Straßenverkehr

Nach Radunfall: Senatorin verspricht Untersuchungen

Nachdem erneut eine Radfahrerin getötet worden ist, fordern Aktivisten mehr Sicherheit auf Berlins Straßen.

Menschen stehen an einem Baum auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz, wo Zettel, Kerzen und Blumen an eine Radfahrerin erinnern, die am Dienstag dort durch einen Laster zu Tode kam

Menschen stehen an einem Baum auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz, wo Zettel, Kerzen und Blumen an eine Radfahrerin erinnern, die am Dienstag dort durch einen Laster zu Tode kam

Foto: Jörg Carstensen / dpa

Blumen liegen unter dem Baum auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz in Schöneberg, rote Grablichter brennen – auch einen Tag nach dem tödlichen Unglück, bei dem eine 52 Jahre alte Radfahrerin ums Leben kam, ist die Betroffenheit groß. Mit einer Mahnwache ist am Mittwochabend der Radfahrerin gedacht worden, die am Kaiser-Wilhelm-Platz von einem Lkw erfasst und getötet wurde. Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) sicherte umfassende Untersuchungen zu, nicht nur dieses Falles, sondern immer, wenn ein Radfahrer zu Tode kommt.

„Wir werden sehr schnell gucken, welche Maßnahmen anzuordnen sind, damit sich so etwas möglichst nicht wiederholt“, sagte sie bei einem Termin an der Unglücksstelle. Das „Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg“ begrüßte die Entscheidung. „Dass Verwaltungen künftig bei solchen Unfällen konkret jeden Einzelfall überprüfen, hilft, um schnelle Verbesserungen zu erreichen“, sagte Stefan Meißner.

Die 52 Jahre alte Radfahrerin war Dienstagfrüh gegen 6.35 Uhr auf der Kreuzung von einem Lkw erfasst worden, dessen 47 Jahre alter Fahrer von der Kolonnen- nach rechts in die Hauptstraße abbiegen wollte. Die Frau war auf dem Radstreifen in dieselbe Richtung unterwegs gewesen. Sie war noch am Unfallort gestorben.

Am Mittwoch kritisierten Mitglieder der Fahrradinitiative „Netzwerk Fahrradfreundliches Tempelhof-Schöneberg“ am Unfallort, dass im Radverkehr in Berlin „überall nur Kompromisse“ gemacht würden. „Wir brauchen klare, einfache und sichere Lösungen“, forderte Jens Steckel vom Netzwerk.

„Wenn die Spur zu schmal ist, kollidiert es zwangsläufig“

Sein Kollege Stefan Meißner kritisierte beim aktuellen Fall an der Einmündung Kolonnen- Ecke Hauptstraße, dass der Rad-Schutzstreifen vor der Ampel nur in die Fahrspur reingemalt wurde. „Der Rad- und der Autoverkehr müssen getrennt werden, sonst kollidiert es doch zwangsläufig. Die Fahrspur ist gar nicht breit genug für ein Rad und ein Auto oder einen Lkw.“ Jens Steckel bezeichnete die Radspur, auf der die Frau zu Tode kam, als „unechten Schutzstreifen“. Zudem sei die Radspur auf der Kreuzung nach rechts versetzt. Das habe zur Folge, dass der nach rechts abbiegende Lastwagenverkehr noch schlechtere Sicht auf die Radfahrer habe.

Für Christiane Heiß (Grüne), zuständige Stadträtin in Tempelhof-Schöneberg, trägt die Autoindustrie, wie sie sagt, eine Mitverantwortung für solche Unglücksfälle: Lkw müssten standardmäßig mit Sensoren ausgestattet werden, forderte sie. Auch Senatorin Günther wies auf eine Bundesratsinitiative des Landes Berlin hin, mit der Lastwagen verpflichtend mit sogenannten Abbiegeassistenten für Notfallbremsungen ausgerüstet werden sollen.

Bevor Laster möglicherweise mit einer automatischen Bremsfunktion in kritischen Situationen ausgestattet werden, soll die Kreuzung am Kaiser-Wilhelm-Platz schnell sicherer gemacht werden, kündigte Senatorin Günther an. Der Radweg, der jetzt nur 1,20 Meter breit ist, soll zwei Meter breit werden. Es wird dann nur noch eine Auto-Abbiege-Spur auf der Kolonnenstraße Ecke Hauptstraße geben. Und die Radfurt soll rot markiert werden.

Als Termin wurde das Frühjahr in Aussicht gestellt. „Sobald das Wetter sich dafür eignet“, so Stadträtin Heiß. Günther kündigte zudem an, dass in diesem Jahr insgesamt zehn Kreuzungen umgebaut würden, 2019 dann 20 und 2020 dann 30.

BVV hatte bereits Mitte 2017 einen Umbau angeregt

Die Bezirksverordneten in Tempelhof-Schöneberg hatten sich bereits Mitte 2017 für einen sichereren Radweg am Kaiser-Wilhelm-Platz eingesetzt. Doch der Beschluss war noch nicht umgesetzt worden, obwohl sie auch vorgeschlagen hatten, wenigstens schnell mit roter Farbe auf die gefährliche Stelle aufmerksam zu machen. „Die BVV hat leider Recht gehabt, an dieser Stelle geht es um Leben und Tod“, sagte Stefan Meißner. Der Antrag sei zeitnah weitergeleitet worden zur Senatsverwaltung, sagte Stadträtin Heiß auf Anfrage dieser Zeitung. Der Bezirk habe eine Radingenieurin eingestellt, aber es bleibe personell knapp. Zwei weitere Stellen hätten noch nicht besetzt werden können, weil der Markt leer sei.

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