Personalmangel

10.000 Kitaplätze in Berlin können nicht besetzt werden

Allein in Neukölln fehlen 1400 Kitaplätze. Auch in Mitte und Pankow können viele Plätze nicht vergeben werden. Grund: Personalmangel.

Kita-Kinder

Kita-Kinder

Foto: imago stock / imago/Westend61

In Berlin liegt zwar für mehr als 174.000 Kitaplätze eine Betriebserlaubnis vor, es stehen aber nur knapp 164.000 Plätze tatsächlich zur Verfügung. Rund 10.000 dringend benötigte Betreuungsplätze können also nicht vergeben werden. Hauptgrund dafür ist der Personalmangel bei Erziehern und Erzieherinnen. Die Senatsjugendverwaltung führt zudem Bauarbeiten, vorübergehende Personalvakanzen wegen eines Arbeitsplatzwechsels sowie die Aufnahme von Kindern mit besonderem Förderbedarf als Ursachen an, warum die erlaubten Plätze nicht in allen Kitas komplett genutzt werden. Wie viele Plätze allein aufgrund fehlenden Personals nicht angeboten oder belegt werden, könne nicht beziffert werden, erklärte Jugendstaatssekretärin Sigrid Klebba (SPD) auf eine Anfrage der CDU-Abgeordneten Emine Demirbüken-Wegner.

Die größte Differenz zwischen erlaubten und angebotenen Plätzen weist Neukölln mit mehr als 1400 Plätzen auf, dicht gefolgt von Mitte mit mehr als 1300 Plätzen. In Pankow und Tempelhof-Schöneberg sind je rund 1000 genehmigte Plätze vakant, in Steglitz-Zehlendorf, Reinickendorf und Lichtenberg sind es etwa 850. Am Ende der Tabelle stehen Treptow-Köpenick mit rund 600 und Marzahn-Hellersdorf mit gut 400 nicht belegten Plätzen.

Quote der Quereinsteiger beträgt nur 14,4 Prozent

Um den Mangel an Fachkräften zu mindern, werden auch Quereinsteiger als Erzieher eingesetzt. Allerdings stehen diese nicht in erforderlicher Zahl zur Verfügung. Der Senat halte an der aktuellen Quereinsteigerquote von 33 Prozent fest, obwohl längst nicht alle Kita-Träger sie ausschöpfen, teilte die Staatssekretärin mit. Über alle Einrichtungen gerechnet liege die Quote derzeit bei 14,2 Prozent. Beim Quereinstieg sei die berufsbegleitende Ausbildung das zentrale Instrument, um Fachkräfte zu gewinnen. Sie werde von rund 80 Prozent der Interessenten genutzt, so Klebba. Es klaffe eine Lücke zwischen dem Bedarf und dem Angebot an Praxisplätzen. Deshalb habe die Jugendverwaltung im Januar diesen Jahres begonnen, eine zentrale Vermittlungsstelle aufzubauen, die auch Beratung und die Akquise von Praxisstellen vorsieht.

Emine Demirbüken-Wegner ist mit der Antwort der Jugendverwaltung auf ihre parlamentarische Anfrage nicht zufrieden. Es sei nach wie vor unklar, wie viele Kitaplätze insgesamt in Berlin fehlen und wie viele genehmigte Plätze wegen des Personalmangels bei Erziehern und Erzieherinnen nicht zur Verfügung stehen. „Ohne konkrete Zahlen kann die Verwaltung aber nicht planen“, monierte sie. Die CDU-Abgeordnete will nun weitere Anfragen stellen, auch zur Zahl der unbesetzten Erzieherstellen.

Der Mangel an Kita-Plätzen nimmt in Berlin immer mehr zu. Den 164.000 Plätzen stehen derzeit 220.000 Kinder gegenüber, 50.000 mehr als vor zehn Jahren. Staatssekretärin Klebba betonte, der Senat halte an seiner Planung zum Ausbau der Platzkapazität fest. Zudem solle der Personalschlüssel stufenweise verbessert werden – trotz des Fachkräftemangels. Dazu sollen vor allem die Ausbildungskapazitäten erhöht werden. Das fordert auch Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU). Dazu müssten aber auch die Rahmenbedingungen stimmen. Liecke regte eine finanzielle Zulage für die Auszubildenden sowie eine bessere Bezahlung der Erzieher an. Er hatte sich auch wiederholt für eine Brennpunktzulage ausgesprochen.

Grünen-Landesvorsitzende Nina Stahr kritisierte indes die von Sandra Scheeres (SPD) geführte Senatsjugendverwaltung wegen eines Schreibens an die Jugendämter, das Bedingungen für die Kostenübernahme von privaten Betreuungskosten nennt. „Den Vorschlag, Berliner Kitas zeitweise überzubelegen, halten wir für den absolut falschen Ansatz“, so Stahr. „Dass der Senat jahrelang geschlafen hat, darf jetzt nicht auf dem Rücken der Kinder und Eltern ausgetragen werden.“ Wer den Erzieherberuf attraktiver machen wolle, dürfe nicht für noch mehr Überlastung sorgen. „Der Senat ist in der Pflicht, endlich nachhaltige Lösungen für den Mangel an Personal und Kita-Plätzen zu finden. Solange Berlin nicht ausreichend Kita-Plätze bereitstellen kann, müssen private Betreuungskosten erstattet werden“, so die Grünen-Chefin.

Mehr zum Thema:

Warnstreik bei Berliner AWO: Kitas könnten schließen

Asyl, Kitas, Rente – Was die GroKo zuerst anpacken will

Steuererklärung für Familien – Was Eltern absetzen können