Stadtentwicklung

Berlin baut an der falschen Stelle

Die FDP kritisiert: Im Südwesten entstehen zu wenig kommunale Wohnungen. Dabei gibt es auch dort Nachfrage.

Am Mühlengrund in Hohenschönhausen plant die Howoge 400 Wohnungen

Am Mühlengrund in Hohenschönhausen plant die Howoge 400 Wohnungen

Foto: Simulation Howoge / BM

Berlin. Der Senat hat Berlins landeseigene Wohnungsbaugesellschaften verpflichtet, ihre Bestände bis 2026 um rund 80.000 auf 400.000 Wohnungen zu erweitern. Nicht vereinbart ist dagegen, wo im Berliner Stadtgebiet Degewo, Gesobau, Gewobag, Howoge, Stadt und Land sowie die WBM neu bauen beziehungsweise zukaufen sollen. Ein Fehler, wie der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe findet. „Gerade in den begehrten Wohnlagen entfalten die Landeseigenen wenig Aktivitäten“, kritisiert Luthe. Insbesondere in den traditionell hochpreisigen Bezirken Steglitz-Zehlendorf und Charlottenburg-Wilmersdorf hätten die Wohnungsgesellschaften nur 1,4 beziehungsweise fünf Prozent ihrer Bestände, so eine parlamentarische Anfrage bei der Senatsbauverwaltung.

Wie aus der Anfrage des Liberalen weiter hervorgeht, liegen die meisten der kommunalen Wohnungen in Hohenschönhausen/Lichtenberg (17,9 Prozent), Hellersdorf/Marzahn (12,3 Prozent) und Pankow/Prenzlauer Berg/Weißensee (11,3 Prozent). „Zwar ist die ungleiche Verteilung der Wohnungen im Stadtgebiet in der Historie Berlins begründet“, sagt Luthe. Doch der rot-rot-grüne Senat unternehme nichts dagegen, diese Schieflage zu heilen, sondern verstärke sie sogar. „Die meisten Neubauaktivitäten der sechs Wohnungsbaugesellschaften finden ebenfalls im Osten Berlins statt“, kritisiert der Politiker.

Tatsächlich finden sich laut Eigenauskunft der Degewo die regionalen Schwerpunkte der Neubauaktivitäten in Treptow-Köpenick und in der Neuköllner Gropiusstadt. Der Schwerpunkt der Gesobau liegt im Bezirk Pankow, bei der Gewobag entstehen die meisten geplanten Neubauwohnungen in Pankow, Tempelhof-Schöneberg und Spandau, die der Howoge in Lichtenberg und Pankow, die Stadt und Land hat ihren Schwerpunkt auf Treptow-Köpenick gesetzt und die WBM auf Mitte und Friedrichshain.

Das Argument, dass die Landeseigenen bevorzugt dort bauen, wo sie traditionell ihre Bestände und damit auch Grundstücksreserven haben, lässt ­Luthe nicht gelten. „Es gibt noch in allen Bezirken Flächen im Landesbesitz, die man entwickeln könnte“, sagt er. Jedoch fehle in Berlin immer noch ein Baulückenkataster, das einen schnellen Überblick über die Grundstücksreserven verschaffen könnte. Wie aus der Beantwortung der Anfrage durch den Bau-Staatssekretär Sebastian Scheel (Linke) hervorgeht, liegen 1245 Wohnungen der landeseigenen Gesellschaften außerhalb Berlins. „Die sollte Berlin schnell verkaufen und damit Wohnungsbau in den Bezirken finanzieren, die chronisch unterversorgt sind“, fordert Luthe.

Mehr zum Thema:

Berlin plant neues Hochhaus am Bahnhof Zoo

Privatclub und Bassy Club droht wegen Investoren das Aus

Vorkaufsrecht als Mittel gegen Verdrängung

SPD macht Druck beim Wohnungsbau in Berlin