Nachwuchs fehlt

Berliner Polizei findet nicht genug geeignete Bewerber

An Bewerbern mangelt es bei der Polizei nicht. Doch meist übersteht nur einer von zehn Anwärtern das Diktat und die Sport-Tests.

Azubis beim Handfesseltraing. Immer weniger Bewerber sind für den Beruf Polizist sportlich genug

Azubis beim Handfesseltraing. Immer weniger Bewerber sind für den Beruf Polizist sportlich genug

Foto: Christian Kielmann

Berlin. Die Berliner Polizei hat erneut Probleme, genug geeignete Bewerber für die Ausbildung ihres Nachwuchses zu finden. Die Bewerbungsfrist, die ursprünglich vom 1. Dezember 2017 bis Mittwoch (31.1.) dauerte, wurde jetzt verlängert. Wie lange das Bewerbungsportal im Internet geöffnet bleibt, wollte die Polizei anders als früher aber nicht verraten.

Die Polizei sucht rund 600 Nachwuchspolizisten, die im September und Oktober ihre Ausbildung beginnen: 312 Auszubildende im sogenannten mittleren Dienst der uniformierten Schutzpolizei, 210 Auszubildende im gehobenen Dienst der Schutzpolizei und 90 im gehobenen Dienst der Kriminalpolizei.

Bewerben können sich generell junge Menschen, in bestimmten Bereichen aber auch Männer und Frauen, die zwischen 30 und 39 Jahren alt sind und eine Berufsausbildung haben. Im Frühjahr dieses Jahres beginnen ebenfalls rund 600 Interessenten ihre Polizeiausbildung, so dass es im ganzen Jahr 1200 sind.

Im Sommer und Herbst 2017 musste die Polizei ihre Bewerbungsfrist gleich dreimal verlängern. Schließlich kamen rund 7000 Bewerbungen für die 600 Plätze zusammen. Viele Aspiranten scheitern bei der Auswahl an dem Sporttest oder Problemen mit Rechtschreibung und Grammatik. Von 10 bis 15 Bewerbern wird im Durchschnitt nur einer eingestellt.

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Um die Polizeischule hatte es im Herbst großen Wirbel gegeben, weil Vorwürfe zu Missständen wie Lernverweigerung sowie Respekt- und Disziplinlosigkeit auftauchten. Die Probleme sollten mit einer besseren Betreuung der Polizeischüler gelöst werden. Zudem sollten Teile des umfangreichen Auswahlverfahrens für die 600 Stellen modernisiert werden. Den computergestützten Vortest wollte die Polizei schon im laufenden Einstellungsverfahren umstellen, das persönliche Gespräch sollte aufgewertet werden. Derzeit gibt es rund 16 000 Polizisten in der Hauptstadt.

Der Berliner FDP-Innenpolitiker Marcel Luthe kritisierte, die Schwierigkeiten bei der Nachwuchsgewinnung seien ein weiterer Beleg dafür, dass der Umgang des Senats mit Polizisten immer mehr junge Leute von dieser Berufswahl abschrecke. „Nur wenn das Image der Polizei - nicht durch teils alberne Postings, sondern konkrete Taten - widerspiegelt, dass die Besten eines Jahrgangs zur Polizei gehören, wird man auch wieder genügend geeignete Bewerber finden.“

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