Hirnhautentzündung

Hirntote Mutter aus Berlin bringt Kind zur Welt und stirbt

Franziska Lemcke klagte über Nackenschmerzen - eine Woche später war sie tot. Die Ärzte hielten sie am Leben, um das Baby zu retten.

Fmilie Lemcke um Mutter Franziska und Vater Dominik bei der Babyparty im Februar

Fmilie Lemcke um Mutter Franziska und Vater Dominik bei der Babyparty im Februar

Foto: privat

Berlin. Kurz vorher hatten sie noch eine Babyparty gefeiert – ein Fest, bei dem die Schwangere Geschenke für ihr Kind bekommt. Am Tag danach klagte Franziska Lemcke über Nackenschmerzen. Eine Woche später war sie tot. Sie starb mit 25 Jahren an einer durch Bakterien ausgelösten Hirnhautentzündung im Klinikum Neukölln. Ihr Mann bleibt mit den drei Kindern allein zurück. Fünf Tage lang hatten die Ärzte Franziska Lemcke zuvor am Leben erhalten, um das Baby zu retten. Leonie-Franziska kam acht Wochen zu früh zur Welt – aber gesund. Zwei Tage später wurden die Maschinen, die ihre Mutter am Leben erhielten, abgestellt.

„Ich bin jetzt alleinerziehender Vater von drei Kindern.“ Dominik Lemcke, 29 Jahre alt, sagt diesen Satz, als müsse er sich wieder und wieder bewusst machen, was das bedeutet. Die Familie hat zwei Söhne, Elias (3) und Louis (2). Vater Dominik hatte gerade eine Ausbildung als Lokführer begonnen. Die Lemckes freuten sich auf das dritte Kind, der Vater überraschte seine Frau mit der Party, für die er die Wohnung mit rosafarbenen Ballons und Girlanden geschmückt hatte. Auf einem bei der Party entstandenen Foto strahlen die Eltern und die Söhne in die Kamera.

Nichts hatte zuvor auf die schwere Erkrankung hingedeutet. Franziska Lemcke litt unter Schwangerschaftsübelkeit, inzwischen aber ging es ihr wieder gut. Dann Fieber, Erkältung, schwerer Husten, „wie halt alle Grippe haben im Moment“, dachte Dominik Lemcke. Nach zwei, drei Wochen fühlte sie sich wieder fit, ihr Mann freute sich, dass er die Überraschungsparty nicht absagen musste.

„Eine Stunde später hat sie mich nicht mehr erkannt“

Auch der steife Nacken am nächsten Morgen machte ihnen keine Sorgen. Sie habe wohl Zugluft abbekommen, mutmaßte Franziska Lemcke, einen steifen Nacken hat ja schließlich jeder mal. Am Dienstag bekam sie extreme Kopfschmerzen – so stark, dass ihr Mann den Notarzt rief. „Eine Stunde später hat sie mich schon nicht mehr erkannt“, sagt Dominik Lemcke.

Pneumokokken sind Bakterien, die schwere Infektionen verursachen können, eine Mittelohr- oder Lungenentzündung. Oder eine Hirnhautentzündung, zu Beginn oft mit Symptomen wie einem steifen Nacken und starken Kopfschmerzen, die häufig fälschlicherweise für eine Grippeerkrankung gehalten werden. Im Verlauf trübt sich oft das Bewusstsein ein, bis hin zur Bewusstlosigkeit. Deshalb werden bei Verdacht auf bakterielle Hirnhautentzündung sofort Antibiotika gegeben, die aber bei Franziska Lemcke nicht anschlugen.

Dominic Lemcke blieb neben seiner Frau sitzen, hielt ihre Hand

Dominik Lemckes Stimme bricht, als er von den Momenten am Bett seiner Frau erzählt. Die Ärzte hätten ihm schon zwölf Stunden nach der Einlieferung ins Krankenhaus gesagt, „dass in ihrem Gehirn nichts mehr funktioniert“, sagt er. Aber der 29-Jährige blieb neben seiner Frau sitzen, hielt ihre Hand und sprach mit ihr. „Ich weiß nicht, ob sie etwas mitbekommen hat“, sagt er. Wenn Familie und Freunde ihn danach fragten, sagte er einfach nur: „Ich hoffe, dass etwas ankommt.“

Familie und Freunde sind es auch, die ihm jetzt Halt geben. Sie kümmern sich um die Kinder, wenn er Zeit braucht. Nach ein paar Stunden aber ist der Vater wieder bei Elias und Louis. „Sie brauchen mich jetzt ganz besonders“, sagt er und erzählt von einem Moment am Vortag, als sein Dreijähriger im Auto plötzlich „Mama Kussi geben!“ rief und der Vater ihm sagen musste: „Das geht jetzt nicht mehr.“ Die Kinder können noch nicht wirklich verstehen, was passiert ist, das weiß der Vater. „Die Mama ist jetzt bei den Engeln“, so habe er ihnen erklärt, dass ihre Mutter nicht mehr da ist.

Die Ausbildung zum Lokführer musste ich abbrechen“

Dominik Lemcke selbst hat im Moment kaum Zeit, darüber nachzudenken, wie es für die Familie weitergeht. Er muss so vieles organisieren, die Bestattung vorbereiten, mit der Arbeitsagentur sprechen: „Die Ausbildung zum Lokführer musste ich abbrechen“, sagt er. Sie nur zu unterbrechen, hatte keinen Sinn: „Lokführer arbeiten im Vierschichtsystem, das ist als Alleinerziehender mit drei Kindern nicht zu machen.“ Er hoffe auf das Verständnis der Arbeitsagentur, sagt er, „dass sie das Menschliche berücksichtigen“ und ihm Zeit geben, sich um seine Familie zu kümmern.

Neugeborenes bekam den Namen seiner toten Mutter

Dominik Lemcke weiß, dass er in den nächsten Wochen viel zu organisieren haben wird. Vor allem aber will er für Elias und Louis da sein und für die nach der Mutter genannte Leonie-Franziska, wenn sie in fünf Wochen nach Hause kommt. Diese Aufgabe hilft ihm durch den Tag. Erst wenn die Kinder abends im Bett sind und Ruhe einkehrt, kommt er zum Nachdenken. Auch er selbst habe noch gar nicht begreifen können, wie sich sein Leben innerhalb weniger Tage verändert hat, sagt er, „es ging alles viel zu schnell“.

Familie Lemcke braucht Hilfe

Das tragische Schicksal der Familie Lemcke bewegt viele Menschen. Der junge Vater muss nach dem Tod seiner Frau Franziska plötzlich allein für drei kleine Kinder sorgen und den Alltag organisieren. Dazu kommen noch die finanziellen Sorgen, da er seine Ausbildung nicht fortsetzen und in dem geplanten Beruf als Lokführer nicht arbeiten kann. Berliner helfen e. V., der Verein der Berliner Morgenpost, möchte die Familie in dieser schweren Situation unterstützen. Wenn Sie mithelfen wollen, spenden Sie bitte an: Berliner helfen e.V. Stichwort: Franziska IBAN: DE69 1002 0500 0003 3071 00 BIC: BFSWDE33BER

Jeder gespendete Euro wird ohne Abzüge zur Unterstützung von Dominik Lemcke und seinen drei Kindern eingesetzt. Berliner helfen e.V. ist als gemeinnütziger Verein anerkannt und trägt das DZI-Spendensiegel.

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Das Charlottenburger Tattoostudio "Painful Love Tattoo" hat am Valentinstag Spenden für Kinder in Not gesammelt.
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