Jugendarbeit

Berlin will queeres Jugendzentrum etablieren

Fachleute sehen einen großen Bedarf für schule und lesbische Jugendliche, insbesondere bei der Coming-Out-Begleitung.

Eine Regenbogenfahne (Archivbild)

Eine Regenbogenfahne (Archivbild)

Foto: Markus Heine / dpa

Berlin. Die rot-rot-grüne Landesregierung will in Berlin ein sogenanntes queeres Jugendzentrum etablieren, einen landesweiten Treff für lesbische, schwule, bi- und transsexuelle Jugendliche. Das Konzept der Jugendverwaltung soll auf der heutigen Senatssitzung beschlossen und dann dem Abgeordnetenhaus zugeleitet werden.

Zur Begründung heißt es, es gebe zwar einige wenige Einrichtungen auf Bezirksebene für diese Jugendlichen, aber kein landesweites Angebot. Der Bedarf werde von Fachleuten in der Jugendarbeit als deutlich größer eingeschätzt, insbesondere in der Coming-out-Begleitung. „Das berlinweite Jugendzentrum soll Jugendlichen, die sich außerhalb der heterosexuellen und zweigeschlechtlichen Norm definieren, Schutz- und Freiräume bieten. Viele von ihnen erleben Diskriminierung und Ablehnung“, sagte Jugend- und Familiensenatorin Sandra Scheeres (SPD) dazu der Berliner Morgenpost. Die Selbstmordgefährdung sei laut Studien viermal so hoch wie bei anderen Jugendlichen.

„Vor allem die Phase des Coming-outs ist für viele sehr belastend. Deshalb ist es von großer Bedeutung, dass es Orte gibt, an denen sie andere Jugendliche in ähnlichen Lebenssituationen treffen können, gemeinsam Projekte entwickeln können und durch pädagogische Fachkräfte unterstützt werden“, so Scheeres. Nach Erkenntnissen von Fachleuten nähmen Homo- und Transphobie sowie Hasskriminalität gegen diese Jugendlichen zu. In fünf Bundesländern, vor allem in Großstädten, gibt es bereits ähnliche Jugendzentren.

Zwölf- bis 27-Jährige sollen das Angebot mitgestalten

In dem Zentrum für Jugendliche und junge Erwachsene zwischen zwölf und 27 Jahren soll ausdrücklich der pädagogische Ansatz verfolgt werden, dass die Besucher das Angebot mitgestalten und Verantwortung sowie Gruppenleitungen übernehmen. Das Zentrum soll ein freier Träger der Kinder- und Jugendhilfe betreiben, der über Erfahrungen in der queeren Jugendarbeit verfügt.

Er soll auch umfangreiche Beratungsangebote machen und die Ansprache von Eltern und Angehörigen gewährleisten. Der Senat will das Projekt mit 175.000 Euro pro Jahr finanziell fördern. Ein Interessenbekundungsverfahren soll in Kürze eingeleitet, der Betrieb bereits im Frühsommer dieses Jahres aufgenommen werden.

Der Neuköllner Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) steht dem Plan des Senats sehr skeptisch gegenüber. Es wäre besser, Beratungsangebote für diese Jugendlichen in den bestehenden Strukturen der bezirklichen Jugendarbeit vorzuhalten, sagte Liecke der Morgenpost. Mit einer zentralen Anlaufstelle in Berlin erreiche man nur sehr wenige Jugendliche.

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