Berlin

Explosive Post in Steglitzer Bank

Versandtasche in der Filiale an der Schloßstraße hatte Zünder. Polizei: Zusammenhang zu DHL-Erpressern

Eine verdächtige Postsendung hat an der Schloßstraße in Steglitz einen Großeinsatz der Polizei ausgelöst. In einer Commerzbank-Filiale ist am Freitagmittag eine DIN-A4 große Versandtasche abgegeben worden. Aus der Postsendung ragten verdächtige Drähte. Die Ermittlungsbehörden gehen von einem Zusammenhang zu den Brandenburger Paketbomben aus. "Einen Sachzusammenhang mit der DHL-Erpressung in Brandenburg können wir bestätigen", schrieb die Berliner Polizei am Freitagabend auf Twitter.

Die verdächtige Sendung an die Bankfiliale in Steglitz sorgte auf den Tag genau sechs Wochen nach dem Fund einer Paketbombe in Potsdam für einen großen Polizeieinsatz in Berlin. Gegen 11.30 Uhr wurde der Umschlag von einem Post-Briefträger in der Bank an der Schloßstraße abgegeben. Als ein Bankangestellter ihn öffnete, sah er Drähte und alarmierte die Polizei. Nach einer ersten Untersuchung stand fest, dass der Inhalt gefährlich ist. Die Sendung besaß eine Zündvorrichtung und vermutlich Schwarzpulver aus Feuerwerkskörpern.

Sprengmaterial hätte einen Menschen verletzen können

Das komplette Bank- und Wohngebäude sowie die direkte Umgebung, einschließlich Teilen der belebten Schloßstraße, wurden geräumt und stundenlang abgesperrt. Mehrere Buslinien wurden umgeleitet. Er kam zeitweilig zu erheblichen Staus. Der Umschlag wurde mit einem Sprengstoff-Roboter untersucht. Die Spezialisten der Polizei entfernten in Schutzanzügen den Zünder der Sendung.

Dabei entdeckten die Ermittler in der Versandtasche zwar sprengfähiges Material wie Schwarzpulver, dieses hätte aber "keine riesige Detonation" auslösen können, wie Polizeisprecher Thomas Neuendorf der Berliner Morgenpost mitteilte. Die Menge hätte jedoch ausgereicht, um Verletzungen beim Empfänger verursachen können. Die Sendung wurde schließlich auf dem Sprengplatz in Grunewald unschädlich gemacht. Gegen 16 Uhr gab die Polizei Entwarnung. Die Sperrungen wurden aufgehoben, die Commerzbank sowie die umliegenden Geschäfte nahmen ihren Betrieb wieder auf.

Unklar ist, wer Absender und Adressat der Versandtasche waren. Die Kripo untersucht nun, ob sich Fingerabdrücke oder DNA-Spuren an dem Umschlag finden lassen.

Die Berliner Ermittler und die Brandenburger Behörden gehen von einem Zusammenhang mit den in den vergangenen Monaten in Potsdam und Frankfurt (Oder) entdeckten Paketbomben aus, wie ein Sprecher des Innenministeriums am Abend der Deutschen Presseagentur sagte. Es soll bauartbedingte Ähnlichkeiten geben. Der Sprecher des Brandenburger Polizei-präsidiums, Torsten Herbst, gab sich zurückhaltender: "Wir prüfen einen möglichen Zusammenhang", sagte er der Berliner Morgenpost. Die Brandenburger Soko "Quer" ermittele weiterhin intensiv. Bislang habe man den oder die Erpresser aber noch nicht fassen können. Anfang November war zudem eine Paketbombe an ein Geschäft in Frankfurt (Oder) geschickt worden.

In Potsdam war vor sechs Wochen in der Nähe des Weihnachtsmarktes eine Paketbombe in einer Apotheke abgegeben worden. In der Sendung entdeckten die Ermittler neben einem sogenannten Polenböller, Batterien und einer Metalldose voller Nägel auch einen mit einem Strich-Code verschlüsselten Erpresserbrief. Damit sollten von dem Paketdienstleister DHL mehrere Millionen Euro erpresst werden. Die in Steglitz entdeckte gefährliche Sendung wurde allerdings von der Post und nicht über die Post-Tochter DHL ausgeliefert.

Diskussion in Reinickendorf muss abgesagt werden

Ebenfalls wegen eines verdächtigen Gegenstands musste am Freitagabend eine Diskussionsveranstaltung mit Innensenator Andreas Geisel (SPD) in Reinickendorf abgesagt werden. Grund war ein herrenloser Koffer. Geisel sollte laut einer Ankündigung auf Einladung der Abgeordneten Bettina König (SPD) mit Bernd Mastaleck von der Polizeigewerkschaft Berlin und der Bürgerrechtsinitiative #wastun in einem Café am Franz-Neumann-Platz über die Sicherheit des Platzes und permanente Videoüberwachung diskutieren.

Allerdings wurde gegen 16.30 Uhr der herrenlose braune Koffer in einer Ecke des Saals entdeckt, in dem die Veranstaltung stattfinden sollte. Gefunden hatte den Koffer ein Polizist – zufällig, wie Mastaleck der Berliner Morgenpost sagte. Die Veranstaltung wurde zunächst unterbrochen und dann ganz abgesagt. Der Koffer erwies sich aber als leer. Die Markstraße wurde gesperrt und am frühen Abend wieder freigegeben.

In der Ankündigung zur Veranstaltung wird die Abgeordnete König mit den Worten "In Reinickendorf ist der Franz-Neumann-Platz ein Ort, an dem sich viele Menschen unsicher fühlen" zitiert.

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