Berlin

Die BVG testet den nächsten Elektrobus

Auf der Linie 204 wird jetzt erstmals ein Bus aus Tschechien getestet. Es ist bereits das siebte Modell.

Zum ersten Mal testet die BVG einen E-Bus des tschechischen Herstellers SOR Libchavy

Zum ersten Mal testet die BVG einen E-Bus des tschechischen Herstellers SOR Libchavy

Foto: BVG, Nils Kremmin / BM

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind weiter auf der Suche nach einem Elektrobus, der dem harten Berliner Verkehrsalltag auch gewachsen ist. Erstmals testet das landeseigene Verkehrsunternehmen nun ein Fahrzeug aus Tschechien. Seit Montag ist der Bus vom Hersteller SOR Libchavy auf der Linie 204 zwischen Südkreuz und Zoologischer Garten (Hertzallee) unterwegs. Der Tscheche ist bereits der siebte E-Bus, den die BVG testet. Er bleibt voraussichtlich bis zum 9. Februar in Berlin.

Bereits seit Sommer 2015 erprobt die BVG vor allem auf der Linie 204, aber auch auf anderen Linien den Einsatz von Elektrobussen im regulären Fahrbetrieb. Hintergrund ist die politische Entscheidung des Senats, dass die landeseigenen Verkehrsbetriebe zur Erreichung der Klimaschutzziele ab 2020 nur noch Fahrzeuge ohne Schadstoffemissionen kaufen dürfen. Das Problem: Elektrisch angetriebene Busse, die ohne Oberleitung auskommen, haben bisher nur in wenigen Fällen die Serienreife erreicht. Das macht es den Verkehrsunternehmen schwer, sie zu halbwegs wirtschaftlichen Kosten zu kaufen und zu betreiben.

Um die Hersteller zu größeren Investitionen zu bewegen, hatten die Stadtstaaten Berlin und Hamburg bereits 2016 eine gemeinsame Beschaffungsinitiative vereinbart. Die Hamburger Hochbahn veröffentlichte im Vorjahr eine erste Ausschreibung zur beabsichtigten Anschaffung von 60 E-Bussen, die BVG zog kurz vor dem Jahreswechsel mit zwei Ausschreibungen über den Kauf von insgesamt 45 Bussen nach. Der Aufsichtsrat der BVG bewilligte dem Unternehmen dafür Anfang Dezember Mittel "in zweistelliger Millionenhöhe".

Bisher nur drei Interessenten für BVG-Ausschreibung

Obwohl also genügend Geld da ist, gestaltet sich die Auftragsvergabe bislang alles andere als einfach. Verkehrsstaatssekretär Jens-Holger Kirchner bekannte vor Kurzem, dass die Bus-Hersteller eher zögerlich auf die BVG-Ausschreibung reagiert hätten. Gerade einmal drei Firmen hätten bislang ein konkretes Interesse an dem Millionenauftrag bekundet, heißt es. Mindestens zehn Angebote waren erwartet worden. Die BVG bestätigte, dass sie im Verfahren für die in diesem Jahr geplante Anschaffung von 30 Eindecker-Bussen mit Elektroantrieb bereits die Angebotsfrist verlängert hat. Eine Fristverlängerung sei bei Ausschreibungen dieser Größenordnung allerdings auch nichts Ungewöhnliches, betonte BVG-Sprecherin Petra Reetz.

In Europa bieten unter anderem die Hersteller VDL (Niederlande), Linkker (Finnland) und Solaris (Polen) E-Busse für den Linienverkehr an. Die beiden großen deutschen Hersteller Mercedes und MAN haben dagegen noch kein Serienmodell im Angebot. Die größten Hersteller von Elektrobussen sind aktuell vor allem in China beheimatet.

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