Lehrer gegen Gewalt

Scheeres: Berliner Schulen sollen Krisenteams bilden

Bildungssenatorin Scheeres will Ansprechpartner für Gewaltprävention und Notfälle in Schulen zur Pflicht machen.

An der Spreewald-Grundschule an der Pallasstraße in Schöneberg sorgt seit kurzem ein Wachdienst für Sicherheit. Dort war es zu einer Reihe von Gewaltvorfällen gekommen

An der Spreewald-Grundschule an der Pallasstraße in Schöneberg sorgt seit kurzem ein Wachdienst für Sicherheit. Dort war es zu einer Reihe von Gewaltvorfällen gekommen

Foto: Jörg Krauthöfer

Das Berliner Schulgesetz soll in verschiedenen Punkten geändert werden. Am Montag stellte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) vor, was ihre Verwaltung an wichtigen Änderungen plant. Die erste Lesung des neuen Gesetzentwurfs soll dann im September im Abgeordnetenhaus stattfinden. „Wenn alles optimal läuft, wird es dann im November verabschiedet“, sagte die Senatorin. Das Berliner Schulgesetz stammt aus dem Jahr 2004. Seitdem hat sich in der Schullandschaft manches verändert, was nun Eingang ins Gesetz finden soll. Hier die wichtigsten Änderungspunkte, die kommen sollen:

  • Inklusion Noch fehlt das Wort „Inklusion“ im Berliner Schulgesetz – also das gemeinsame Lernen aller, ob mit Behinderung oder nicht, mit Lernstörung oder ohne. Nun soll, so Scheeres, „der ganze Komplex der Inklusion“ im Schulgesetz verankert werden. Wichtig ist dabei auch, dass sich sprachlich manches ändert. So soll aus „autistischer Behinderung“ zukünftig „Autismus“ werden. Und aus dem sonderpädagogischen Förderschwerpunkt „Hören“ wird nun „Hören und Kommunikation“.
  • Aussetzen der Benotung Ein wichtiger Punkt – gerade bei Kindern, die besonderen Förderbedarf haben. Wie beispielsweise Flüchtlingskindern in Willkommensklassen. Hier ist es ja schon länger möglich, Schülern eine Frist zu gewähren, in denen sie in einem Fach nicht benotet werden. Als theoretisches Beispiel nennt Senatorin Scheeres einen Flüchtlingsjungen aus Syrien, der möglicherweise in Mathe und Naturwissenschaften sehr stark sei, was dann auch benotbar ist. Da er aber erst Deutsch lernen muss, setzt man die Deutschnote für eine Weile aus. Dieses Nicht-Benoten soll zukünftig ausdrücklich auf dem Zeugnis vermerkt werden. Damit sollen die Entscheidungen nicht mehr anfechtbar sein. „Das bietet Rechtssicherheit“, so Scheeres.
  • Dreijährige Oberstufe Auf Berlins Gymnasien wird das Abitur zur zwölften Klasse abgelegt – anders als bei Sekundarschulen, wo die Schüler bis zur 13. Klasse Zeit haben. Die Folge? Berlins gymnasiale Oberstufe hat nur zwei Jahre. Deutschlandweit soll die Oberstufe allerdings drei Jahre sein. Darum wird die zehnte Klasse des Gymnasiums nun eine Doppelfunktion erhalten: als letzte Klasse der Mittelstufe und gleichzeitig erste Klasse der Oberstufe. Der zehnten Klasse des Gymnasiums wird so zusätzlich die Aufgabe der „Orientierungsphase“ zugeordnet. In den Sekundarschulen absolvieren die Schüler dagegen die „Orientierungsphase“ erst in der elften Klasse.
  • Gemeinschaftschulen Die Gemeinschaftschulen, bei denen gemeinsames Lernen von der ersten Klasse bis zum Abitur möglich sind, sollen als „eigenständige Schulform“ anerkannt werden. Seit zehn Jahren werde diese Schulform als „Pilotprojekt“ genau beobachtet. Das Ergebnis sei sehr positiv, so Scheeres. Gerade diese Schulen seien offen für alle Kinder, sie arbeiteten inklusiv. Carola Ehrlich-Cypra, Sprecherin des Elternnetzwerk Berliner Gemeinschaftsschulen, freut sich. „Das ist genau, was wir gefordert haben“, sagte sie.
  • Abendgymnasium/Kolleg Bislang musste man musste man mindestens 19 Jahre alt sein und drei Jahre gearbeitet haben, um Zugang zum Abendgymnasium zu erhalten. Das soll sich nun ändern: jetzt reichen die Volljährigkeit und zwei Jahre Berufserfahrung.
  • Stärkung der Elternrechte An beruflichen Schulen und Oberstufenzentren finden Elternabende bislang nur statt, wenn mindestens ein Fünftel der Eltern das wünschen. Das soll sich zukünftig ändern. „Elternmitsprache ist selbstverständlich“, sagte Senatorin Scheeres.
  • Krisenteams Schon jetzt gibt es an 90 Prozent der Berliner Schulen Krisenteams, die bei Gewalt an der Schule, sollte sie auftreten, aktiv werden sollen. Zukünftig soll jede Schule verpflichtet werden, ein solches Krisenteam aus Pädagogen zusammenzustellen. Wichtig seien klare Ansprechpartner, so Scheeres, die im Konfliktfalle wüssten, was zu tun sei. Damit eine Situation wie zuletzt an der Spreewald-Grundschule in Schöneberg, die einen Wachschutz beauftragte, nicht mehr entstehen.
  • Neue Sprache Ein Beispiel: Aus dem „Lehrerausschuss“ soll bald der „Lehrkräfteausschuss“ werden. Warum? Damit werden zwei Dinge geändert – erstmal sind Lehrkräfte im Vergleich zum Lehrer geschlechtsneutral. Und zweitens kann man unter den Lehrkräften auch die Sonderpädagogen und Erzieher fassen.
  • Neuer Träger Die John-F.-Kennedy-Schule und das Französische Gymnasium bekommen einen neuen Träger: Statt beim Bezirk sollen sie zukünftig zentral beim Land angebunden sein. Man schätze das Konzept der Mehrsprachigkeit sein, so Scheeres.

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