Universitätsklinik

Charité erhöht die Zahl der Mitarbeiter und macht Gewinn

100 Pflegekräfte und 44 Ärzte hat die Charité 2017 zusätzlich eingestellt. Bei den Forschungsgelern gelang der Uniklinik ein Rekord.

Die Charité erhöhte ihren Umsatz 2017, der Gewinn ging jedoch zurück (Archiv)

Die Charité erhöhte ihren Umsatz 2017, der Gewinn ging jedoch zurück (Archiv)

Foto: dpa

Berlin. Das vergangene Jahr war, wirtschaftlich betrachtet, kein einfaches für die Charité. Im ersten Quartal konnte sie wegen des Umzugs ins sanierte Bettenhochhaus in Mitte nicht die volle Leistung bringen, im September sorgten Streiks des Pflegepersonals für Einschränkungen. Die Folge: Das Wachstum fiel geringer aus als in den Vorjahren. Die Zahl der behandelten Patienten war zwar so groß wie nie zuvor: 148.000 Menschen wurden stationär aufgenommen und 702.000 ambulant behandelt.

Bei den „Casemix-Punkten“, gewissermaßen der „Währung“, mit der die Behandlung von Erkrankungen im deutschen Gesundheitswesen eingestuft und abgerechnet wird, legte das Universitätsklinikum aber nur um 1,2 Prozent zu. Im Vorjahr waren es 2,7 Prozent, im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre sogar 2,9 Prozent. Die durchschnittliche Verweildauer der Patien­ten stieg leicht auf 5,8 Tage – weil mehr schwere Fälle behandelt wurden.

Immerhin, die Charité konnte zum siebten Mal in Folge ein positives Jahresergebnis erzielen, der Überschuss fiel allerdings mit 1,8 Millionen Euro relativ bescheiden aus. In den beiden Vorjahren lag er jeweils knapp unter vier Millionen Euro. 2010 schloss das Universitätsklinikum noch mit einem Defizit von 17,8 Millionen Euro ab. 2008 waren es sogar 56, 6 Millionen Euro „Miese“. Der Umsatz stieg im vergangenen Jahr um 22,7 Millionen Euro auf immerhin 1,44 Milliarden.

„Berlin kann stolz auf diese Einrichtung sein“

Steffen Krach, Staatssekretär für Wissenschaft und Forschung (SPD), lobte die anhaltend positive Entwicklung: „Die Charité hat für Berlin eine besondere Bedeutung. Sie ist die wesentliche Impulsgeberin für unseren Gesundheitsstandort und eine international renommierte Forschungseinrichtung“, sagte er am Freitag bei der Präsentation des vorläufigen Jahresberichts. Dieser unterstreiche erneut die erfolgreiche Arbeit der Charité. Zudem sei sie im Focus-Ranking, ebenfalls zum siebten Mal in Folge als bestes Krankenhaus in Deutschland bewertet worden. „Berlin kann stolz sein, so eine Einrichtung in der Stadt zu haben“, sagte er.

Charité-Vorstandschef Karl Max Einhäupl erklärte, das Universitätsklinikum befinde sich wirtschaftlich solide im grünen Bereich. Es sei gegenüber der Situation vor rund zehn Jahren eine strukturelle Veränderung vollzogen worden, nicht nur eine vorübergehende. Deshalb habe die Charité den positiven Trend auch in einem schwierigen Marktumfeld fortsetzen können. „Das ist vor allem eine Leistung der Mitarbeiter und nicht so sehr des Vorstands“, bedankte sich Einhäupl.

Stolz sind Vorstand und Berliner Senat, dass 2017 mehr Drittmittel für die Forschung eingeworben werden konnten als jemals zuvor. Das Allzeithoch, das zugleich einen deutschlandweiten Spitzenwert markiert, lag bei 162 Millionen Euro. Das ist eine Steigerung um 8,6 Millionen Euro oder 5,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Drittmittel sind Zuschüsse externer Geldgeber für Forschungsprojekte, etwa vom Bund, der EU, der Deutschen Forschungsgemeinschaft oder der Industrie. Axel Pries, Dekan der Charité und damit verantwortlich für Forschung und Lehre , betonte, die Indus­trie unterstütze finanziell klinische Studien, es handele sich keineswegs um Auftragsarbeiten.

Die Charité zählt inzwischen mehr als 17.500 Beschäftigte, auch im vergangenen Jahr wuchs das Personal um 276 Vollzeitkräfte, darunter 44 Ärzte. „Besonders stolz sind wir auf die Besetzung von über 100 zusätzlichen Stellen für Pflegekräfte und damit auf die Übererfüllung unseres Tarifvertrages Gesundheitsschutz, der wegweisend in der Gesundheitswirtschaft ist“, sagte Astrid Lurati, die Direktorin des Klinikums. Der 2014 mit der Gewerkschaft Verdi ausgehandelte Tarifvertrag sieht feste Personalschlüssel für Pflegekräfte auf den Intensivstationen und in der Neonatologie vor. Für normale Stationen bietet er einen Rahmen.

Der Fachkräftemangel, insbesondere in der Pflege, sei im vergangenen Jahr ein Problem gewesen und werde auch 2018 eine der größten Herausforderungen, sagte Karl Max Einhäupl. Er sei längst ein europäisches Problem, nicht mehr nur ein deutschlandweites. Um Pflegekräfte zu gewinnen, habe die Charité Kampagnen gestartet, Mitarbeitern Vermittlungsprämien gezahlt aber auch Pflegekräfte im Ausland angeworben. So kamen im vergangenen Jahr 30 Pflegekräfte aus Albanien, in diesem Jahr werden circa ebenso viele aus Mexiko ihren Dienst in Berlin antreten. Einhäupl betonte, man werbe nur in solchen Ländern um Pflegepersonal, in denen mehr Mitarbeiter ausgebildet als beschäftigt würden. Die künftigen Kollegen würden, bevor sie an der Charité anfangen, qualifiziert und erhalten auch Deutschunterricht.

Nachholbedarf auch bei der Digitalisierung

Als weitere Herausforderungen für das laufende Jahr nannte der Vorstandschef unter anderem Nachholbedarfe bei Instandhaltung und Digitalisierung, steigende Zinsaufwendungen für Pensionsrückstellungen und Kosten durch die Tarifentwicklung bei der Servicetochter CFM. Diese soll, wie berichtet, zum 1. Januar 2019 zu 100 Prozent in die Charité überführt werden.

Das Land Berlin will bis 2021, dem Ende dieser Legislaturperiode, knapp 500 Millionen Euro in die Charité investieren. In diesem Jahr sind Investitionen von 110 Millionen Euro vorgesehen, darunter 71 Millionen Euro im Baubereich. Sie fließen insbesondere in ein neues Gebäude am Campus Mitte und in die Sanierung des OP-Trakts am Klinikum Benjamin-Franklin in Steglitz-Zehlendorf. Investiert werden soll zudem in die Elektroversorgung an den Standorten Benjamin Franklin und Rudolf Virchow aber auch in das Wlan-Netz und in I-Pads für Ärzte.

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