Kriminalität Berlin

Baustellendiebe haben vor allem Werkzeug und Kabel im Visier

Im vergangenem Jahr haben Täter mehr als 6500 Teile von Berliner Baustellen gestohlen. Firmen bleiben auf den Schäden häufig sitzen.

Ein beliebtes Ziel von Dieben: In Berlin sind im vergangenen Jahr mehr als 6500 Gegenstände von Baustellen gestohlen worden

Ein beliebtes Ziel von Dieben: In Berlin sind im vergangenen Jahr mehr als 6500 Gegenstände von Baustellen gestohlen worden

Foto: imago stock / imago/Jochen Tack

Berlin.  Nach dem letzten Diebstahl vor ein paar Wochen hatten Markus Klövekorn und seine Mitarbeiter reagiert: Das dicke Kupferkabel hatten die Bauarbeiter dieses Mal einbetoniert, an dem Stromkasten sollten Alarmmelder ein Signal senden, falls die Diebe wieder zuschlagen. Doch als Klövekorn, der in Berlin Niederlassungsleiter des Bauunternehmens Echterhoff ist, an einem Morgen Mitte März die Baustelle der Salvador-Allende-Brücke in Treptow-Köpenick betritt, traut er kaum seinen Augen.

Offenbar mit einer Schleifmaschine hatten Diebe das Kupferkabel durchtrennt und den 200 Meter langen Draht aus der Erde gezogen. Zurück blieb geborstener Beton und ein Schaden von rund 12.000 Euro. Inklusive des jüngsten Diebstahls ist Klövekorn mit seinem Baubetrieb innerhalb eines halben Jahres bereits zum vierten Mal Opfer eines Diebstahls geworden. 70.000 Euro Schaden hätten die Kriminellen verursacht, so Bauingenieur Klövekorn. Vor allem die teuren Kupferkabel, aber auch Werkzeug und Maschinen stehen im Visier der Diebe.

Berliner Bauunternehmen meldeten im vergangenen Jahr insgesamt 6594 gestohlene Gegenstände bei der Polizei. Besonders häufig stahlen die Diebe auf Baustellen in der Hauptstadt Werkzeuge (1678 Fälle), aber auch Baumaschinen (434 Fälle) und Kabel (359 Fälle). Berlinweit zählten die Ermittler im vergangenen Jahr 2271 Diebstähle von Baustellen, etwas mehr als im Jahr zuvor. Vor allem der sogenannte schwere Diebstahl, wenn Täter also zuvor etwa Schlösser knacken oder Türen aufbrechen mussten, nahm zu: Von 2016 auf 2017 wuchs die Zahl der Fälle von 1241 auf 1501. Leicht rückläufig war hingegen die Anzahl der einfachen Delikte: Fälle, bei denen etwa Gelegenheitsdiebe Gegenstände von Baustellen klauten, sanken von 792 auf 770 Taten.

Polizei mahnt zu mehr Achtsamkeit

Die Berliner Polizei mahnt Baubetriebe zu mehr Achtsamkeit. „Das bewusste Ablegen, Verstauen und Lagern aller Werkzeuge, Maschinen und Baumaterialen ist von großer Bedeutung, und zwar sowohl, wenn die Arbeit längere Zeit ruht, als auch bei einfachen Arbeitspausen“, sagte Polizei-Sprecher Winfrid Wenzel. Werkzeuge etwa sollten in separaten Lagerräumen verschlossen und mit Schließsystemen gesichert werden. Wenzel empfiehlt zudem den Einbau von Einbruchmeldeanlagen. Bei den Unternehmen führen die erhöhten Sicherheitsanforderungen auf Baustellen auch zu steigenden Kosten. Zusätzliche Ausgaben der Betriebe für die Eigensicherung von Geräten und Materialien könnten allerdings in den seltensten Fällen auf die Baukosten umgelegt werden, sagte der Geschäftsführer des Bauindustrieverbands Berlin-Brandenburg, Robert Momberg.

So hat sich die Kriminalität 2017 in Berlin entwickelt
So hat sich die Kriminalität 2017 in Berlin entwickelt

Markus Klövekorn, Echterhoff-Niederlassungsleiter in Berlin, lässt derzeit im Stadtgebiet auf 15 Baustellen arbeiten. Er bezifferte die Sicherheitsausgaben für jede der Baustellen auf bis zu 30.000 Euro. „Die Summe steigt seit Jahren an“, sagte der Bauingenieur. Klövekorn hat bislang jeden Diebstahl angezeigt. Die Täter werden aber nur selten gefasst. Im vergangenen Jahr wurden von 2271 Baustellen-Diebstählen in der Hauptstadt nur 146 aufgeklärt. Das ist eine Aufklärungsquote von 6,4 Prozent. Sein Betrieb bleibt deshalb häufig auf den Schäden sitzen. „Eine Versicherung abzuschließen“, sagte Klövekorn, „würde sich in den allermeisten Fällen aber auch nicht lohnen.“

In der deutschen Hauptstadt war die Anzahl der Diebstähle von Baustellen im Jahr 2017 erstmals seit fünf Jahren wieder angestiegen. Zuvor hatten die Ermittler von 2013 bis 2016 jedes Jahr weniger Baustellendelikte gezählt. Nach Angaben der Polizei sind die Schwankungen aber nicht nur auf die Präventionsbemühungen von Kammern, Innungen, Versicherungen und den Ermittlern zurückzuführen: Verantwortlich für Anstieg und Absinken sei auch, ob die Unternehmen einen Diebstahl überhaupt zur Anzeige bringen.

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