Kriminalität

In Berlin ereignen sich sieben Messerattacken - pro Tag

In Berlin gab es vergangenes Jahr 2737 Angriffe mit Stichwaffen. In 560 Fällen waren die Täter jünger als 21 Jahre.

So hat sich die Kriminalität 2017 in Berlin entwickelt

Laut der Kriminalstatistik 2017 ist Berlin sicherer geworden. Bei manchen Delikten gibt es aber auch starke Zuwächse.

So hat sich die Kriminalität 2017 in Berlin entwickelt

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In Berlin hat es im vergangenen Jahr pro Tag im Schnitt sieben Messerattacken gegeben. Insgesamt wurden bei 2737 Straftaten Messer als Tatwaffe benutzt. Das waren 200 Fälle mehr als noch vor einem Jahr und knapp 300 Fälle mehr als noch vor zehn Jahren. In 560 Fällen waren die Tatverdächtigen jünger als 21 Jahre alt. Das geht aus einer Antwort auf eine kleine Anfrage des CDU-Abgeordneten Peter Trapp hervor, die der Berliner Morgenpost vorliegt.

Trapp, der die Zahlen Jahr für Jahr abfragt, fordert, dass Angriffe mit Messern als Tötungsversuche eingestuft werden sollten und nicht nur als gefährliche Körperverletzungen. „Ein Stich in den Oberschenkel, wenn er die Arterie trifft, ist lebensgefährlich“, sagte Trapp der Berliner Morgenpost. Bei einem Totschlag (mindestens fünf Jahre) würde das Strafmaß höher liegen als bei gefährlicher Körperverletzung mit mindestens sechs Monaten. In 560 Fällen sind die Tatverdächtigen unter 21 Jahre alt, in 80 Fällen sind die mutmaßlichen Täter Kinder, also unter 14 Jahre alt. „Das sind erschreckende Zahlen, die belegen, dass wir die Präventionsarbeit in den Schulen verstärken müssen“, so Trapp weiter. Eine Möglichkeit sei, dass in den einzelnen Abschnitten die Präventionsarbeit verschärft wird.

Auch der geständige Tatverdächtige im Mordfall Keira G. ist erst 15 Jahre alt. Edgar H. gab zu, das 14 alte Mädchen mit mehreren Messerstichen in der Wohnung ihrer Eltern getötet zu haben. Am Montag erließ wie erwartet ein Ermittlungsrichter Haftbefehl gegen Edgar H. Zunächst allerdings wegen Totschlags, was auch dem Antrag der Staatsanwaltschaft entsprach. Der Tatvorwurf könne im Zuge der weiteren Ermittlungen durchaus noch auf Mord ausgeweitet werden, dazu müssten allerdings entsprechende Mordmerkmale wie Heimtücke oder niedere Beweggründe vorliegen, so Martin Steltner, der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft.

Im Fall Keira G. bestand Verdunklungsgefahr

Darüber hinaus seien die gesetzlichen Vorgaben bei einem derart jungen Tatverdächtigen sehr hoch, betonte Steltner. In diesem habe als Haftgrund Verdunklungsgefahr bestanden. Es bestand seitens der Ermittler die Befürchtung, dass Edgar H. Mitschüler beeinflussen oder Beweise verschwinden lassen könne.

Unklar ist immer noch das Motiv für die Tat. Die Staatsanwaltschaft erhofft sich hier weitere Erkenntnisse aus den Befragungen von Zeugen aus dem Umfeld des 15-Jährigen. Bekannt ist, dass sich Täter und Opfer am Tattag in der Wohnung, in der auch das Verbrechen geschah, verabredet hatten. Was der Grund für das Treffen war und was dort dann genau geschah, ist Gegenstand der Ermittlungen.

„Sie kannten sich, waren aber kein Paar“

Täter und Opfer gingen beide auf den Grünen Campus Malchow in Lichtenberg. „Sie kannten sich, waren aber kein Paar“, sagt eine Schülerin. Schulleiter Thomas Barthl sagte diesen Montag: „Hier ist seit Mittwochabend kein normales Schulleben mehr möglich.“ Barthl hatte noch am Mittwoch, nur wenige Stunden nachdem Keira G. ihren schweren Stichverletzungen erlegen war, den für solche Ereignisse erstellten Notfallplan abzuarbeiten. Fünf Psychologen und Vertreter der Schulaufsicht sind seither an der Schule im Einsatz. Betreut werden sowohl in Gruppen als auch bei Bedarf individuell Schüler, Lehrer und Eltern.

Trotz des schnellen Ermittlungserfolges der Berliner Polizei und der dramatischen Situation an der Schule hetzen mehrere bekannte Rechte weiter im Internet. Bereits kurz nach der Tat am Mittwoch, noch während die Spurensicherung am Tatort war und Sanitäter die zusammengebrochene Mutter behandelten, kursierten in den sozialen Medien und auf den Seiten rechtspopulistischer Verschwörungstheoretiker Spekulationen und bewusst in die Welt gesetzte Falschmeldungen zur Identität des mutmaßlichen Täters.

Pegida-Gründer Bachmann bezichtigt Unschuldigen

Pegida-Gründer Lutz Bachmann verbreitete via Twitter das Foto eines unbeteiligten Jugendlichen und stellte den Gymnasiasten, der ebenfalls Edgar H. heißt, als vermeintlichen Täter an den Pranger. Der mehrfach vorbestrafte Bachmann verlinkte sogar auf die Facebook-Seite des jungen Mannes und schrieb: „Nun ist es wohl raus: Die Bestie vom Kaukasus, Edgar H., tschetschenischer Moslem und Ex-Flüchtling.“ Mittlerweile ermittelt die Polizei gegen Bachmann wegen übler Nachrede, falscher Verdächtigung und Volksverhetzung. Die Polizei bat außerdem: „Bitte beteiligen Sie sich nicht an Spekulationen & Hetze und bitte teilen Sie keine Fakes.“

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