Wohnen in Berlin

Baustadtrat will in Mitte Tausende Wohnungen bauen

Mittes Baustadtrat Gothe (SPD) will den Neubau und Kauf von Wohnungen durch landeseigene Unternehmen forcieren.

Um Fläche für Wohnungsbau zu gewinnen, soll das Gebiet des Molkenmarkts (rechts o.) dichter bebaut werden

Um Fläche für Wohnungsbau zu gewinnen, soll das Gebiet des Molkenmarkts (rechts o.) dichter bebaut werden

Foto: dpa Picture-Alliance / Bildagentur-online/Schoening / picture alliance / Bildagentur-o

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hat ein ehrgeiziges Ziel. „Wie schaffen wir es, Berlin auch in zentraler Wohnlage für alle Einkommensschichten offen zu halten?“, sagte der Dezernent am Freitag bei einem Gespräch zum Wohnungsbau in seinem Bezirk. Es sei wichtig, dass die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften ihren Bestand erhöhten: „Das ist aus meiner Sicht die einzige nachhaltige Form, um eine soziale Durchmischung sicherzustellen.“

Dieser Bestand soll berlinweit bis 2026 von 300.000 auf 400.000 Wohnungen steigen. In Mitte haben die landeseigenen Unternehmen derzeit etwa 27.000 Wohnungen. „Um unseren Bezirks-Anteil beizutragen, müssen wir diese Zahl bis 2026 auf 37.000 erhöhen“, so Gothe. Allein die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) soll 4000 neue Wohnungen durch Neubau und Ankauf hinzubekommen.

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2017 haben die Wohnungsbaugesellschaften 2773 neue Wohnungen im Bezirk projektiert. Davon gehören 944 zur WBM. Ein größeres Vorhaben sei auf dem Gelände der Beuth-Hochschule, an der Luxemburger Straße in Wedding geplant, so der Stadtrat. In der Hochgarage aus den 70er-Jahren könnten bis zu 400 Wohnungen entstehen. „Wir stehen allerdings noch ganz am Anfang mit dem Projekt.“ Gemeinsam mit der Gesobau werde ein städtebauliches Konzept erarbeitet.

10.000 Wohnungen in den kommenden Jahren geplant

Gemäß einer Untersuchung des Senats verfügt der Bezirk Mitte über ein Flächenpotenzial für mindestens 15.000 neue Wohnungen. Davon könnten 3000 kurzfristig, in den kommenden drei Jahren, gebaut werden und weitere 7000 mittelfristig, so Stadtrat Gothe. „Doch das Potenzial ist wahrscheinlich noch größer.“ Seine Verwaltung hat im vergangenen Jahr die Baugenehmigung für mehr als 4000 neue Wohnungen im vergangenen Jahr erteilt.

Rund 2000 Wohnungen sind vermutlich im vergangenen Jahr laut Gothe fertiggestellt worden, ähnlich viele wie bereits 2016. Es gebe derzeit etwa 10.000 Baugenehmigungen, die noch nicht realisiert seien, darunter für die Quartiere Lehrter Straße, Heidestraße und Stallschreiberstraße, die in den kommenden Jahren entstehen. „Auch Nachverdichtung wird derzeit stark betrieben, vor allem auf Grundstücken in Moabit und Wedding.“ Derzeit gibt es rund 195.000 Wohnungen im Bezirk, der 381.000 Einwohner hat.

Die Zusammenarbeit mit Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) bewertete Stadtrat Gothe als „sehr gut“. Die Kritik an Lompscher teile er nicht. „Die Verantwortung, die bei den Bezirken liege, fordert sie auch ein.“ Lompscher wolle mit den Bezirken ein Wohnungsbündnis abschließen. Es soll kommende Woche Thema im Rat der Bürgermeister sein. Vorgesehen ist, dass die sogenannte Sprinter-Prämie zur Beschleunigung des Wohnungsbaus steigt. Außerdem, so Stadtrat Gothe, wolle die Senatorin mit den Bezirken detaillierte Vereinbarungen zu größeren Projekten treffen, die bis zum Ende der Legislaturperiode abgeschlossen sein sollen.

„Für Mitte betrifft das zum Beispiel den Umbau des Hauses der Statistik am Alexanderplatz.“ Rund 300 neue Wohnungen können dort entstehen. Bis Ende der Wahlperiode soll das Bezirksamt den Bebauungsplan vorlegen. „Das ist ein ehrgeiziges Vorhaben“, so Gothe. „Weil noch viel ausgehandelt werden muss und ein städtebaulicher Wettbewerb vorgesehen ist.“ Für andere Vorhaben sei hingegen der Senat in der Pflicht. Er wolle die Planung für die Gebiete Molkenmarkt, Breite Straße und Heidestraße voranbringen.

Am Molkenmarkt und im Quartier an der Breiten Straße gebe es Flächen, die der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehören, so Gothe. „Dort könnte die WBM mehrere 100 Wohnungen bauen.“ Voraussetzung für Neubauten am Molkenmarkt sei jedoch, so Gothe, dass die Grunerstraße verschwenkt werde. Geplant ist dies seit langer Zeit. „Die Arbeiten dafür beginnen in diesem Jahr. Als Erstes werden Leitungen verlegt.“ Für den Neubau von Wohnungen würden auch Bereiche des Friedhofs St. Johannes Evangelist in Wedding in Betracht gezogen, so der Stadtrat. Die landeseigenen Gesellschaften seien außerdem verstärkt bemüht, Wohnungen anzukaufen.

„Das ist jedoch nur kleinteilig möglich.“ Die WBM habe nahe dem Leopoldplatz zwei Häuser mit 100 und mit 50 Wohnungen erworben. „Die Stadt mit ihren dick gefüllten Kassen muss die Gesellschaften dabei ermutigen, auch hohe Preise zu zahlen“, so Gothe. Denn der Wohnungsmarkt werde sich in den nächsten 20 Jahren nicht entspannen. „Es wird eher noch teurer.“

Gothe schlägt außerdem vor, dass die landeseigenen Unternehmen in ihren Neubauten verstärkt Wohnraum für Asylbewerber bereitstellen, deren Antrag genehmigt ist. „Wir brauchen jedoch keine großen Unterkünfte, wie sie in Marzahn und Lichtenberg gebaut wurden.“

235 von 1120 Wohnungen für Flüchtlinge

Er habe ein Konzept ausgearbeitet, so der Stadtrat, das er nun im Bezirksamt vorstellen wolle. Es sieht vor, dass in acht Neubauprojekten der Wohnungsbaugesellschaften 235 von insgesamt 1120 Wohnungen für Flüchtlinge bereitgestellt werden. Diese 235 Wohnungen sollen sehr dicht belegt werden, mit 1170 Personen. Eines dieser Projekte ist ein Neubau der Gewobag für Studenten. Einzel-Apartments von zehn Quadratmeter Größe sollen entstehen. In einigen dieser Apartments, so Gothes Vorschlag, könnten jeweils zwei alleinreisende Flüchtlingen wohnen. „So lange, bis ihre Familien nachziehen.“