Zehlendorf

Die Flüchtlinge bleiben langfristig in Nikolassee

Zehlendorf.  Damit hatten die Anwohner von Nikolassee nicht gerechnet. Dass am Beelitzhof 24 künftig Flüchtlinge untergebracht werden sollten, war ihnen bekannt. Container sollten dort aufgestellt werden, sogenannte Tempohomes, errichtet für drei Jahre und 220 Asylsuchende. Doch in einer Informationsveranstaltung, zu der der Staatssekretär für Integration, Daniel Tietze, kürzlich eingeladen hatte, war davon keine Rede mehr. In der neuen Planung soll nun eine der modularen Unterkünfte entstehen, für mehrere Jahrzehnte und 480 Flüchtlinge.

„Da waren viele erst einmal geschockt“, sagt eine Anwohnerin. Auf die 220 Menschen seien alle vorbereitet gewesen. „Wie aber soll dieser kleine Ortsteil diese Masse jetzt auffangen?“, fragt die Nikolasseerin. Etwa 180 Menschen wohnten im Umkreis, es gebe einen kleinen Supermarkt und eine Kita für 15 Kinder. „Wir sind bereit, Menschen aufzunehmen“, so die Anwohnerin, „aber nicht in diesem Umfang.“ Statt Container seien es jetzt acht viergeschossige Betonhäuser, etliche Bäume müssten gefällt werden.

Zumindest was die Zahl der Gebäude angeht, kann Sascha Langenbach, Sprecher vom Landesamt für Flüchtlingsangelegenheiten, die Anwohner beruhigen. „Es sind zwei Wohnhäuser mit jeweils vier Eingängen und ein Verwaltungsgebäude geplant“, stellt Langenbach klar. Er bestätigt, dass ursprünglich Container aufgestellt werden sollten. Nach einer Begehung des Standortes wurde diese Idee jedoch verworfen. Für Container hätten noch mehr Bäume gefällt werden müssen, so Langenbach. Außerdem ist der Verkehr von der Avus zu laut. Modulbauten sind besser isoliert. Daher die Planänderung. Bestätigen muss Langenbach ebenfalls, dass die Unterkunft am Beelitzhof langfristig für Flüchtlinge genutzt werden soll. „Mindestens die nächsten zehn Jahre.“

Das Grundstück am Beelitzhof gehört den Berliner Wasserbetrieben. Es ist ein Sportgelände, die Mitarbeiter haben dort Fußball und Tennis gespielt und müssen jetzt ein Ausweichquartier finden. Der Senat hat den Platz für 1,5 Millionen Euro gekauft. „Noch muss aber der Landessportbund der Umwidmung zustimmen“, sagt Stephan Natz von den Wasserbetrieben. Erst dann sei der Kauf besiegelt.

Etwa 1800 Flüchtlinge leben im Bezirk Steglitz-Zehlendorf. Neun Unterkünfte sind in Betrieb, darunter drei Not- und Erstaufnahmeeinrichtungen sowie sechs Gemeinschaftsunterkünfte. Fünf Standorte für modulare Flüchtlingsunterkünfte für jeweils 450 Bewohner sind im Bezirk geplant. „Die Unterbringung in den MUFs kann kein Endzustand sein“, sagt Günther Schulze vom Willkommensbündnis. Zur Integration gehöre auch die Inte­gration auf dem Wohnungsmarkt.

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