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Mehr Kinder bei Fahrradunfällen in Berlin verletzt

2017 verunglückten in Berlin weniger Radfahrer als im Jahr zuvor. Unter den Unfallopfern waren aber mehr Kinder.

Vor diesen Situationen haben Fahrradfahrer am meisten Angst

Die größte Gefahrenquelle für Fahrradfahrern ist im Straßenverkehr menschliche Unachtsamkeit. Doch wovor fürchten sich Radfahrer am meisten? Eine Forsa-Studie stellt die größten Ängste heraus.

Vor diesen Situationen haben Fahrradfahrer am meisten Angst

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Berlin.  In Berlin hat es im vergangenen Jahr weniger Verkehrsunfälle mit Beteiligung von Radfahrern gegeben. Allerdings gab es mehr schwer verletzte Radfahrer und verunglückte Kinder. Das geht aus einer Antwort der Senatsinnenverwaltung auf eine Kleine Anfrage des Grünen-Abgeordneten Stefan Taschner hervor. Die komplette Verkehrsunfallstatistik soll am kommenden Freitag vorgestellt werden.

Demnach gab es im vergangenen Jahr 7111 Verkehrsunfälle mit Radfahrern. Im Jahr zuvor waren es noch 7571. Die meisten Unfälle (3432) passierten mit Fahrzeugen, die abbiegen oder die Fahrbahn kreuzen wollten. In 402 Fällen waren Lastwagen an den Unfällen beteiligt (2016: 422). Die Zahl der schwer verletzten Radfahrer kletterte von 631 im Jahr 2016 auf 665 im vergangenen Jahr, die Zahl der verunglückten Kinder von 381 im Jahr 2016 auf 404 im vergangenen Jahr.

Politik und Rad-Aktivisten fordern nun, dass in Berlin vor allem Kreuzungen zügig baulich entschärft werden müssen. „Sichtstreifen reichen nicht. Wir müssen auch darüber nachdenken, Radwege einzupollern oder Parkplätze vor Kreuzungen zu reduzieren, um die Übersichtlichkeit zu verbessern“, sagte der Grünen-Abgeordnete Taschner der Berliner Morgenpost.

Fahrradclub fordert elektronischen Assistenten

Auch der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Berlin fordert sicherere Kreuzungen. „Aufmerksamkeit gibt es von der Politik immer erst, wenn es zu schweren Unfällen gekommen ist“, sagte Lara Eckstein vom ADFC. Der Fahrradclub fordert neben einer baulichen Veränderung und einer getrennten Ampelschaltung für Auto- und Fahrradfahrer einen elektronischen Abbiegeassistenten für Lkw.

„Fahrzeuge, die diese Technik nicht haben, dürfen dann nicht mehr in Innenstädte fahren“, sagte Eckstein der Berliner Morgenpost. Zudem müsse sich Berlin fragen, wie viel motorisierten Verkehr man in der Hauptstadt in Zukunft überhaupt noch wolle. „Die vielen verunglückten Kinder und Senioren zeigen doch, dass das Klischee vom Kampfradler nicht zutrifft“, so Eckstein weiter.

Radaktivist Peter Feldkamp von Changing Cities, einer Initiative für das Berliner Radgesetz, sagte, dass die Berliner Polizei mehr kontrollieren müsse. Wie berichtet waren zuletzt Schwerpunkteinsätze gegen Raser und sogenannte Profilierungsfahrer stark rückläufig. Wie der Grünen-Abgeordnete Taschner und der ADFC fordert Feldkamp zudem Geschwindigkeitsbegrenzungen. „Bei geringeren Abbiegegeschwindigkeiten passieren auch weniger Unfälle“, sagte er der Morgenpost. Zudem müssten Kreuzungen so umgestaltet werden, dass Fahrzeuge von einem anderen Winkel aus Radwege kreuzten. „Nur auf Helmpflicht zu pochen, reicht nicht“, sagte Feldkamp.

Derzeit sorgt das Berliner Mobilitätsgesetz, das in den kommenden Wochen verabschiedet werden soll, für heftige Debatten zwischen den Fraktionen von Regierung und Opposition. Berlin will das Miteinander von Autos, Fahrrädern, Bussen und Bahnen sowie Fußgängern gesetzlich regeln. Ziel ist einerseits, mehr Menschen zum Umsatteln auf den öffentlichen Nahverkehr und das Fahrrad zu animieren. Andererseits soll der Verkehr in der Hauptstadt für alle sicherer werden. In einem mehrmonatigen Dialog mit Initiativen und Verbänden wurde das Gesetz in „Rekordtempo“ auf den Weg gebracht, wie Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) betont.

Opposition kritisiert Mobilitätsgesetz scharf

Vor allem der Plan, an allen Hauptverkehrsstraßen Radwege zu bauen, erregt die Gemüter. Die CDU verweist darauf, dass 42 Prozent der Berliner täglich ein Auto nutzen. Wichtiger als ein Mobilitätsgesetz seien neue U-Bahn-Strecken. Die FDP kritisiert vor allem den Plan, Radwege an allen Hauptstraßen zu bauen. Wie die Verkehrsverwaltung auf eine Kleine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe sagte, soll der Versuch „Geschützte Radfahrstreifen“ von einer umfangreichen Vorher-Nachher-Untersuchung begleitet werden. In etwa einem Drittel der untersuchten Straßen würde es künftig in jede Richtung eine Autospur und eine Radspur geben.

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