Fahrradstadt

Die Invasion der Leihfahrräder

Immer mehr Anbieter von Leihrädern drängen in die Stadt. Viele Berliner ärgern sich darüber. Der Senat will nun die Regeln verschärfen.

Zwei unachtsam abgestellte Leihfahräder liegen vor dem Hauptbahnhof.

Zwei unachtsam abgestellte Leihfahräder liegen vor dem Hauptbahnhof.

Foto: imago stock / imago/Marius Schwarz

Man könnte ihn getrost umbenennen, den Dominoeffekt. Er könnte jetzt Mobike-Effekt heißen – oder Obike-Effekt, egal. Hier an der Mollstraße Ecke Otto-Braun-Straße hat ein etwas komplizierteres Phänomen zugeschlagen. Der Lidl-Bike-Deezer-Nextbike-Effekt. Der eisige Nordwind hat ihn ausgelöst, ist erst gegen ein Rad geklatscht, das taumelte, stürzte, riss ein zweites silberfarbenes Rad mit dem geschwungenen Gepäckträger mit, dann noch eins, schließlich erfasste der Blechsturz die Konkurrenz, warf auch noch ein blaues Nextbike zu Boden.

Charlotte Wichowski ärgert das. Nicht weil sie mit ihrem Kinderwagen nicht mehr an den umgefallenen Leihrädern vorbeikommt, der breite Gehweg bietet genügend Platz zum Ausweichen. „Man fühlt sich, als hätte jemand einen großen Sack mit Rädern über Berlin ausgeschüttet“, sagt die junge Mutter. „Und keiner tut etwas dagegen, dass die Dinger überall rumliegen.“ Ihre Worte treffen die Stimmung bei vielen Berlinern.

Rückblick: ein diesiger Tag im Mai 2017. Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner (Grüne) tritt mit Schiebermütze und visionärem Blick vor die Pressefotografen, berlinert etwas von der Mobilitätskette, also der Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel, vom letzten Kilometer, den man mit dem geliehenen Rad von der S-Bahnstation zur Arbeit zurücklegt, sagt, „Nextbike schafft ein neues und attraktives Angebot“. Fotogeklacker. Schon wummern die Boxen in einem Lastenfahrrad, setzt sich der Radfahrer-Korso unter Reggae-Musik-Begleitung zur Feier des neuen Leihradsystems in Bewegung – und Kirchner setzt sich schnell an die Spitze des blau-silbernen Trupps ab.

Mit 7,5 Millionen Euro über fünf Jahre verteilt subventioniert der Senat das System Deezer-Nextbike, rund 2300 der blau-silberfarbenen Gefährte warten mittlerweile stadtweit auf Kundschaft. 2016 noch, als die Ausschreibung für das städtische Leihradsystem zu einem Ende gebracht wurde, schienen Leihräder in Berlin nur mit staatlicher Förderung denkbar.

Sechs Anbieter gibt es mittlerweile in Berlin

Das hat sich geändert. Sechs Anbieter von Leihfahrrädern tummeln sich inzwischen auf dem Markt, ein siebter hat sich schon angekündigt. Sie sind mal blau, mal blau-gelb, orange, silber-hellorange oder silber-dunkelorange. Wer innerhalb des S-Bahn-Rings die Augen danach offen hält, merkt: Sie sind überall. Mindestens 16.000 gibt es inzwischen in der Stadt. Zum Vergleich: Vor zwei Jahren waren es nicht mal 2000. Parallel zum subventionierten Nextbike warf die Deutsche Bahn in Kooperation mit einer Discounter-Kette ihre Lidl-Bikes ins Rennen. Es folgten unter anderem zwei große Anbieter aus China.

Wie viele Räder Berlin verträgt, kann niemand sagen, eine „Maximalgrenze für alle Straßen im Land Berlin kann wegen unterschiedlicher Straßenverhältnisse nicht bestimmt werden“, heißt es seitens der Verkehrsverwaltung auf Behördendeutsch. Tatsächlich dürfte sich der Wettbewerb noch interessant gestalten. Denn preislich geben sich die Konkurrenten nicht viel, in der Regel zahlt man zwischen 50 Cent und einem Euro pro halbe Stunde. Aber: „Berlin hat Potenzial für richtig viele Leihräder“, glaubt Konrad Lüders vom Anbieter Donkey Republic. Vor knapp einem Jahr hat das dänische Start-up mit einem lokalen Partner 100 orangefarbene Damenräder auf die Straßen Berlins gestellt. Inzwischen sind es 575, geplant sind bis zu 900 Räder.

Warum auf einmal so viele Anbieter nach Berlin kamen, kann Lüders nicht beantworten. Aber: „Für uns ist es ein gutes Zeichen, wenn es in einer Stadt schon ein gefördertes System gibt. Das heißt, das ein öffentliches Interesse vorhanden ist.“ Jimmy Cliff, Deutschland-Chef des chinesischen Anbieters Mobike, sieht angesichts von Stickoxid-Problemen in den Großstädten einen gewissen „Zeitgeist“, den der Leihfahrrad-Boom darstellt (siehe Interview).

In der Verkehrsverwaltung des Senats sieht man die Entwicklung mit gemischten Gefühlen. „Dass die Dynamik so groß werden könnte, hätte niemand gedacht“, sagt Staatssekretär Kirchner. Aber er sehe das auch als Chance. Und überhaupt: Es sei doch schön, dass Berlin als ein derart guter Standort für Fahrradverleihsysteme gesehen werde. Die Berliner FDP sieht das nicht so und spricht von Steuergeldverschwendung zur Bevorzugung des Anbieters Nextbike und pocht auf einen geregelten Wettbewerb. „Es kann nicht sein, dass der Senat hier private Geschäftemacher noch mit Millionen subventioniert“, sagt der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe. Auch Kirchner räumt ein, dass man, wären vor fünf Jahren schon so viele Anbieter auf dem Markt gewesen, wohl eine andere Förderung gewählt hätte.

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Überforderte Ordnungsämter ohne Orientierung

Mit der von Kirchner sicher nicht zu Unrecht prognostizierten Chance kommen auch die Herausforderungen. Denn aktuell gilt: Anbieter und Nutzer können die Räder mehr oder weniger auf- und abstellen, wo sie wollen. Die Bezirke, deren ohnehin überforderte Ordnungsämter sich kümmern müssen, wenn ein Rad mal wieder auf der Wiese geparkt wurde oder eine Einfahrt blockiert, müssen sich erst mal orientieren. „Wir hinken da ordnungspolitisch hinterher“, sagt Christiane Heiß (Grüne), Ordnungsstadträtin in Tempelhof-Schöneberg.

Ein Leitfaden der Verkehrsverwaltung soll den Bezirken helfen. Darin heißt es, dass keine Bürgersteige und Einfahrten, keine Zugänge zu Grünflächen oder Bahnhofseingänge zugeparkt werden dürfen. Keine Bushaltestellen, Briefkästen und Parkscheinautomaten dürfen zugestellt werden. Außerdem müssen die Anbieter, wenn sie mehr als vier Räder an einer Stelle abstellen wollen, eine Sondernutzung beantragen. Das Problem: Die Gespräche mit den Bezirken, wo solche Sondernutzungsflächen eingerichtet werden könnten, haben gerade erst begonnen und werden sich noch hinziehen – wie so vieles in der Berliner Verwaltung. Bis dahin herrscht ein Hauch von Anarchie. Lidl-Bike etwa hat eigene Zonen eingerichtet und lockt mit einem Bonus, wenn das Rad dort abgestellt wird.

Aus dem Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg heißt es, dass bereits seit der Einführung von Lidl-Bike im März vergangenen Jahres „ohne Ende Beschwerden kommen.“ Aber, so eine Bezirksamtssprecherin: „Wir haben keine Handhabe.“ Das wiederum sorgt für Ärger bei Nextbike. Das subventionierte Unternehmen ist nämlich eigentlich stationsgebunden, sprich darf seine Räder nur so lange im öffentlichen Raum abstellen, bis alle 700 der Ausleihstationen installiert sind. Für die bereits eingerichteten 200 Stationen zahlt Nextbike bereits eine Sondernutzungsgebühr. Selbst in der Verkehrsverwaltung räumt man ein, dass die Ordnungsämter dem Ansturm der Leihräder in dieser Form nicht gewachsen sind. Auch wenn die Anbieter Teams haben, die durch die Stadt fahren und die Räder einsammeln – bei der schieren Menge können auch sie nicht immer sofort einspringen.

Unternehmen konzentrieren sich auf die City-Bezirke

Stadträtin Heiß aus Tempelhof-Schöneberg ist dennoch optimistisch: „Mit dem neuen Mobilitätsgesetz kommen systematische Regelungen und eine klare Handhabe für die Ordnungsämter.“ Der Senat habe schnell auf die rasante Entwicklung reagiert, generell halte sie das Prinzip Leihräder in Berlin für einen Erfolg. Ein Problem sei aber die Konzentration vieler Anbieter auf die zentralen Bezirke. Tatsächlich ist nur Nextbike vertraglich gebunden, auch in den Außenbezirken Räder anzubieten. „Wir hoffen, dass sich die anderen Anbieter auch außerhalb des S-Bahn-Rings engagieren“, sagt Heiß. In ihrem Bezirk plane man ein Pilotprojekt am S-Bahnhof Lichtenrade.

Auf eine Ausweitung der Leihradsysteme an die Stadtränder hofft auch der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC). Weil die Leihfahrräder vor allem in Bezirken wie Mitte oder Friedrichshain-Kreuzberg sowie in Stadtteilen wie Prenzlauer Berg genutzt würden, steige der Frust bei den Anwohnern. Denn der öffentliche Raum für Fußgänger sei sowieso schon viel zu knapp. Lösungsvorschlag des ADFC: „Wir plädieren ganz klar dafür, Autoparkplätze für Leihräder freizumachen“, sagt Nikolas Linck, Sprecher des ADFC in Berlin. Schließlich belege der ruhende Verkehr am meisten Platz in den Straßen der Stadt.

Ein bisschen dürfen Senat und Bezirke auch auf die Anbieter setzen. Denn auch in ihrem Interesse liegt ein gutes Image ihres Angebots, das noch auf dem weiten Weg ist, sich zu eta­blieren. Dennoch gibt sich die Branche bedeckt, zu stark ist der Wettbewerb. Mobike etwa äußert sich zu der Frage, ob es GPS-bezogene Werbung nutzen will, sehr verhalten. Noch sei nichts entschieden.

Und fragt man bei den Betreibern, wer eigentlich ihre Nutzer sind, bekommt man keine konkreten Antworten. Betriebsgeheimnis, heißt es dann. Der Wettbewerb ist hart. Man ziele auf Touristen ebenso wie Einheimische, heißt es bei allen. Von einer Sprecherin von Lidl-Bike heißt es: vermehrt jüngere Zielgruppe, Menschen mit Jahreskarte der öffentlichen Verkehrsmittel. „Sie nutzen das Fahrrad-Angebot gezielt als Ergänzung zu anderen Mobilitätsangeboten.“ Ein bisschen hat man den Eindruck, dass viele Unternehmen einfach mal ihre Räder auf die Straßen geworfen haben, um zu schauen, was dann passiert.

Zu den Kunden gehören Menschen wie Robert Michaelis. Alter: 36, zwei Kinder, Projektmanager für Kulturinstitutionen. Er wohnt in Mitte, hat eigentlich ein Fahrrad. Aber wenn er flexibel sein will, wenn er von Termin zu Kita, zu Termin, zu Kita eilt, dann fährt er Bahn und die letzten Kilometer mit dem Lidl-Bike. Regelmäßig, sagt er. Am vergangenen Mittwoch hieß das: sechs Fahrten am Tag. Versteht er die Aufregung über die vielen Räder auf den Gehwegen? „Nicht so ganz“, sagt Michaelis. Er selbst stelle die Räder in Rückgabezonen ab. Schon deshalb, weil er dann mit seinem Tarif eine halbe Stunde umsonst fährt. Was Michaelis ärgert: platte Reifen. Das komme schon öfter mal vor. Eine finanzielle Anregung für die Kunden würde sicher dazu führen, dass Schäden verlässlicher gemeldet werden. „Aber meistens steht das nächste Rad ja nicht weit.“

Eine hellgrau-dunkelgrau-gescheckte Verkehrsinsel am Alexanderplatz. Autos rasen vorbei, zwei Spuren links, zwei Spuren rechts, vier Spuren im Tunnel darunter. Auch hier hat der Nordwind gewütet. Der Nextbike-Effekt. Andreas Freidank lässt die Konkurrenz liegen. Mit seinem weißen Lieferwagen sammelt er für Lidl-Bike defekte Räder ein, sorgt dafür, dass sie einigermaßen gleichmäßig auf die Stadt verteilt sind. Auf der Verkehrsinsel am Alexa stehen acht Lidl-Bikes, sieben Nextbikes liegen. Freidank schraubt eine Klingel an und einen Handgriff, hievt zwei Räder auf die Ladefläche. Ziel: Prenzlauer Berg. Dort sind besonders viele Leihradkunden. Die lassen sich morgens nach Mitte rollen. Zurück nehmen sie die Bahn: „Wir bringen die Räder wieder rauf“, sagt Freidank.

3500 Räder hat Lidl-Bike in Berlin, bis zu 50 landen täglich in der Werkstatt in einem Kreuzberger Hinterhof. 18 Mitarbeiter flicken platte Reifen, tauschen leere Batterien im digitalen Display oder zerstochene Ledersättel aus. Von 6 bis 22 Uhr. Die Disposition überwacht, dass sich nicht zu viele Räder an einem Ort häufen. Man halte sich an das Maximum von vier Rädern, sagt Werkstattchef Bernd Rather, man sei auf Ausgleich mit der Senatsverwaltung angewiesen. „Wir wollen kein Öl ins Feuer gießen.“

Dass man es mit der von der Verkehrsverwaltung vorgeschriebenen „Vier-Räder-Regelung“ nicht ganz so ernst nimmt, beweist eine Fahrt mit Instandhalter Freidank. Und: dass Platz nicht nur auf dem Gehweg rar ist. Seinen weißen Sprinter muss er ständig im Halteverbot parken, an der Fischerinsel vertreibt ihn eine Sicherheitsfrau der australischen Botschaft.

Bald sind an die zwölf Räder im Van. Große Reparaturen sind nicht nötig. Aber manchmal frage er sich schon, was die Leute mit den Rädern treiben. Manchmal muss Freidank dann schon mal ein Rad von der Litfaßsäule holen oder merkt erst nach einer Probefahrt, dass jemand die Pedalkurbel um 180 Grad gedreht wieder angeschraubt habe. Ärgerlich sei das, „aber teilweise schon fast Kunst“.

Theoretisch bis zu 100.000 Leihräder möglich

Glaubt man dem ADFC, dann ist das Potenzial für Leihfahrräder in Berlin noch lange nicht ausgeschöpft. ADFC-Sprecher Linck verweist auf eine Handreichung des New Yorker Institute for Transportation and Development Policy (Institut für Transport und Entwicklungspolitik). Das empfiehlt für dicht besiedelte, urbane Gebiete zehn bis 30 Leihräder pro 1000 Einwohner.

Für Berlin hieße das: bis zu 100.000 Leihräder. „Natürlich muss am Ende die Nachfrage zeigen, wie viele Räder in Berlin sinnvoll sind – da ist jede Stadt anders“, sagt Linck. Die Anbieter scheinen auf jeden Fall noch Potenzial zu sehen. Mit Ofo drängt bereits ein neues Leihradsystem in die Stadt. Auch aus China, diesmal mit knallgelben Rädern. Im Laufe des zweiten Quartals dieses Jahres wolle man an die Spree expandieren, heißt es. Die Senatsverwaltung rechnet mit weiteren 10.000 Rädern. Aus der Unternehmenskommunikation heißt es: Es würden sehr viel weniger. Zumindest für den Anfang.

Sieben Firmen sind in Berlin aktiv

Deezer Nextbike: Das Unternehmen aus Leipzig war im Libanon und Neuseeland aktiv, bevor es nach Berlin kam. Es gewann die Ausschreibung des Senats und löste damit das Angebot Call a bike der Deutschen Bahn ab. Nun wird es fünf Jahre lang mit insgesamt 7,5 Millionen Euro gefördert. Anders als die Konkurrenz muss Nextbike auch Räder in den Außenbezirken anbieten – und wenn alle 700 festen Stationen eingerichtet sind, kann man sie auch nur dort ausleihen und abgeben. Die Nextbike-Räder gelten als qualitativ hochwertig, und für Inhaber der VBB-Umweltkarte ist die erste Fahrt kostenlos.

Mobike: Das chinesische Unternehmen Mobike wurde vor drei Jahren in Peking von der Journalistin Hu Weiwei gegründet. Mit acht Millionen Rädern in elf Ländern zählt es zu den größten Leihfahrrad-Anbietern weltweit. In Berlin ging es im November mit 700 Rädern an den Start, inzwischen ist es nach eigenen Angaben mit mehr als 3500 Rädern der größte Wettbewerber. Skeptisch beäugt wird Mobike, da es zuletzt 600 Millionen Dollar Risikokapital von der Tecent-Gruppe erhielt, die die chinesische Version von WhatsApp betreibt. Mobike beteuert indes, dass es ihm nicht um die Daten seiner Nutzer geht.

Lidl-Bike: Mit 3500 Rädern ist Lidl-Bike in Berlin Marktführer. Zumindest offiziell. Sie gehören zur bundesweiten Call-a-Bike-Flotte der Deutschen Bahn. Ende 2015 lief der Fördervertrag mit dem Senat aus, seit März 2017 kooperiert die Bahn mit der Supermarktkette. Die Räder stehen ohne feste Stationen innerhalb des S-Bahnrings. Die Anmeldung erfolgt online oder über die dazugehörige App. Im Basistarif zahlt der Nutzer eine Gebühr von drei Euro im Jahr und 1,50 Euro für die erste halbe Stunde. Wer das Rad an Rückgabezonen abstellt, bekommt eine Ermäßigung. Eine Expansion der Flotte ist nicht geplant.

OBike: Seit November 2017 gibt es die Leihräder aus Singapur in Berlin. Zunächst in Mitte und Charlottenburg. Inzwischen haben sich die orange-silberfarbenen Räder, die nicht nur im Namen den Mobikes zum Verwechseln ähneln, auf die ganze Innenstadt verteilt. OBike ist derzeit mit 688 Rädern vertreten. Die Räder können überall abgestellt werden. Ob man mehr Räder nach Berlin schickt, will man nach der sechsmonatigen Testphase entscheiden. Für die Nutzung wird eine Kaution von 79 Euro fällig, eine halbe Stunde kostet einen Euro. Je mehr Guthaben man auflädt, desto günstiger wird es.

Donkey Republic: Im März 2017 ist das dänische Start-up in Berlin gestartet. Inzwischen gibt es 575 Räder, vor allem in Mitte, Prenzlauer Berg, der City West und Kreuzberg. Eine Fahrt von 30 Minuten kostet laut Donkey Republic im Schnitt 1,25 Euro. Günstiger fährt man mit einer Mitgliedschaft (bis zu zehn Euro im Monat). Anmeldung läuft per App, wahlweise auch über ein Facebook-Login. Praktisch: die Smartphone-Halterung am Lenker. Die Abgabe erfolgt laut Anbieter an sogenannten Hubs. Allerdings stehen die orangenen Hollandräder meist recht wahllos auf den Gehwegen. Pläne: bis zu 900 Räder in Berlin.

Byke Mobility: Rund 2000 Räder stellt Byke Mobility bereit. Es ist der einzige unter den Leifahrradanbietern, der aus Berlin stammt, bislang war das Unternehmen von Geschäftsführerin Julia Boss aber nur in Südhessen unterwegs. Mit 50 Cent Leihkosten pro halber Stunde ist Byke extrem günstig, allerdings handelt es sich dabei nur um den „aktuellen Launch-Preis“, sprich Erhöhungen sind zu erwarten. Zu Beginn war Byke vor allem in Mitte und Kreuzberg mit einigen Hundert der in China produzierten blau-gelben Räder unterwegs, jetzt will man aber auch den Rest der Stadt erobern.

Ofo: Mit Ofo soll bald der siebte Leihradanbieter nach Berlin kommen. In einer Antwort auf eine parlamentarische Anfrage heißt es vom Senat, Ofo wolle mit bis zu 10.000 Rädern in die Straßen. Eine Sprecherin in Wien will diese Zahl nicht bestätigen. „Beim Start werden es deutlich weniger sein.“ Im zweiten Quartal diesen Jahres soll es losgehen. Ofo stammt aus Peking und ist eigenen Angaben zufolge in 180 Städten in 13 Ländern aktiv. Und: Mit mehr als zehn Millionen Leihfahrrädern sei man weltweit das größte stationslose Verleihsystem. Preise in Berlin: noch nicht bekannt. Das System funktioniert per App.

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