Neuer Höchststand

Feuerwehrleute und Polizisten so oft krank wie noch nie

Die Zahl der durchschnittlichen Krankheitstage hat einen neuen Höchststand erreicht. Ein Grund ist die hohe Arbeitsbelastung.

Berliner Feuerwehrleute im Einsatz

Berliner Feuerwehrleute im Einsatz

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin. Die hohe Arbeitsbelastung hat Konsequenzen: Der Krankenstand bei Polizei und Feuerwehr ist erneut gestiegen – wie schon in den vergangenen Jahren. Im Durchschnitt war 2016 jeder Polizeibeamte 49,1 Kalendertage krankgemeldet, also sieben Wochen. 2015 lag der Wert noch bei 47,4 Tagen, im Jahr davor bei 44,4 Tagen.

Ein ähnliches Bild zeigt sich bei der Feuerwehr. Dort lag die Zahl der durchschnittlichen Krankheitstage 2016 bei 48 Tagen, 2,2 Tage mehr als im Vorjahr und gut neun Tage mehr als noch 2012. Das geht aus der Antwort der Senatsfinanzverwaltung auf eine Anfrage des FDP-Abgeordneten Marcel Luthe hervor. Sie liegt der Morgenpost exklusiv vor. Die Finanzverwaltung ist auch für das Personal im öffentlichen Dienst zuständig. Sie lässt die Krankheitstage in Berlins Landes- und Bezirksverwaltungen jedes Jahr statistisch erheben. Die Zahlen für 2017 werden erst im Herbst dieses Jahres bekanntgegeben.

Gewerkschaft: Zahl der Krankheitstage besorgniserregend

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) nennt die Zahl der Krankheitstage besorgniserregend. Die Stadt wachse, damit wüchsen die Aufgaben für Polizei und Feuerwehr. Das Personal sei aber nicht entsprechend mitgewachsen, erklärte Benjamin ­Jendro, Sprecher der GdP. Polizei und Feuerwehr hätten immer noch mit dem Personalabbau früherer Jahre zu kämpfen. Der hohe Krankenstand sei die Quittung dafür, sagte Jendro der Berliner Morgenpost. Aktuell müssten 3000 Polizisten und bis zu 1000 Feuerwehrleute zusätzlich eingestellt werden, um alle Aufgaben ohne dauernde Überschreitung der wöchentlichen Arbeitszeit zu gewährleisten.

Die Gewerkschaft erkennt durchaus an, dass der Senat begonnen habe gegenzusteuern, beim Personalbestand wie auch bei Investitionen in Polizei- und Feuerwachen. Allerdings reichten die bewilligten Stellen nicht aus, um den Krankenstand spürbar zu senken, so Jendro. Im Vollzugsdienst der Polizei und der Feuerwehr sind in diesem Jahr über den Landeshaushalt 250 zusätzliche Polizisten und gut 200 Feuerwehrleute finanziert, im kommenden Jahr sollen noch einmal 340 Stellen bei der Polizei und 150 bei der Feuerwehr hinzukommen. Für die zusätzlichen Mitarbeiter müssen aber zunächst die Ausbildungskapazitäten erhöht werden.

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„Gesundheitsmanagement in der Praxis vernachlässigt“

FDP-Politiker Luthe geht mit der Senatspolitik hart ins Gericht „Die Zahlen zeigen, dass Rot-Rot-Grün ebenso wie zuvor Rot-Schwarz Politik zu Lasten der Beschäftigten bei Polizei, Feuerwehr und Justiz macht und nicht nur die Ausrüstung und Gebäude, sondern auch die Gesundheit völlig vernachlässigt“ sagte Luthe der Morgenpost. Bei der Polizei existiere das von Vizepräsidentin Margarete Koppers zu verantwortende Gesundheitsmanagement nur auf dem Papier. Deshalb würden so viele gut ausgebildete Beamte im Dienst fehlen. Dem widersprach die Senatsinnenverwaltung.

Luthe kritisierte aber auch die christdemokratischen Oppositionskollegen: „Durch die Weigerung der CDU-Fraktion, einen Untersuchungsausschuss zu Personal bei Polizei und Justiz einzusetzen, die Missstände der letzten zehn Jahre zu identifizieren und dann zu beseitigen, kann der Senat seine Politik zu Lasten der Sicherheit in unserer Stadt fortführen.“

Eine Sprecherin der Innenverwaltung betonte, der Polizeiberuf gehe mit einer hohen körperlichen und insbesondere emotionalen Belastung einher. Die im landesweiten Vergleich mit anderen Behörden höhere Zahl an Krankheitstagen sei im Wesentlichen auf erhöhte physische sowie psychische Anforderungen zurückzuführen. Gleiches gelte für die Berliner Feuerwehr.

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Fortbildungen zu Bornout und Depressionen

Im Rahmen des Gesundheitsmanagements bei der Berliner Polizei gebe es eine Vielzahl von Angeboten, etwa Vorträge und Gesundheitschecks. Darüber hinaus könnten die Beamten an Kursen zum Gesundheits- und Präventionssport teilnehmen. Zudem hätten Polizisten und Feuerwehrleute auch die Möglichkeit, Beratung und Hilfe in Krisen oder nach traumatischen Ereignissen in Anspruch zu nehmen. Fortbildungen gebe es etwa zur Vermeidung psychischer Fehlbelastung, zu Stressbewältigung, Burnout und Depressionen.

Die Zahl der Krankheitstage ist 2016 im öffentlichen Dienst insgesamt leicht gestiegen, im Vergleich zum Vorjahr um 0,5 Tage auf 37,5 Tage. In den Bezirken lag sie mit 38,6 Tagen rund eineinhalb Tage höher als in den Senatsverwaltungen. Stark unterdurchschnittlich war der Krankenstand in der Senatswirtschaftsverwaltung, in der Senatskanzlei und in den Bezirksämtern Neukölln und Steglitz-Zehlendorf.

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