Berlin

House of One lädt jetzt in seinen Pavillon ein

Bis zur Grundsteinlegung des geplanten Drei-Religionen-Hauses dient das temporäre Gebäude als Veranstaltungsort

Berlin. Die Idee vereint Christen, Muslime und Juden, auch Atheisten sind willkommen: Für das House of One, das unter einem Dach die drei Religionen ins Gespräch bringen will, war am Montag ein besonderer Tag. Auf dem Petriplatz, wo 1964 die letzten Reste der zerstörten Petri­kirche abgetragen wurden, feierten fast 100 Menschen ein Versprechen auf die Zukunft des dort geplanten interreligiösen Bet- und Lehrhauses: in einem Pavillon, der bis zur Grundsteinlegung des richtigen House of One als Informations- und Veranstaltungsort dient (www.house-of-one.org).

Dafür hat das Berliner Architekturbüro Kuehn Malvezzi den zentralen Raum des künftigen Hauses als Holzkonstruktion fast im Maßstab 1:1 konzipiert. Der Pavillon ist beheizbar, 22 Meter hoch, durch Plexiglas zwischen den Holzstützen kommt viel Licht ins Innere. Durch die offene Bauweise mit vier Türen aber auch viel Lärm der Leipziger Straße. 2017 war der Bau bereits auf der „Weltausstellung Reformation“ in Lutherstadt Wittenberg zu sehen.

„Wir sind dankbar und glücklich, dass an Berlins ältestem Platz die Zukunft anbricht. Mit dem Pavillon gewinnt das House of One erste Gestalt, einen feinen Informations- und Veranstaltungsraum, ein Labor. Wir freuen uns auf viele Besucherinnen und Besucher, die unser Projekt kennenlernen möchten und hier mit uns über Fragen eines friedlichen Miteinanders von Menschen unterschiedlicher Religion und Herkunft diskutieren wollen“, begrüßten die Mitglieder des Präsidiums der Stiftung House of One die Gäste. Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sagte, es sei der richtige Ort und die richtige Zeit, solch ein Haus zu errichten. Weil Berlin nicht die „Hochburg der Religiösen“ sei, wünsche er sich, dass „dieses Haus ein Haus für die Atheisten sein soll, wo sie die Vielfalt der Stadt als Bereicherung erleben können“.

Lederer sicherte dem Projekt die Unterstützung des Senats und des Landes Berlin zu. Die kann es auch brauchen. Die Planungskosten in Höhe von 3,4 Millionen Euro sind durch Fördermittel von Bund und Land sowie einen kleinen Eigenanteil gesichert. Die Stiftung „House of One – Bet- und Lehrhaus Berlin“ verfügt inzwischen über 8,5 Millionen Euro an Spendengeldern und Drittmitteln. Die große nationale und internationale Spendenbereitschaft ermögliche es, 2019, wenn die Planungen fertig sind, die Grundsteinlegung und mindestens einen ersten Bauabschnitt folgen zu lassen. Für den Bau des als einmalig geltenden Projekts werden insgesamt 43,5 Millionen Euro veranschlagt. Die erste Bauphase werde beginnen, sobald zwölf Millionen Euro an Spenden eingegangen sind.

Für Architekt Wilfried Kuehn ist es kein Drama, dass das Projekt noch nicht komplett finanziert ist: „Wir betrachten die Architektur hier nicht als fertiges Produkt, sondern als Entwicklung“, sagte er. Drei Materialien würden bei dem Bau verwendet: Ziegel für die einen Meter starken Wände, Licht und Zeit.

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