Fahrradmarkt Berlin

„Die Räder sollen dort stehen, wo man sie braucht“

Als vierter Anbieter von Leihfahrrädern ist Mobike in Berlin im November an den Start gegangen. Jimmy Cliff sagt im Interview, warum.

Jimmy Cliff General Manager Mobike Deutschland

Jimmy Cliff General Manager Mobike Deutschland

Foto: Lorenz Vossen / BM

Für das Unternehmen aus Shanghai, in 200 Städten aktiv und damit weltweit einer der größten Anbieter, ist es der erste Versuch, in Deutschland Fuß zu fassen. Schon jetzt hat das Unternehmen nach eigenen Angaben die meisten Räder auf Berlins Straßen – und es sollen noch mehr werden. Im Interview berichtet der australische Manager von Mobike Deutschland, Jimmy Cliff (33), über seine Pläne.

An gefühlt jeder Ecke in der Berliner Innenstadt steht inzwischen ein Mobike mit silberfarbenem Rahmen und orangeroten Felgen. Wie viele Räder sind es schon, und wie viele sollen noch folgen?

Jimmy Cliff: Aus Wettbewerbsgründen nennen wir keine genauen Zahlen, aber ich kann sagen, dass wir der größte Anbieter in Berlin sind. Wir schauen auf die Nutzerzahlen, sprechen auch mit dem Berliner Senat und wollen so viele Räder aufstellen, wie benötigt werden. Unser Ziel ist, dass die Räder mehrmals pro Tag genutzt werden und dort stehen, wo man sie braucht.

Der bislang größte Anbieter Lidl-Bike hat 3500 Räder, die haben Sie also übertroffen. Sie haben ja bis zu 10.000 angekündigt.

Wie gesagt, wir wollen genau auf die Nachfrage reagieren.

Die Zahl der Leihräder in Berlin ist in den vergangenen Monaten explodiert. Wie erklären Sie sich diesen Hype?

Wir haben vor zwei Jahren in China angefangen und waren sehr erfolgreich. Dieses Modell wollen viele kopieren, daher die vielen Mitbewerber. Aber es ist natürlich auch eine Frage des Zeitgeists: Die Städte kämpfen mit Stickoxiden und Verkehrsprobleme, und die Bewohner legen den Fokus mehr auf ihre Gesundheit. Da ist Radfahren ein wichtiges Thema.

Berlin bezeichnet sich selbst gerne als „Fahrradstadt“. Wie attraktiv ist der Berliner Markt für Sie?

Berlin ist bisher die einzige deutsche Stadt, unser Pilotprojekt. Und natürlich die Hauptstadt mit vielen Touristen, aber auch jungen und fahrrad­affinen Menschen. Viele Deutsche sind skeptisch gegenüber neuen Dingen, auch deshalb sind wir zuerst hierhergekommen. Unser Produkt ist so konzipiert, dass es am besten in Großstädten funktioniert. Wir wollen nicht einfach überall Fahrräder auf die Straßen stellen. Aber wir würden gerne dieses Jahr noch in andere Städte expandieren.

Viele Leute sind genervt, weil die Leihräder auf Bürgersteigen stehen und Einfahrten blockieren. Bei stürmischen Wetter liegen sie oft massenweise auf dem Boden.

Wir gehen zweigleisig vor: Wir haben Leute, die durch die Stadt fahren und sich um die Räder kümmern, sie an Orten abstellen, wo sie gebraucht werden. Sie kümmern sich sogar um die Räder anderer Anbieter, wenn sie auf dem Boden liegen oder eine Tür blockieren. Denn für uns ist wichtig, dass das gesamte Modell Leihfahrrad akzeptiert wird. Zudem informieren wir die Nutzer auf der App, wie sie die Räder am besten parken sollen, zum Beispiel über Videos. Wir erproben auch gerade das Modell, dass die Kunden einen Bonus bekommen, wenn sie das Rad richtig abstellen.


Wie viele Mitarbeiter kümmern sich um die Räder?

Auch das kann ich wegen der Mitbewerber nicht sagen. Ich glaube, wir sind nicht das größte Team in Berlin, aber das effektivste. Wir profitieren vom Lernprozess aus den anderen Ländern.

Aktuell kann man Ihre Räder ja abstellen, wo man möchte.

Wir haben schon in anderen Länder „Parkplätze“ eingeführt, ich glaube, dafür gibt es auch viele gute Gründe. Auch für Berlin planen wir das, wir sind mit Bezirken und Senat dazu im Gespräch.

Wollen Sie sich auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vernetzen, sodass man mit einem Ticket, einer App, alles zusammen nutzen kann?

Na klar. Wir würden gerne mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg, also Berliner Verkehrsbetrieben und der S-Bahn, zusammenarbeiten. Es ist sehr attraktiv, mit dem Fahrrad zum nächsten Bahnhof zu fahren und dort in die Bahn umzusteigen. Gerade in Orten, die nicht so gut an den öffentlichen Personennahverkehr angeschlossen sind. Aber das ist natürlich kompliziert, weil man eigentlich auch die anderen Anbieter integrieren müsste.

Viele potenzielle Kunden sind misstrauisch wegen des Datenschutzes. Sie haben vorhin gesagt, dass Sie die Bewegungsprofile für eigene Analysen verwenden. Aber wenn man sich bei Mobike anmeldet, muss man auch zustimmen, dass personenbezogene Daten gespeichert werden.

Wir verkaufen keine Daten, niemals. Wie ich sagte: Wir brauchen die Bewegungsdaten, um zu wissen, wo sich unsere Fahrräder befinden und wie sie genutzt werden. Das hilft uns, unser Angebot zu verbessern. Für uns sind personenbezogene Daten nicht relevant, weil wir kein Werbeunternehmen sind, sondern ein Mobilitätsunternehmen. Aus diesem Grund nutzen wir die Bewegungsdaten auch nur, um unsere Produkte stetig zu verbessern und die Städte bei der infra­strukturellen Planung zu unterstützen.

Planen Sie Verbesserungen an den Rädern? Ihre aktuellen Modelle sind recht klein, man merkt schnell, dass sie wohl für den asiatischen Markt produziert wurden.

Ja, wir wollen schon sehr bald, voraussichtlich diesen Frühling, größere Modelle aufstellen.

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