Nahverkehr

Berliner S-Bahn bekommt ICE-Technik für Fahrgastinfos

Die nächste Zuggeneration soll auch bei der Information der Fahrgäste neue Maßstäbe setzen. Unter anderem mit der „Perlenschnur“.

Die neue Berliner S-Bahn ist serienmäßig mit Klimaanlage und Videoüberwachung ausgestattet

Im Stadler-Werk in Pankow beginnt die Montage der neuen S-Bahnen für Berlin. Die S-Bahn hat 106 Züge bestellt. Der erste soll am 1. Januar 2021 ab Südkreuz fahren.

Die neue Berliner S-Bahn ist serienmäßig mit Klimaanlage und Videoüberwachung ausgestattet

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Berlin. S-Bahn-Nutzer klagen vielfach über unzureichende Informationen. Vor allem im Störungsfall fehlen häufig Aussagen etwa über Wartezeit und Fahralternativen. Doch das soll bald anders, vor allem besser werden. Mit der neuen Zug-Generation, die ab 2021 in der Hauptstadt zum Einsatz kommen soll, will die S-Bahn auch bei der Fahrgastinformation neue Maßstäbe setzten.

Damit dies kein leeres Versprechen bleibt, wird im Frankfurt am Main intensiv entwickelt und getestet. In einem schmucklosen Bürobau im Stadtteil Niederrad tüfteln im Auftrag des Bahnkonzerns rund 300 Experten – darunter IT-Spezialisten, Programmierer und Ingenieure – an der „Reisendeninformation“ der Zukunft. Ein Team von 20 Mitarbeitern kümmert sich seit einem Jahr speziell um die Berliner S-Bahn. Die Arbeiten am „Reisendeninformationssystem S-Bahn“ (RIS) sind weit vorangeschritten.

Die „Hardware“, also die technische Ausstattung der neuen Züge, steht bereits fest: Neben der bekannten Anzeige an der Zugfront (mit Liniennummer und konkretem Fahrziel), dem Laufband im Wageninneren (mit Fahrziel und nächstfolgenden Stationen) wird es bei der von einem Konsortium aus Stadler Pankow und Siemens entwickelten Neubaureihe 483/484 erstmals Seitenanzeiger geben, und zwar zwei an jedem Wagen. Wer auf dem Bahnsteig steht, muss bei Einfahrt der S-Bahn nicht mehr unbedingt auf die Frontanzeige achten, um dann in den richtigen Zug einzusteigen. Kleine Herausforderung an die RIS-Entwickler: Die Aufschrift soll auch dann erkennbar sein, wenn sich die Türen geöffnet haben. Daher werden die fensterbreiten Anzeiger erst einmal nur zur Hälfte mit Informationen versehen.

Mehrfarbige Anzeigen mit Symbolen und „Perlenschnur“ der Stationen

Während diese Anzeigen wie bisher in robuster, allerdings einfarbig gelber LED-Technik ausgeführt werden, wird es im Wageninneren einen Bildschirm in TFT-Technik geben, wie er in Fernzügen der Bahn, aber auch in neuerer U-Bahnen und Bussen der BVG Standard ist. Die Anzeigen sind nicht nur mehrfarbig, sie erlauben auch die Darstellung von Texten, Symbolen oder „Perlenschnüren“ (also einer Aufreihung der Stationen an der jeweiligen Linie ) und so ein sichtbar größeres Infoangebot als bisher. Software und Technik, die dahinter steht, wird bereits bei der seit 2017 laufenden Modernisierung der ICE3-Züge verwandt.

Selina Nocera aus dem Frankfurter Entwicklerteam stellt bei einer Praxis-Demonstration einige Anzeigen-Varianten vor. So kann der Reisende während der Fahrt sehen, welche Anschlüsse er an der nächsten Station erreicht oder an welchem Halt er in eine andere S-Bahn umsteigen muss, um an sein Ziel zu gelangen. Verarbeitet werden vom Info-System keine theoretischen Fahrplaninhalte, sondern Echtzeit-Informationen, betonte RIS-Projektleiter Recai Gündüz. Das erlaubt bei Störungen, schneller und besser zu reagieren.

„Bislang können nur unsere Lokführer per Zugfunk Informationen etwa zur Dauer einer Störung erhalten“, so Jürgen Strippel, Fahrzeugmanager der Berliner S-Bahn. Anschließend gebe es dann mal mehr oder weniger gute Durchsagen für die Fahrgäste geben. Das neue System erlaube es, direkt aus der S-Bahn-Betriebszentrale Ansagen in jedem Zug der neuen Baureihe zu machen. Der Hauptvorteil des neuen Fahrgastinformationssystems: Es wird unabhängig von der Technik zur Steuerung des Zuges entwickelt und eingebaut. „Wir können wir später viel einfacher auf neue Anforderungen reagieren“, betonte Strippel. Einfache Software-Updates, wie etwa bei einem Smartphone, würden für eine Modernisierung des Systems ausreichen.

Bei den derzeit im Einsatz befindlichen Zügen gibt es diese Trennung nicht. Änderungen haben Folgen für die gesamte Zugtechnik, sind daher sicherheitsrelevant und bedürfen spezieller Genehmigungen. Genau aus diesem Grund wird es, sehr zum Ärger vieler Fahrgäste, bei der Modernisierung der S-Bahn-Baureihen 480 und 481 keine Verbesserungen bei der Fahrgastinformation geben.

Zehn Prototypen sollen zunächst getestet werden

Erprobt werden soll das RIS zunächst in zehn Prototypen der neuen Baureihe. Gebaut werden je fünf Vierteiler und Doppelwagen, die ab dem Januar 2021 auf der S47 (Spindlersfeld–Hermannstraße) sieben Monate lang zum Einsatz kommen. „Wir werden dann sehen, wie sich das System im Alltag bewährt“, kündigte S-Bahn-Manager Strippel an. Änderungen seien also nicht ausgeschlossen. Das letzte Wort würden ohnehin die Besteller, also die Länder Berlin und Brandenburg haben.

Den ersten montierten Zug können die Berliner mit Glück Ende Mai zu sehen bekommen, wenn dieser vom Pankower Stadler-Werk nach Velten (Oberhavel) überführt wird. Erstmals öffentlich präsentiert wird die neue S-Bahn dann Mitte September auf der Schienenfahrzeugmesse Innotrans.

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