Lebensmittelausgabe

Berliner Tafel will weiter Lebensmittel an Ausländer geben

In Essen will die Organisation nur noch Bedürftige mit deutschem Pass zulassen. Für die Berliner Tafel-Chefin ist das keine Option.

Ehrenamtliche Mitarbeiter verteilen Lebensmittel an Bedürftige (Archivbild)

Ehrenamtliche Mitarbeiter verteilen Lebensmittel an Bedürftige (Archivbild)

Foto: Daniel Karmann / dpa

Berlin. Die Berliner Tafel verteilt weiterhin Lebensmittel an Ausländer. Das erklärte Sabine Werth, Vorsitzende der Berliner Tafel. Sie reagierte damit auf die Entscheidung der Essener Tafel, bis auf weiteres nur noch Bedürftige mit deutschem Pass als neue Kunden zuzulassen.

"Bei der Aufnahme der Kunden wird lediglich die Bedürftigkeit der Menschen überprüft, nicht deren Nationalität", so die Berliner Tafel-Chefin in ihrer Pressemitteilung.

Die Essener Tafel hatte zur Begründung ihrer Entscheidung erklärt, der Anteil der Migranten unter den 6000 Nutzern sei auf 75 Prozent angestiegen. "Um eine vernünftige Integration zu gewährleisten", sehe sich die Tafel gezwungen, "zurzeit nur Kunden mit deutschem Personalausweis aufzunehmen". Der Landesverband der Tafeln in NRW zeigte Verständnis für den Schritt und verwies auf den großen Andrang bei den Tafeln. Kritik kam von der Linkspartei in NRW.

Tafel in Essen: "Auch die deutsche Oma soll zu uns kommen"

"Wir wollen, dass auch die deutsche Oma weiter zu uns kommt", sagte der Vorsitzende der Essener Tafel, Jörg Sartor, der "WAZ", die darüber berichtet hatte. In den vergangenen zwei Jahren seien ältere Tafel-Nutzer sowie alleinerziehende Mütter offenbar einem schleichenden Verdrängungsprozess zum Opfer gefallen. Nachfragen hätten ergeben, dass sich gerade ältere Nutzerinnen von der Vielzahl junger, fremdsprachiger Männer an den Ausgabestellen abgeschreckt fühlten.

Vor dem Beginn des starken Flüchtlingszuzugs im Jahr 2015 sei jeder dritte Tafel-Kunde Zuwanderer oder Flüchtling gewesen, sagte Sartor. Inzwischen mache diese Gruppe aber drei Viertel aller Bedürftigen aus, die von der Tafel Lebensmittel erhalten. Daher habe der Vorstand im Dezember beschlossen, nur noch deutsche Kunden neu aufzunehmen. Dies werde seit Mitte Januar umgesetzt und zwar "so lange, bis die Waage wieder ausgeglichen ist".

Berliner Tafel: "Durchaus auch Spannungen unter den Kunden"

Sabine Werth von der Berliner Tafel erklärte dazu: "Wir wissen von den Ehrenamtlichen, dass es bei den Ausgaben durchaus auch zu Spannungen unter den Kunden gekommen ist, auch für die Ehrenamtlichen gab und gibt es belastende Situationen. Die Ausgabestellen haben darauf reagiert, indem sie das Wartesystem modifiziert haben." Viele Ausgabestellen hätten ein Losverfahren eingerichtet, andere würden mit wechselnden Farbzuordnungen feste Zeitfenster für die Abholung regeln. "Die Kunden wissen, dass sie Bestandteil eines fairen Ablaufs sind", so Werth.

Sollte eine Ausgabestelle an die Grenze ihrer Kapazität kommen, könne sie einen vorübergehenden Aufnahmestopp aussprechen. Dieser Aufnahmestopp gelte für alle bedürftigen Menschen, unabhängig von ihrer Nationalität. Derzeit gebe es in Berlin an vier von insgesamt 45 Ausgabestellen einen Aufnahmestopp.

Tafel-Chefin: "Spielen die Bedürftigkeit der Menschen nicht gegeneinander aus"

Werth erklärte: "Für die Berliner Tafel gibt es keine Bedürftigen erster oder zweiter Klasse. Wir orientieren unser Handeln an der Mitmenschlichkeit und spielen die Bedürftigkeit der vielen Menschen in Berlin nicht gegeneinander aus."

In Berlin erhalten 50.000 Menschen an 45 Ausgabestellen der Tafel Lebensmittel. Die Bedürftigkeit der Personen wird anhand von ALG II-, Renten-, Grundsicherungs-, BaFöG- oder auch Asylbewerberleistungsbescheiden belegt. In Deutschland gibt es insgesamt rund 930 Tafeln, die überschüssige Lebensmittel sammeln und damit regelmäßig bis zu 1,5 Millionen Menschen mit Lebensmitteln versorgen. Dafür sind über 60.000 ehrenamtliche Helfer aktiv. Die bundesweit erste Tafel entstand vor 25 Jahren in Berlin.

Die Arbeit der Berliner Tafel kann hier unterstützt werden.

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