Bremsenhersteller

Bei Knorr-Bremse in Tegel droht Stellenabbau

Die Tochter Powertech hat letztes Jahr 17 Millionen Euro Minus gemacht. 400 Mitarbeiter von Knorr-Bremse fürchten nun um ihre Jobs.

Bald arbeitslos? 400 Stellen könnten abgebaut werden

Bald arbeitslos? 400 Stellen könnten abgebaut werden

Foto: Knorr Bremse AG

Berlin.  Ein kurzer Satz bedeutete die Rettung. „Knorr-Bremse stoppt Verlagerung von Hasse & Wrede“, teilte der Münchner Bahn-Zulieferer Knorr-Bremse wenige Tage vor Weihnachten mit. 109 Mitarbeiter atmeten auf, hatte der Konzern doch ursprünglich vor, alle Arbeitsplätze aus dem Marzahner Werk nach Tschechien zu verlagern. Im neuen Jahr droht den Knorr-Bremse-Beschäftigten in Berlin aber erneut Ungemach: Der Tochtergesellschaft Powertech, die in Tegel produziert, geht es schlecht.

Wie die Berliner Morgenpost erfuhr, verbuchte der Betrieb im vergangenen Jahr ein Minus von 17 Millionen Euro. Powertech befinde sich in einer kritischen Lage, räumte Knorr-Bremse jetzt auf Anfrage ein.

Eine Option: Verlagerung in die Tschechei

292 Mitarbeiter und etwa 100 Leiharbeiter stellen in dem Werk bislang Energieversorgungssysteme für Schienenfahrzeuge her. Wie gefährdet der Standort ist, hatte der Vorstand von Knorr-Bremse, Klaus Deller, erst kürzlich Abgeordneten im Wirtschaftsausschuss erklärt: Wegen der schlechten Geschäftslage plant Knorr-Bremse bei Powertech die Arbeitszeit von 35 auf 42 Wochenstunden zu erhöhen.

Zwei Drittel der Belegschaft hätten diesem Schritt bereits zugestimmt. Deller sagte den Abgeordneten aber dennoch: „Wir werden in den nächsten drei bis sechs Monaten eine grundsätzliche Entscheidung treffen müssen“. Heißt: Sicher sind die Arbeitsplätze bei Power­tech auch nach den Zugeständnissen der Belegschaft nicht.

Der Schienen- und Nutzfahrzeugzulieferer Knorr-Bremse ist ein Weltkonzern mit Berliner Wurzeln: Der Ingenieur Georg Knorr gründete den Betrieb 1905 in Boxhagen-Rummelsburg. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Unternehmen in München wieder aufgebaut. Heute arbeiten 25.ooo Beschäftigte auf sechs Kontinenten für das Unternehmen. In Deutschland hat Knorr-Bremse rund 5000 Mitarbeiter. An den zwei Standorten in Berlin sind etwa 1100 Beschäftigte tätig.

Den Verbleib von Hasse & Wrede in der Hauptstadt sieht die Konzernleitung in München auch als „Beitrag für unseren Gründungsstandort“. Der Betriebsrat habe zahlreiche Verbesserungen gemacht, um die Produktivität im Werk zu steigern, sagte eine Sprecherin. Durch neue Abläufe ist es bereits gelungen, die Fertigungskosten in dem Werk zu senken, erfuhr die Berliner Morgenpost.

Sozialplan sorgte für Umdenken beim Vorstand

Aber auch der teure Sozialplan dürfte den Knorr-Bremse-Vorstand von einer Verlagerung abgehalten haben: Zwölf Millionen Euro hätten Abfindungen und Übergangsgehälter für die Belegschaft wohl verschlungen. Nachdem Berlins IG-Metall-Chef Klaus Abel diese Zahl auf den Tisch legte, nahmen die Manager von ihren Plänen Abstand. „Unsere Strategie ist aufgegangen“, sagte Abel nun süffisant. Das neue Sorgenkind ­Powertech hatte sich Knorr-Bremse 2014 in den Konzern geholt. Zuvor gehörte das Unternehmen zum kanadischen Zughersteller Bombardier. „Vor dem Hintergrund einer notwendigen Prozess- und Geschäftsstabilisierung behält das sich das Management weitere Analysen und daraus abgeleitete Maßnahmen vor“, teilte der Konzern mit.

IG-Metall-Chef Abel befürchtet bereits den nächsten Streit. „Knorr-Bremse kann sich warm anziehen. Wir haben bei Hasse & Wrede bewiesen, dass es möglich ist, Arbeitsplätze in Berlin zu behalten“, erklärte Abel. Der FDP-Abgeordnete und Mitglied des Wirtschaftsausschusses, Florian Swyter, beschwich-tigte: „Den Verantwortlichen ist klar, dass Arbeitsplatzabbau immer nur der letzte Ausweg sein darf.“ Die Linkspartei hatte zuvor scharfe Kritik geäußert.

Die Pläne von Knorr-Bremse werden von der internationalen Eisenbahnindustrie getrieben, die derzeit einen tiefgreifenden Strukturwandel durchlebt. Zahlreiche Übernahmen und Fusionen – etwa die Zusammenführung der chinesischen Hersteller zur China Rail Rolling Stock Company (CRRC) und auch der geplante Zusammenschluss von Siemens Mobility und Alstom Transport – setzen die Zulieferer unter Druck. Um weiter Aufträge an Land zu ziehen, muss Knorr-Bremse in vielen Betrieben Kosten senken. Hinzu kommt, dass wichtige Kunden wie Caterpillar und andere Motorenhersteller die Produktion ins Ausland verlagern. Knorr-Bremse suche aber die Nähe zu seinen Kunden, teilte das Unternehmen mit. Als Ausweg bleibt dann häufig nur die Verlagerung.

Eine Option dafür ist das tschechische Liberec, wohin auch schon Hasse & Wrede umziehen sollte. Seit den 90er-Jahren ist Knorr-Bremse in der Region tätig. Mittlerweile arbeiten dort mehr als 500 Mitarbeiter, die unter anderem Scheibenbremsen, Bremszylinder und Ventile fertigen. Knorr-Bremse hat in der Stadt zudem einige Prozesse wie Rechnungswesen, Personalverwaltung und IT für die europäischen Standorte gebündelt. Liberec liegt in der Metropolregion Prag, verfüge zudem über eine Universität. Vor Ort gebe es eine große Auswahl an qualifizierten Mitarbeitern, so Knorr-Bremse. Was das Unternehmen gerne verschweigt: Durchschnittlich verdienen tschechische Angestellte nur rund ein Drittel des Gehaltes ihrer deutschen Kollegen.

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