Wohnungen durchsucht

Razzia nach Brandanschlägen auf Autos in Neukölln

Die Polizei beschlagnahmte unter anderem Laptops, Speicherkarten, eine Kamera, Handys sowie schriftliche Unterlagen, hieß es.

Nach den beiden Brandanschlägen auf Autos in Neukölln in der Nacht zum Donnerstag hat der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt am Freitag im Zuge der Ermittlungen vier Durchsuchungsbeschlüsse vollstreckt. Wie die Staatsanwaltschaft am Sonnabend mitteilte, wurden von 19 Uhr an die vier Wohnungen in Neukölln auf richterlichen Beschluss durchsucht.

Die Ermittlungen richteten sich derzeit gegen zwei Tatverdächtige im Alter von 32 und 35 Jahren, die der rechten Szene in Neukölln zuzuordnen seien, hieß es. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft verliefen alle Durchsuchungen mit Erfolg. Die Beamten der Ermittlungsgruppe "Resin" konnten umfangreiches Beweismaterial sicherstellen. So wurden unter anderem Laptops, Speicherkarten, eine Kamera, Handys sowie schriftliche Unterlagen beschlagnahmt. Insgesamt seien etwa 60 Polizeibeamte an der Aktion beteiligt gewesen. Die Ermittlungen sowie die Auswertung der Beweismittel dauern unterdessen an.

Wie berichtet, waren in der Nacht zum 1. Februar in der Karl-Elsasser-Straße im Stadtteil Britz sowie im Klettenweg in Rudow zwei Autos in Brand gesetzt worden. Zunächst waren die Feuerwehr und die Polizei gegen 2.40 Uhr in die Karl-Elsasser-Straße gerufen worden, weil Rauch und Flammen aus einem dort geparkten Peugeot schlugen. Der Besitzer des Wagens ist der Buchhändler Heinz J. Ostermann. Schon ein halbes Jahr zuvor waren die Schaufenster seines Geschäftes mutwillig zerstört und im Januar 2017 sein damaliges Autos in Brand gesetzt worden.

Nach Angaben des SPD-Kreisverbands Neukölln engagiert sich Ostermann in der Aktion „Neuköllner Buchläden gegen Rechtspopulismus und Rassismus“. Am Donnerstagmorgen wurde der Peugeot trotz der Löscharbeiten ein Raub der Flammen und komplett zerstört.

Gegen 3 Uhr hatten dann aufmerksame Anwohner im Klettenweg Rauch und Flammen an einem Smart bemerkt, der unter einem Carport stand. Das Auto gehört Ferat Ali Kocak aus dem Vorstand der Linkspartei in Neukölln. Der 38-Jährige hatte noch vor Eintreffen der Feuerwehr vergeblich versucht, den Kleinwagen mit einem Feuerlöscher zu retten. Der Smart wurde zum Totalschaden. Zudem wurde ein daneben stehender Mercedes durch die Hitzeentwicklung beschädigt.

Bezirksbürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) teilte dazu mit: „Die Anschläge reihen sich ein in eine Serie von Anschlägen gegen Neuköllnerinnen und Neuköllner, die sich für Demokratie und gegen Rassismus und Rechtspopulismus in unserem Bezirk einsetzen. Diese Taten sind feige und undemokratisch. Die Täter müssen endlich gefasst und bestraft werden.“

Am Sonnabendmittag beteiligten sich mehrere Hundert Menschen vor dem Rathaus Neukölln an einer Solidaritätskundgebung für die Opfer der Anschläge teil.

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