Bike-Sharing

Zahl der Leihräder könnte sich noch verdoppeln

Von den vielen neuen Leihrädern in der Stadt ist vor allem der zentrale Bezirk Mitte betroffen. Ihre Zahl könnte sich noch verdoppeln.

In Berlin gibt es mittlerweile 16.000 Leihräder (Archiv)

In Berlin gibt es mittlerweile 16.000 Leihräder (Archiv)

Foto: imago stock / imago/Marius Schwarz

Berlin. In seiner Freizeit fährt Mittes Bezirksbürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) leidenschaftlich gern Fahrrad, was auch daran liegen könnte, dass er in Münster geboren wurde. Jedes Jahr nimmt er am Velothon teil, dem größten Radrennen Berlins. Doch aktuell gibt es ein paar Räder, die ihm wenig Freude bereiten. Sie sind gelb, orange oder grün und stehen mittlerweile an jeder Ecke in seinem Bezirk. Allein die schiere Menge an Leihrädern, sagt von Dassel, gefalle ihm überhaupt nicht.

Rund 16.000 Räder von sechs verschiedenen Anbietern gibt es mittlerweile in der Hauptstadt – achtmal so viele wie noch vor zwei Jahren. Sie dürfen mehr oder weniger überall abgestellt werden und blockieren mitunter Bürgersteige und Radwege. Mitte ist wegen seiner Lage und der vielen Touristen, auf die das Angebot insbesondere abzielt, am meisten betroffen.

„Ich kann verstehen, dass die Leute genervt sind“, sagt von Dassel, auch wenn sich die Zahl der Beschwerden bislang in Grenzen halte. Tatsächlich sind aber noch viel mehr Räder zu erwarten, ein siebter Anbieter hat angekündigt, bald mit 10.000 Exemplaren an den Start zu gehen, insgesamt könnte sich die Zahl der Räder mehr als verdoppeln.

Nur ein Anbieter muss Anforderungen der Stadt einhalten

Kritisch sieht von Dassel auch, dass es mit Nextbike einen Anbieter gibt, der eine Ausschreibung des Senats gewann, mit 7,5 Millionen Euro gefördert wird und der einzige Anbieter ist, der verpflichtet ist, bestimmte Anforderungen einzuhalten. Etwa Stationen zu installieren, an denen die Räder ausgeliehen und abgestellt werden können.

Bike-Boom unter Wolkenkratzern
Bike-Boom unter Wolkenkratzern

Die anderen müssen, wenn sie solche Stationen ebenfalls einrichten wollen, einen Sondernutzungsantrag stellen, doch in Mitte sei das bisher noch nicht geschehen, so von Dassel. Laut Verkehrsverwaltung sind die Gespräche in anderen Bezirken dazu gerade erst angelaufen. „Eigentlich muss auf einem Bürgersteig 1,60 Meter Breite frei sein“, sagt von Dassel. Er bezweifle, dass das mittlerweile immer gegeben sei.

Der Senat räumt ein, dass man den Leihfahrrad-Boom nicht hatte kommen sehen, sieht ihn aber auch als Chance, dass das Angebot populärer wird. Von Dassel sieht das nicht so, er hält es eher für hinderlich, dass es so viele Anbieter mit jeweils unterschiedlichen Ausleihmodalitäten gibt. Auch bezweifelt der Bezirksbürgermeister, dass die Anbieter über die Leihgebühren Gewinn machen wollen als vielmehr mit den Daten der Kunden.

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