Saunalandschaft

Vabali Berlin schränkt nach Beschwerden Nacktheit ein

Zwar werden Saunas und Pools im Vabali nackt genutzt, beim Herumlaufen soll man nun aber einen Bademantel anziehen.

Eine Frau liegt auf einer Liege im Außenbereich des Vabali. Künftig sollen die Besucher Bademantel tragen. Bei dem Bild handelt es sich um eine Computersimulation vor der Eröffnung. Eigentlich sei das nackte Liegen dort nie vorgesehen gewesen, heißt es seitens des Vabali

Eine Frau liegt auf einer Liege im Außenbereich des Vabali. Künftig sollen die Besucher Bademantel tragen. Bei dem Bild handelt es sich um eine Computersimulation vor der Eröffnung. Eigentlich sei das nackte Liegen dort nie vorgesehen gewesen, heißt es seitens des Vabali

Foto: HHVISION

Berlin. Wie viel intime Details verträgt Berlin? Nach dem Streit um explizite Kunstwerke einer Charlottenburger Galerie und ein angeblich sexistisches Gedicht an einer Hausfassade in Hellersdorf hat die Frage nun auch die Wellness-Zone erreicht: Ausgerechnet das Vabali Spa, die Sauna- und Poolanlage am Hauptbahnhof, will die Nacktheit seiner Besucher einschränken und führt eine Bademantel-Pflicht ein. Bisher präsentiert sich die Wellness-Oase als „textilfreie Anlage“. Zwar soll es dabei bleiben – aber nur zum Teil. Grund sind laut den Betreibern Beschwerden von Stammgästen.

„Liebe Gäste, auf vielfachen Wunsch unserer Gäste bitten wir Sie, ab dem 1. März 2018 außerhalb unserer Saunen und Pools immer einen Bademantel zu tragen“, heißt es auf der Vabali-Homepage. In Sauna und Pools sei Nacktheit aber weiterhin erlaubt. Es ist nur nicht mehr erwünscht, ohne Bademantel zwischen den Bereichen herumzulaufen. „Weiterhin wird es möglich sein, sich im Vabali Spa Berlin auf den Liegen im Außenbereich textilfrei zu sonnen“, präzisiert Erik Haferburg, der Betriebsleiter Vabali Spa Berlin. Damit passt sich das Vabali den Gepflogenheiten an, die in den meisten Berliner Spas gelten.

Auf Bewertungsportalen im Netz hatten sich Gäste schon länger über die „Nudistenpflicht“ in dem Spa beschwert. „Ich hatte dies im Poolbereich nicht erwartet und finde es auch etwas übertrieben, da nicht jeder gerne im Adamskostüm schwimmt“, so ein Gast im Herbst 2017. Ein anderer Kommentar lautet: „Dass man in der Sauna nackt ist, damit habe ich gar kein Problem. Aber wenn man ständig angestarrt wird, ist es irgendwann nur noch lästig. Ich verstehe es nicht, wieso man im Schwimmbecken keine Badesachen anbehalten darf. Mit irgendwelchen Männern nackt im Pool zu schwimmen geht für mich gar nicht.“ Das Nacktschwimmen im Pool soll aber erlaubt bleiben.

„Jetzt hab’ ich Angst vor der Sauna-Polizei“

Auf der Facebookseite des Vabali Berlin gehen die Meinungen auseinander. Die einen finden „diese Anpassung der Hausordnung affig“, schreibt eine Nutzerin, eine andere: „Jetzt hab’ ich Angst vor der Sauna-Polizei. Wo ist da noch Entspannung?“. Über konkrete Anlässe der Änderung erfährt man nichts – jedoch lassen auch andere Anweisungen in der Hausordnung auf manches Missverständnis im Saunabereich schließen. „Bitte reduzieren Sie den Austausch von Zärtlichkeiten auf ein Minimum“, heißt es im „Sauna-Knigge“. Während sich diese Regel an die Gäste aller Vabali-Spas deutschlandweit richtet, gilt die Bademantel-Pflicht zunächst nur in Berlin.

Beschwerden hatte es im Vabali Berlin vergangenes Jahr auch wegen der Videokameras in den Umkleideräumen gegeben, die helfen sollen, Diebstähle aufzuklären. In dieser Frage wurde allerdings nicht so konsequent gehandelt wie nun beim Nackt-Verbot. In den Umkleiden wird weiterhin gefilmt.

Berlin, einst berühmt als weltoffene Stadt auch in Sachen FKK und Freikörperkultur: Kommt nun eine neue Prüderie? Oder wird einfach nur mehr über Nacktheit und Sexualität diskutiert? Das Vabali Berlin hatte seine Besucher auf Facebook ausdrücklich zur Diskussion der neuen Regel aufgefordert, allerdings auch betont, diese bleibe auf jeden Fall bestehen.

Ein bizarrer Streit hatte sich diesen Januar in Berlin an einem Gedicht des Schweizer Schriftstellers Eugen Gomringer entzündet. Es schmückte seit 2011 die Fassade Alice-Salomon-Hochschule in Hellersdorf, bis Kritiker monierten, es sei sexistisch. Den Beschluss der Hochschule, das Gedicht zu entfernen, quittierte der Axel-Springer-Verlag damit, es in der Leuchtschrift auf dem Verlagsgebäude in Kreuzberg zu zeigen. In dem Gedicht geht es um Alleen, Frauen, Blumen und einen „Bewunderer“.

Sex, Kunst, Freiheit - was darf sein?

Wie konkret dürfen sexuelle Bezüge in der Öffentlichkeit sein? Diese Frage beschäftigt auch das Bezirksamt Charlottenburg-Wilmersdorf. Auch hier liegt der eigentliche Vorfall schon ein Jahr zurück, diskutiert wird bis heute: An der Bleibtreustraße in Charlottenburg hatten sich Nachbarn an Gemälden im Schaufenster einer Galerie gestört. Die Bilder zeigten unter anderem einen Mann mit erigiertem Penis, der einer Frau an die Brust griff. Bezug waren die Übergriffe der Silvesternacht in Köln. Das Ordnungsamt forderte den Galeristen auf, die Zeichnungen aus dem Schaufenster zu entfernen, verbunden mit dem Hinweis auf eine mögliche Ordnungswidrigkeit. Der Galerist deckte die anstößigen Stellen zwar mit Stofflappen ab, beklagt aber seitdem die „Zensur seiner Kunstmalereien“.

Ordnungsstadtrat Arne Herz (CDU) weist die Kritik von sich. „Wir wollen hier in keiner Weise Kunst bewerten oder zensieren, haben aber zu vermitteln zwischen unterschiedlichen Interessen und Befindlichkeiten“, sagt er. In keiner Weise eingeschränkt sei die Ausstellung der Bilder in den Galerieräumen des Künstlers.

Nacktheit und Sexismus, Kunst oder Freiheit – die Fragen werden nicht allein in Berlin diskutiert. In Manchester (Großbritannien) ließ eine Kuratorin gerade ein Gemälde weiblicher Nacktheit von 1896 abhängen, um „dieser viktorianischen Fantasie“ entgegenzutreten. Und auch die freizügigen Motive des österreichischen Malers Egon Schiele (gestorben vor 100 Jahren) durften im vergangenen Herbst an Flughäfen in Deutschland und England nicht hängen, zumindest nicht „unzensiert“. Grund: zu viele nackte Details.

© Berliner Morgenpost 2019 – Alle Rechte vorbehalten.