Weniger Flüge

Ende der Tourismus-Rekorde in Berlin

Visit-Berlin-Chef Kieker erwartet nur noch geringes Wachstum. Bis August gibt es weniger Flüge in die Hauptstadt.

Nach mehreren Rekordjahren rechnet Berlins oberster Tourismus-Werber für 2017 nur mit einem leichten Plus von unter einem Prozent.

Nach mehreren Rekordjahren rechnet Berlins oberster Tourismus-Werber für 2017 nur mit einem leichten Plus von unter einem Prozent.

Foto: Rolf Kremming / picture alliance / Rolf Kremming

Berlin.  Die Krise im Berliner Luftverkehr wird noch bis Spätsommer dieses Jahres andauern. „Erst im August werden wir das Angebot an Sitzplätzen wieder erreichen, das es vor der Air-Berlin-Pleite gab“, sagte Burkhard Kieker, Geschäftsführer der Tourismus- und Kongressgesellschaft Visit Berlin. Bisher waren Tourismusbranche und Politik davon ausgegangen, dass sich die Lage mit dem ab März geltenden Sommerflugplan beruhigt. Easyjet und Eurowings bedienten nun zwar deutsche und europäische Ziele, bei Eurowings sei die Lage nach der gescheiterten Übernahme der Fluggesellschaft Niki aber noch unübersichtlich. „Das wird unser Wachstum weiter dämpfen“, sagte Kieker im Interview mit der Berliner Morgenpost.

„Abwarten können wir uns nicht leisten“

Nach mehreren Rekordjahren rechnet Berlins oberster Tourismus-Werber für 2017 nur mit einem leichten Plus von unter einem Prozent. Die Jahresbilanz soll Ende Februar vorliegen. „Die Pleite von Air Berlin war ein Verkehrsinfarkt für die deutsche Hauptstadt, von dem wir uns nur langsam erholen“ sagte Kieker. Für 2018 erwartet er ein Wachstum von zwei bis drei Prozent. Derzeit versuche Visit Berlin, Geld für eine europaweite Berlin-Kampagne zu sammeln. Die finanziellen Folgen der Air-Berlin-Insolvenz seien schwer zu beziffern, „aber der Stadt ist mit Sicherheit ein höherer dreistelliger Millionenbetrag verloren gegangen“, so Kieker. Berlin fehlten insbesondere Langstreckenverbindungen, die Air Berlin übernommen hatte, etwa in die USA und den arabischen Raum. „Das ist eine offene Wunde für uns. Wir müssen aufpassen, dass wir uns in der Stadt nicht an solche Defizite gewöhnen“, mahnte Kieker. Er wünscht sich eine Initiative, gemeinsam mit dem Senat, dem Flughafen und der IHK. Das Ziel sei, EU-konforme finanzielle Anreize für Airlines zu schaffen, um diese Strecken zu ersetzen. Dazu sei Berlin in dieser Notsituation als Bundesland berechtigt, argumentiert Kieker. Zudem solle sich der Senat bemühen, beim Verkehrsministerium Flugrechte für Emirates und Etihad als Kompensation für Air Berlin zu erwirken. „Das Bundesverkehrsministerium kann meines Erachtens die Blockadehaltung für diese Landerechte in seiner eigenen Hauptstadt nicht weiter aufrechterhalten“, sagte Kieker.

Auch Wirtschaftssenatorin Ramona Pop (Grüne) erklärte, „eine Prüfung von Landerechten für Etihad und Emirates wäre eine Option für mehr Destinationen für Berlin“.

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