Wohnen in Berlin

Aldi baut jetzt Wohnungen in Berlin

In fünf Jahren sollen auf 30 Discountern 2000 Wohnungen entstehen. Aldi will sie für 6,50 bis zehn Euro je Quadratmeter vermieten.

So soll eines der Aldi-Projekte aussehen

So soll eines der Aldi-Projekte aussehen

Foto: Aldi Nord

Berlin. In Berlin herrscht Wohnungsnot – die Discountkette Aldi hat auf ihren Märkten und den dazu gehörigen Parkplätzen viel Platz. Diesen will der Lebensmittelhändler künftig anders nutzen. An mindestens 30 Standorten in Berlin sollen in Kombination mit Aldi-Nord-Märkten rund 2000 Wohnungen entstehen, wie das Unternehmen am Mittwoch in Berlin mitteilte. In Neukölln und Lichtenberg sollen die ersten knapp 150 Wohneinheiten bereits Mitte 2019 fertig sein.

„Je höher das Bevölkerungswachstum, desto höher ist auch der Bedarf an Aldi-Märkten – und Wohnungen“, sagt Jörg Michalek, Geschäftsführer der Aldi Immobilienverwaltung GmbH & Co. KG. Daher wolle man beides miteinander verbinden. Zudem verfolge Aldi Nord seit einigen Jahren eine Modernisierungsstrategie, die den Umbau des gesamten Filialnetzes vorsehe. 135 Märkte betreibt das Unternehmen aktuell in Berlin, viele von ihnen sind nicht mehr zeitgemäß – und mit einer Verkaufsfläche von 500 bis 800 Quadratmetern angesichts des stark wachsenden Warensortiments mittlerweile auch zu klein.

„Die Kombination von Aldi-Märkten und angeschlossenem Wohnraum ist deshalb eine konsequente und vor allem zukunftsorientierte Lösung“, so Michalek weiter. Konkret bedeutet das: Die kleinen, veralteten Märkte sollen abgerissen und durch neue Märkte mit einer Verkaufsfläche von 1200 bis 1400 Quadratmeter ersetzt werden. Eine Größe, die Berlin nur selten genehmigt – es sei denn, die Stadt profitiert ihrerseits, beispielsweise, weil auf der bislang vom Discounter blockierten Grundstücksfläche dringend benötigte bezahlbare Wohnungen entstehen.

Wie dieses Modell konkret aussehen soll, zeigen nun die bereits weit fortgeschritten Planungen für die „zwei Leuchtturmprojekte“ an der Silbersteinstraße 146 in Neukölln und der Sewanstraße 259 in Lichtenberg. Für letzteres, so Michalek, habe der Bezirk bereits eine Baugenehmigung erteilt, in Neukölln sei man in den Verhandlungen mit dem Bezirk ebenfalls schon weit fortgeschritten. Rund 50 bis 70 Wohnungen könnten dort jeweils entstehen – abhängig von der Wohnungsgröße. Weitere 15 Standorte befänden sich in konkreter Planung.

Die Kombination von Supermarkt und Wohnraum ist in Berlin nicht ganz neu. Der Berliner Projektentwickler Alexander Harnisch hatte zuletzt ein innovatives Konzept erdacht und in Steglitz den Luftraum über einem ehemaligen Reichelt-Supermarkt für neue Wohnungen genutzt. So entstand das Wohnbauprojekt „Quartier am Stadtpark Steglitz“ mit 101 Wohneinheiten. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat bereits 2015 etwa 300 eingeschossige Lebensmittel-, Super- , Drogerie- und Getränkemärkte identifiziert, die sich für eine mehrstöckige Bebauung mit Wohnungen eignen würden.

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In anderen deutschen Städten tritt auch Aldi Süd zumindest in kleinerem Maßstab schon als Vermieter von Wohnraum auf. In Tübingen baute Aldi Süd etwa im Rahmen des Projekts „TÜ 3“ 43 Mietwohnungen über einer Gewerbeeinheit.

Doch in Berlin will Aldi Nord nun erstmals richtig groß in das Immobiliengeschäft einsteigen. Die anvisierten 2000 Wohnungen sollen bereits in den kommenden fünf Jahren entstehen. Auch wenn Michaelk noch nicht verrät, mit welchem Bauträger und welchen Architekten man in Berlin zusammenarbeite, stellte er klar: „Das wird keine Billigwohnung mit nur einer Steckdose im Flur, sondern ein guter Standard, wie ihn auch die städtischen Wohnungsbaugesellschaften bei ihren Neubauten vorsehen.“ Noch sei nicht klar, ob man die Wohnungen selber oder durch eine Hausverwaltung vermieten werde. Sicher sei aber, dass man sie nicht verkaufen, sondern im Bestand halten wolle. Und auch die Miethöhe stehe fest. Nach dem Berliner Modell werden 30 Prozent als Sozialwohnungen mit einer Kaltmiete von 6,50 Euro je Quadratmeter und Monat vergeben. Für die übrigen Wohnungen werde die Miete maximal zehn Euro betragen.

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