Berlin

Jeder zweite Drittklässler in Berlin kann nicht richtig schreiben

Die Ergebnisse der Vergleichsarbeiten Vera 3 zeigen große Defizite bei der Rechtschreibung. Beim Rechnen bleiben 36 Prozent der getesteten Schüler unter den Mindeststandards

Die Leistungen der Drittklässler in Mathematik und Deutsch sind nach wie vor schwach. Das zeigen die Ergebnisse des Vergleichstests Vera 3 von 2017, die die Senatsverwaltung nun auf die wiederholte Anfrage des SPD-Abgeordneten Joschka Langenbrinck veröffentlicht hat. Besonders problematisch ist demnach die Rechtschreibung für die Drittklässler. Insgesamt nahmen 24.000 Schüler an dem Test teil. Fast jedes zweite Kind (48 Prozent) scheiterte hier an den Mindeststandards, die von der Kultusministerkonferenz bis spätestens zum Ende der vierten Klasse vorgesehen sind. Unter den Schülern nicht deutscher Herkunftssprache konnten sogar 61 Prozent nicht richtig schreiben. Beim Lesen blieben 30 Prozent unter dem Minimalanforderungen. Bei den Kindern aus Familien, in denen zu Hause nicht deutsch gesprochen wird, erreichte nur die Hälfte die nötigen Mindeststandards.

In Mathematik lagen die Schwierigkeiten der Drittklässler vor allem im Bereich „Größen & Messen“. Hier verfehlten 36 Prozent der Schüler das Minimalziel. Aber immerhin jeder fünfte Schüler erreichte die Regelstandards.

Der Vera-Test bei den Drittklässlern fragt Kompetenzen ab, die die Schüler eigentlich erst am Ende der vierten Klasse erreicht haben sollten. Er soll den Lehrern helfen, Schwierigkeiten der Schüler rechtzeitig zu erkennen, damit sie im vierten Schuljahr gezielt gefördert werden können. Die Daten werden für jede Schule und jede Klasse ausgewertet. Dadurch können auch Lehrer im Kollegium sehen, welche Unterrichtsmethode besser greift. Auch die Schulaufsicht wertet mit den Schulen die Ergebnisse aus. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses, Norman Heise, betonte, dass die Ergebnisse in den Elternversammlungen sehr genau wahrgenommen und diskutiert werden. „Man kann sehen, wo die Klasse steht im Vergleich zu anderen. Das ist ein guter Anlass, um darüber zu sprechen, was verbessert werden sollte“, sagte Heise.

Dass es allerdings für die Kinder, die unter den Standards bleiben, schwierig ist, den Rückstand aufzuholen, zeigten die Untersuchungen des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen in den vierten Klassen. Bei dem Ländervergleich lande Berlin regelmäßig auf einem der hinteren Plätze. Die Bildungsverwaltung hatte nach dem Ländervergleich 2017 angekündigt, verstärkt die Unterrichtsqualität an den Schulen unter die Lupe zu nehmen. Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD) sagte zu den Vergleichsarbeiten: „Vera ist ein wichtiges Instrument zur Qualitätssicherung im Unterricht. Es gibt Eltern und Lehrkräften Feedback zu den Leistungen der einzelnen Schülerinnen und Schüler.“

Die berlinweiten Ergebnisse der Vera-Tests sollten eigentlich nicht mehr veröffentlicht werden, sondern nur noch den Schulen als Diagnoseinstrument zur Verfügung stehen. Nur in Berlin und Brandenburg wurde die Auswertung der Tests bisher auf Landesebene öffentlich gemacht.