Neue Verkehrszahlen

Air Berlin-Insolvenz: Fluggastzahlen in Tegel brechen ein

Nach der Air-Berlin-Insolvenz sinkt das Aufkommen am Flughafen Tegel um ein Fünftel. Easyjet kann die Lücke noch nicht schließen.

Ein Fluggast am Airport in Tegel

Ein Fluggast am Airport in Tegel

Foto: Jörg Krauthöfer / Berliner Morge

Berlin. Der Flughafen Tegel leidet noch immer unter der Pleite von Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft Air Berlin. Im Januar zählte der Airport rund 1,1 Millionen Fluggäste. Das ist ein Minus von 18,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auch die Zahl der Starts und Landungen ist im Jahresvergleich weiter rückläufig. Im Januar 2018 verzeichnete der Flughafen 11.453 Flugbewegungen. Vor einem Jahr waren es noch 13.511. Das geht aus den neuen Verkehrszahlen der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg hervor, die der Berliner Morgenpost exklusiv vorliegen.

Insgesamt hoben im Januar rund zwei Millionen Passagiere von den beiden Berliner Flughäfen ab. Im Januar 2017 waren es noch 2,269 Millionen. Die Zahlen zeigten dennoch, dass die Region nach wie vor ein attraktiver Flughafenstandort sei und auch die Air-Berlin-Insolvenz gut verkraftet habe, so Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Er sagte der Berliner Morgenpost: „Bereits im Januar 2018 ist der Ausfall der damals wichtigsten Airline weitgehend kompensiert. Dass die Fluggastzahlen des letzten Monats mit gut zwei Millionen Passagieren nur um 260.000 hinter den Zahlen aus dem Januar 2017 zurückliegen, bedeutet im Umkehrschluss, dass zwei Drittel der ehemaligen Air-Berlin-Passagiere, bereits die Angebote anderer Airlines nutzen.“

Easyjet steuert auch vier innerdeutsche Ziele an

Die Insolvenz von Air Berlin hatte allerdings vor allem Tegel im vergangenen Jahr kalt erwischt: Die rot-weißen Flugzeuge der Airline waren an dem Flughafen für gut ein Drittel des Passagieraufkommens verantwortlich. Den Verlust hat auch der Neustart des britischen Billigfliegers Easyjet in Tegel bislang noch nicht ausgleichen können. Die Briten heben seit dem 5. Januar von Tegel ab, steuern neben zahlreichen europäischen auch vier innerdeutsche Ziele an. „Die aktuellen Passagierzahlen stimmen mit unseren Erwartungen überein“, teilte eine Sprecherin der Airline auf Anfrage mit.

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Wie gut die Flüge tatsächlich ausgelastet waren, dazu schweigt die Airline. Nach Informationen der Berliner Morgenpost war der Start für Easyjet-Verhältnisse eher verhalten: Im Januar soll die Auslastung der orangefarbenen Flieger ab Tegel bei unter 70 Prozent gelegen haben. Für gewöhnlich sind die Easyjet-Flugzeuge besser gebucht: Laut Januar-Statistik blieb europaweit nur jeder zehnte Sitz frei. In die Zahlen waren die neuen Verbindungen ab Tegel aber noch nicht mit eingeflossen.

„Nach dem Aus von Air Berlin ruckelt es noch, aber der Anfang ist gemacht“, sagte der Luftfahrtexperte Cord Schellenberg. Für den verhaltenen Start von Easyjet in Tegel sei vor allem die kurze Vorlaufzeit vor dem Erstflug verantwortlich: Nur wenige Wochen vor dem Start der ersten Maschine nach München seien die Tickets verfügbar gewesen, so Schellenberg. Zudem gelte der Januar generell als ein eher reiseschwacher Monat, so der Flugmarkt-Kenner. Dennoch leide Tegel nach wie vor unter dem Air-Berlin-Aus. Die Lücke bei Umsteige-Passagieren auszugleichen, sei bislang noch nicht gelungen. Auch bei Langstreckenflügen sieht Schellenberg noch ein Loch. Air Berlin war pro Tag zwischen sechs und acht Langstrecken geflogen, vor allem in die USA und in den arabischen Raum.

Easyjet hatte nach der Air-Berlin-Pleite rund 40 Millionen Euro für das Tegel-Geschäft gezahlt. Langfristig will die Airline 25 Flugzeuge an dem Airport betreiben. Bereits im Sommerflugplan will der Billigflieger die Zahl der Ziele ab Tegel verdoppeln und künftig 95 Destinationen anfliegen. „Wir rechnen damit, dass sich im Spätsommer der Luftverkehr wieder normalisiert“, sagte Berlins Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne). Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup geht bereits im Frühjahr davon aus, dass die Fluggastzahlen insgesamt wieder steigen und sich so der Trend der letzten Jahre fortsetze, erklärte er.

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Der Termin sei belastbar, sagte BER-Chef Engelbert Lütke Daldrup auf einer Pressekonferenz am Freitag.
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Reiseverband: Berliner Flughäfen gerüstet für Ferien

Der Deutsche Reiseverband, der für die großen Pauschalreise-Anbieter wie Tui, Thomas Cook, Alltours, DER Touristik oder FTI spricht, hält den Luftverkehrsstandort Berlin auch ohne Air Berlin für die Osterferien gerüstet: „Viele Reiseveranstalter haben mehr Maschinen gechartert, um das Angebot für Pauschal-Touristen zu ergänzen“, sagte ein Verbands-Sprecher. Aber auch Individual-Reisende kommen nach wie vor von der Hauptstadt aus an ihre Ziele, so Luftfahrtkenner Cord Schellenberg.

Zur Ferienzeit hätten viele Fluglinien vor allem ihr Mallorca-Angebot ausgebaut. Von Berlin aus fliegen etwa die Billigflieger Eurowings (ab Tegel) sowie Ryanair und Easyjet (jeweils ab Schönefeld) mehrmals in der Woche auf die Balearen-Insel.

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