Verkehr in Berlin

Mehr Platz für Reisebusse in Mitte gefordert

Mitte brauche ein Mobilitätskonzept, damit es zu keinem Verkehrschaos am Humboldt Forum kommt, fordern Politiker von CDU und FDP.

Experten warnen vor massiven Verkehrsproblemen rund um die Museumsinsel, wenn das Stadtschloss fertig ist

Experten warnen vor massiven Verkehrsproblemen rund um die Museumsinsel, wenn das Stadtschloss fertig ist

Foto: Maurzio Gambarini

Berlin. Angesichts drohender Verkehrsprobleme am Humboldt Forum in Mitte haben Verkehrspolitiker von CDU und FDP den Senat aufgefordert, die Arbeiten an einem Verkehrskonzept für den Bereich rings um das Stadtschloss zu beschleunigen. „Es gibt keinen Grund dafür, dass das Konzept nicht fertig ist, wenn das Humboldt Forum eröffnet“, sagte der Vorsitzende des Verkehrsausschusses im Berliner Abgeordnetenhaus, Oliver Friederici (CDU) der Berliner Morgenpost am Montag.

Er forderte zudem, dass die Verkehrsflächen rund um das Rote Rathaus nicht wie jüngst angekündigt zurückgebaut werden. „Wir brauchen die Flächen. Der Parkplatz an der Leipziger Straße beispielsweise könnte als Haltestelle für die Reisebusse genutzt werden“, so Friederici.


Auch die FDP hält ein „stimmiges Verkehrskonzept für die historische Mitte“ für notwendig. „Dazu gehört vor allem auch ein Reisebuskonzept für die Innenstadt. Unkoordinierte Einzelmaßnahmen wie eine Fußgängerzone Unter den Linden oder die Tram durch die Leipziger Straße sind zu stoppen, bis eine konsistente Verkehrsplanung für die historische Mitte vorliegt“, sagte der Verkehrsexperte der FDP, Henner Schmidt.

In einem Interview mit der Berliner Morgenpost hatte Johannes Wien, Chef der Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss, vor einem Verkehrschaos in Berlins historischer Mitte gewarnt, wenn das Forum gegenüber dem Berliner Dom und der Museumsinsel im nächsten Jahr eröffnet wird. Die Stiftung rechnet dann mit mindestens drei Millionen Besuchern pro Jahr, möglich sei aber auch die doppelte Anzahl. In der Verkehrsprognose geht die Einrichtung davon aus, dass die große Mehrheit der Besucher wegen fehlender Pkw-Parkplätze mit öffentlichen Verkehrsmitteln anreisen wird. Das Problem: Die Verlängerung der U-Bahnlinie 5 und der U-Bahnhof Museumsinsel werden nicht rechtzeitig fertig sein. Statt wie ursprünglich geplant Mitte 2019, wird der gut zwei Kilometer lange Lückenschluss zwischen Alex und Brandenburger Tor frühestens Ende 2020 vollzogen sein.

Anwohner in Mitte in Sorge vor Parkplatz-Chaos

Problematisch ist, dass die Planer sich auf die U-Bahn verlassen hatten und beim Bau auch deshalb keine Parkplätze einplanten. Auch für Reisebusse wurden keine zusätzlichen Stellflächen einkalkuliert, lediglich Menschen mit Behinderungen haben einen Parkplatz sicher.

Für den Vorsitzenden des bezirklichen Verkehrsausschusses in Mitte, Bastian Roet (FDP), ist es „ein Unding, dass offensichtlich nur Einzelmaßnahmen vom grünen Tisch aus in der Senatsverwaltung geplant werden, deren Folgen die Bewohner und die Besucher von Mitte ausbaden müssen“. Die Verkehrspolitik des Senats irre in der Annahme, dass – nur weil das Angebot verknappt wird – sich auch die Nachfrage verkleinert, so Roet weiter. „Diese Rechnung geht nicht auf. Berlins Mitte braucht ein flächiges Mobilitätskonzept, das alle Verkehrsarten berücksichtigt“, forderte der Bezirkspolitiker. Gerade für Reisebusse müsse geklärt werden, wo sie halten und parken können, weil diese meist mehrere Besichtigungspunkte in der Stadt ansteuern würden.

Das Bezirksamt Mitte verweist darauf, dass die Zuständigkeit für die gesamte Planung beim Senat liege. Der Bebauungsplan sei durch die damals zuständige Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Umwelt festgesetzt worden, so Bezirksamtssprecherin Karin Grunz. Bestandteil des B-Planverfahrens sei auch ein entsprechendes Verkehrskonzept gewesen. Auf die Einrichtung von Parkplätzen sei im Senatskonzept aus vielerlei Gründen verzichtet worden. Nicht nur der U-Bahn-Bau habe dafür eine entscheidende Rolle gespielt, so die Sprecherin. Vielmehr seien auch die Anbindung durch Busse und die fußläufig erreichbare S-Bahn angeführt worden. Gleiches gelte für die fußläufig erreichbare Tiefgarage unter dem Bebelplatz. „Darüber hinaus sind nach Kenntnis des Bezirksamtes Reisebusparkplätze im Bereich der Südseite des Schloßplatzes vorgesehen“, sagte die Sprecherin dieser Zeitung.

BVG sieht kein Grund zur Panik

Laut Senatsverkehrsverwaltung wird derzeit intensiv an einem Verkehrskonzept gearbeitet. „Die Überlegungen gehen in die Richtung, dass Reisebusse am Humboldt Forum ihre Fahrgäste aussteigen lassen und nach der Besichtigung dort wieder abholen. Das ist ein Modell, das sich in anderen Städten bewährt hat“, sagte Sprecherin Dorothee Winden. Das Konzept werde rechtzeitig zur Eröffnung des Humboldt Forums vorliegen. Darüber hinaus könne das Forum auch vor der Fertigstellung der U5 gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden.

Auch die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sehen keinen Grund zur Panik. „Ja, die Fahrgastzahlen werden mit der Eröffnung des Humboldt Forums steigen, aber ein Verkehrschaos sehen wir deshalb nicht auf uns zukommen“, sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Die S-Bahnhöfe Hackescher Markt und Alexanderplatz seien nicht weit vom Forum entfernt, auch der U-Bahnhof Hausvogteiplatz befinde sich in der Nähe. „Abgesehen von den Eröffnungsveranstaltungen, für die wir zusätzliche Fahrten einrichten werden, rechnen wir damit, dass sich die Besucher gut über den ganzen Tag verteilen werden“, so Reetz weiter. Auch die BVG-Buslinien 100 und 200, die an der Haltestelle Lustgarten halten, seien nicht überlastet. In Spitzenzeiten werde dieses Haltestellenpaar schon heute 36 Mal pro Stunde von den Bussen angefahren.

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