Wohnungsbau

"Die Entwicklung neuer Stadtquartiere dauert viel zu lange"

Opposition und Wohnungsverbände machen sich Sorgen um den Wohnungsneubau in Berlin.

Neubau-Wohnungen entstehen auf einer Baustelle in Berlin-Kreuzberg

Neubau-Wohnungen entstehen auf einer Baustelle in Berlin-Kreuzberg

Foto: dpa Picture-Alliance / Bernd von Jutrczenka / picture alliance / Bernd von Jut

Berlin wächst im Rekordtempo, vermeldet aktuell das Amt für Statistik BerlinBrandenburg. Doch die Entwicklung von Baugrundstücken für rund 40.000 Wohnungen in der Hauptstadt kommt nur schleppend voran, wie die Berliner Morgenpost mit Verweis auf vertrauliche Dokumente aus der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung berichtete. Während die rot-rot-grünen Regierungsfraktionen mit einem gemeinsamen Entschließungsantrag Stadtent-wicklungssenatorin Katrin Lompscher (Linke) auffordern, die in der Koalition vereinbarten Entwicklungsgebiete "planerisch zügig voranzubringen", meldeten sich jetzt Opposition und Wohnungsverbände zu Wort.

"Die Entwicklung neuer Stadtquartiere dauert viel zu lange", sagt David Eberhart, Sprecher des Verbandes Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU). Wie berichtet, ist lediglich für sieben der insgesamt 13 Berliner Entwicklungsgebiete mit einem Baustart in den kommenden vier Jahren zu rechnen. Bei vier Arealen ist zudem offen, ob dort überhaupt gebaut werden kann. Dies sei aber nicht allein Schuld der zuständigen Senatsbehörde, so Eberhart. "Vor allem auch wegen der Vervierfachung der deutschen Bauvorschriften seit 1990 geht es oft nur in Trippelschritten voran, bis ein Quartier endlich bezugsfertig ist", so der Verbandssprecher. "Damit Berlin sein starkes Wachstum bewältigen kann, sind insbesondere zwei Dinge vordringlich: Dass es mit den größeren Entwicklungsgebieten schneller vorangeht, aber auch, dass in der gesamten Stadt neu gebaut werden kann, fordert Eberhart.

Baustaatssekretär Sebastian Scheel (Linke) begründet die schleppende Entwicklung in Berlins Baugebieten mit der Komplexität der Aufgabe. Und er weist darauf hin, dass es auch schon im Vorgängersenat rund zehn Jahre gedauert habe, bislang unerschlossene Gebiete als Bauland zu qualifizieren. Florian Graf, Vorsitzender der CDU-Fraktion Berlin, lässt das jedoch nicht gelten. "Wenn der Regierende Bürgermeister den Wohnungsbau wirklich voranbringen möchte, sollte er sich vielleicht nach einem anderen Koalitionspartner umsehen. Oder zumindest das Wohnungsbauressort anders besetzen. Mit Frau Lompscher in der Verantwortung geht es beim Wohnungsbau jedenfalls nicht voran", sagt Graf. Ähnlich äußert sich Harald Laatsch (AfD). "Wenn nur bei drei von 13 Gebieten mit einem Baustart noch in diesem Jahr gerechnet wird, kann man sich vorstellen, wann – wenn überhaupt – die vom Senat vollmundig angekündigten 40.000 neuen Wohnungen fertiggestellt werden", so Laatsch. Katrin Lompscher solle "sich endlich ihrer eigentlichen Aufgabe zuwenden".

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