivbild)

Foto: snapshot-photography/F.Boillot / imago/snapshot

Berlin.  Erzieherinnen und Erzieher sollen künftig besser bezahlt, außerdem eine vergütete Ausbildung eingeführt werden. Dafür macht sich Berlins Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) stark. Sie hat eine bundespolitische Initiative gestartet, um den Beruf attraktiver zu machen. Der Antrag wird Anfang Mai bei der nächsten Konferenz der Jugend- und Familienminister der Länder beraten.

Die Fachkräfte-Offensive ist insbesondere aus Berliner Sicht dringend notwendig, weil schon heute mindestens mehrere Hundert Erzieher in der Stadt fehlen. Eine belastbare Zahl existiert wegen der vielen unterschiedlichen Träger nicht. Allerdings werden nach Angaben der Jugendverwaltung rund 10.500 Kitaplätze, für die eine Betriebserlaubnis vorliegt, derzeit nicht angeboten. Weitere 5500 Plätze sind nicht belegt. In den meisten Fällen wird fehlendes Personal als Grund dafür angenommen. Die Jugendverwaltung prognostiziert, berechnet auf Vollzeitstellen, einen mittelfristigen Bedarf von 5500 Erziehern bis zum Jahresende 2020. Derzeit arbeiten in Berlin rund 24.000 Vollzeit-Erzieher.

Scheeres möchte, dass die Fachkräfte künftig besser entlohnt werden. Ihr Ziel ist aber nicht eine Gehaltserhöhung oder Zulage. Sie fordert eine grundsätzlich höhere Eingruppierung im Tarifvertrag der Länder. Der Antrag, den Berlin federführend für die Länder ausgearbeitet hat, sieht zudem vor, mehr Quereinsteiger für den Beruf zu gewinnen. Das Gesetz zur Förderung der Fortbildung solle so geändert werden, dass mehr ältere und lebenserfahrene Bewerber das „Aufstiegs-Bafög“ erhalten können und ihnen damit eine Vollzeitausbildung ermöglicht wird. Ferner erwarten die Länder, dass die Bundesagentur für Arbeit (BA) die dreijährige Ausbildung komplett finanziert. Die BA fördert bislang nur zweijährige Ausbildungsgänge. Bei dreijährigen Qualifizierungen zahlt sie für die ersten beide Jahre nur, wenn zu Beginn eine Zusage vorliegt, wer für das dritte Jahr aufkommt. Schließlich, so der Antrag, solle eine schulgeldfreie und vergütete praxisintegrierte Ausbildung bundesweit ausgebaut und tarifvertraglich geregelt werden.

Wichtig sei vor allem die bessere Bezahlung

Der Vorstoß wurde bereits in der Arbeitsgemeinschaft der Obersten Landesjugend- und Familienbehörden der Länder abgestimmt und fand dort große Zustimmung. „Ich gehe davon aus, dass die Ministerkonferenz im Mai der Bundesregierung den Auftrag erteilen wird, die einzelnen Punkte umzusetzen. Ich freue mich, dass Franziska Giffey als neue Bundesfamilienministerin bereits deutlich gemacht hat, dass sie dem Thema eine hohe Priorität einräumt“, sagte Senatorin Scheeres der Berliner Morgenpost. Wichtig sei vor allem die bessere Bezahlung. „Nur so erhält der Beruf die Wertschätzung, die er tatsächlich verdient.“ Für viele junge Menschen sei es zudem ein Anreiz, sich für den Erzieherberuf zu entscheiden, wenn sie eine vergütete Ausbildung absolvieren könnten, ist Scheeres überzeugt.

Ministerin Giffey hatte Bund und Länder aufgefordert, Erzieher wie Grundschullehrer zu bezahlen. So weit möchte Scheeres nach Morgenpost-Informationen nicht gehen. Auch der Dachverband Berliner Kinder- und Schülerläden (DaKS) hält einen solchen Zuwachs für zu hoch. Erzieher erhalten in Berlin rund 2600 bis 3300 Euro brutto pro Monat, Grundschullehrer 5200 Euro. Scheeres’ bundespolitische Initiative bezeichnete DaKS-Sprecher Roland Kern aber als vernünftig und sinnvoll.

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