City West

Berlin plant neues Hochhaus am Bahnhof Zoo

Der Senat plant auf der Brache hinter dem Bahnhof Zoo Büro- und Unigebäude. Auch für den Hardenbergplatz gibt es neue Ideen.

Hardenbergplatz / Palazzo / Baugrundstück / Riesenrad

Hardenbergplatz / Palazzo / Baugrundstück / Riesenrad

Foto: Reto Klar

Berlin. In die jahrelange Debatte um die Zukunft der Brache hinter dem Bahnhof Zoo und des Hardenbergplatzes kommt Bewegung. Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung hat das Thema an sich gezogen und das Verfahren für einen Bebauungsplan eingeleitet. Wann das abgeschlossen sein soll, konnte eine Sprecherin von Senatorin Katrin Lompscher (Linke) aber nicht sagen.

Nördlich und südlich der Hertz-allee sollen vor allem Bürogebäude entstehen, auch ein Hochhaus ist geplant. Die Technische Universität möchte dort eigene Gebäude errichten und sich in dem Hochhaus einmieten. Der Hardenbergplatz selbst soll umgestaltet werden. Die Parkplätze für Privatautos werden tendenziell verschwinden, um mehr Platz zum Flanieren zu schaffen und das Umsteigen von der Bahn in die vielen dort verkehrenden Busse zu erleichtern.

Der Entwickler stimmt seine Planungen mit der TU ab

Den Kern des nun neu zu ordnenden Gebietes westlich der S-Bahntrasse zwischen Landwehrkanal und Hardenbergstraße bildet das freie Grundstück, auf dem ein Investor lange Zeit ein Riesenrad als Touristenattraktion geplant hatte. Das Areal gehört inzwischen dem Münchener Immobilienunternehmen Reiß & Co. Der Entwickler beplant sein Grundstück in Abstimmung mit der TU und orientiert sich an den Vorgaben eines städtebaulichen Wettbewerbes von 2011.

Seinerzeit hatte das Büro Yellow Z mit dem Vorschlag einer Campus-Lösung gewonnen. Teil des Plans ist jetzt aber auch ein 30-stöckiges Hochhaus an einer Ecke des Komplexes. Das wäre nicht ganz so hoch wie die nahe gelegenen Türme Upper West und Waldorf Astoria am Breitscheidplatz, die 120 Meter messen.

Technische Universität drängt schon lange auf neue Räume auf dem Gelände

„Was Reiß dort plant, hört sich gut an“, sagte TU-Präsident Christian Thomsen der Berliner Morgenpost. Die Universität drängt schon lange darauf, zusätzliche Räume auf dem Gelände zu bekommen. Vorgesehen sind auf dem nördlichen Teil des Planungsgebietes an der Müller-Breslau-Straße ein neues Gebäude für die Mathematik und für ein neues Interdisziplinäres Zentrum für Modellierung und Simulation (Imos). Für diese Projekte hat die Senatswissenschaftsverwaltung im September den Siegerentwurf eines beschränkten Wettbewerbes gekürt.

Auch für den Bushalteplatz der BVG, der heute noch einen großen Teil der Fläche einnimmt, soll es eine Lösung geben. Dem Vernehmen nach sind die Verkehrsbetriebe bereit, ihre Anlage ein Stück in Richtung der S-Bahntrasse zu verschieben und sie womöglich unter die Erde zu verlegen. Es gehe auch darum, dort Lade-Infrastruktur für die künftigen Elektrobusse einzuplanen, die die BVG künftig anschaffen soll.

Vorgesehen ist nach jetzigem Stand ein Grundstückstausch zwischen der BVG und dem Entwickler Reiß. Letzterer tritt einen Teil des Riesenrad-Grundstücks an die BVG ab und bekommt im Gegenzug die Flächen des heutigen Busparkplatzes. Die BVG wollte sich auf Nachfrage nicht zu Details äußern. Man sei aber sehr zufrieden mit der nun ins Auge gefassten Lösung, sagte Sprecherin Petra Reetz.

Südlich der Hertzallee sollen auch Büros entstehen

Südlich der Hertzallee möchte die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) ihr Gelände verdichten und mit Büros bebauen, die in Berlin dringend gebraucht werden. Es könnte also angesichts des breiten Konsenses relativ schnell vorangehen mit den Planungen.

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Für problematisch halten Beteiligte und Beobachter jedoch die Verkoppelung der Neubaupläne westlich der S-Bahn mit der Neugestaltung des Hardenbergplatzes an der Ostseite. Das werde schwierig, hieß es dazu. Denn die Zukunft dieses wichtigen Verkehrsknotenpunktes in der City West ist seit Jahren umstritten, zudem werden hier weitaus mehr Interessen von Anliegern und Nutzern berührt als auf der Westseite, wo die Nachbarn Bima und TU Projektbeteiligte sind und nur der Zoo mit seinem Wirtschaftsgebäude in unmittelbarer Nähe sitzt.

Die Stadtentwicklungsverwaltung rechtfertigt die Koppelung beider Areale mit der funktionalen Einheit, die beide Teile vor allem wegen der BVG bildeten. Die Busse lassen an ihren Endhaltestellen auf dem Hardenbergplatz vor dem Bahnhof Zoo ihre Fahrgäste ein- und aussteigen, ehe sie zur Pause auf den Platz an der Hertzallee fahren.

Bushaltestellen sollen näher an den Bahnhof Zoo rücken

Die Bushaltestellen sollen mit dem neuen Plan näher an den Bahnhof Zoo heranrücken, um für Umsteiger mehr Übersichtlichkeit und kürzere Wege zu schaffen. Fußgänger sollen Freiflächen vor allem vor dem Haupteingang des Zoos bekommen. Zudem wollen die Planer Flächen reservieren, um gegebenenfalls einmal Straßenbahnen auf den Platz leiten zu können. Für Parkplätze zu ebener Erde, die bisher das Bild dominieren, soll auf dem neuen Hardenbergplatz kein Platz mehr sein.

Im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf wundert sich Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne), warum die Senatsverwaltung jetzt einen Bebauungsplan mit einem Hochhaus an sich ziehe, ohne dass es den angekündigten Hochhausentwicklungsplan gibt. Senatsbaudirektorin Regula Lüscher möchte darin festlegen, nach welchen Kriterien Gebäude über der Berliner Traufhöhe entstehen dürfen.

Man werde auch vor der Verabschiedung eines Hochhaus-Leitbildes einzelne Projekte vorantreiben, sagte eine Sprecherin der Bausenatorin Lompscher: „Wir können ja währenddessen nicht die Arbeit einstellen.“

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