Werbung

Der Werbemarkt in Berlin wird neu aufgeteilt

Senat entscheidet: Vier Firmen dürfen nun Litfaßsäulen, City-Light-Poster, Masten und Uhren im öffentlichen Straßenland vermarkten.

Ein Mann klebt ein Plakat an eine Litfaßsäule

Ein Mann klebt ein Plakat an eine Litfaßsäule

Foto: dpa Picture-Alliance / Klaus-Dietmar Gabbert / picture alliance / dpa

Berlin.  Zum ersten Mal in der neueren Geschichte der Stadt hat Berlin das Recht, auf öffentlichem Straßenland zu werben, in einer umfassenden Ausschreibung an verschiedene Unternehmen vergeben. Nach Informationen der Morgenpost sind die Lose nun verteilt, obwohl in den nächsten Tagen noch Unterschriften unter die Verträge zu leisten sind. Dabei geht es unter anderem um Werbung an Litfaßsäulen, großen Postern und Schildern an Straßen sowie an Laternenmasten.

Die Vergabe der Stadtwerbung war politisch umstritten. Bisher war ein Großteil der Werberechte vor allem der modernen City-Light-Poster mit dem Betrieb der öffentlichen City-Toiletten verknüpft. Beide Aufgaben hatte der Berliner Stadtmöblierer Wall übernommen. Als Gegenleistung für die Bedürfnisanstalten durfte Wall Werbeflächen aufstellen und vermarkten. Diesen Zustand hat die rot-rot-grüne Koalition geändert und die Toiletten unabhängig von den Werbeflächen ausgeschrieben.

Wall gewann nach Informationen der Morgenpost das wichtigste Los für die City-Light-Poster und sicherte sich bis 2034 den Betrieb von 1140 frei stehenden Werbeanlagen verschiedener Formate. Dabei werden wechselnde Werbeplakate von hinten erleuchtet oder digital eingespielt. Sie stehen häufig an Straßen.

Schwäbische Ilg bekommt Zuschlag für Litfaßsäulen

Berlins Litfaßsäulen werden für die nächsten 15 Jahre von Stuttgart aus vermarktet. Den Zuschlag für das zweite Los bekam die Ilg Außenwerbung. Die 2500 Plakatflächen bedeuten das erste Engagement der schwäbischen Firma in der Hauptstadt.

An Laternen und anderen Masten, insgesamt 4100, darf künftig die Berliner Firma Mediateam Stadtservice Plakatflächen anbieten. Für das kleinste Los, die Werbung an rund 430 Uhren, gab es keine befriedigenden Angebote, sodass die Firma Ströer vorerst weiter dafür zuständig ist.

Der Senat hat sich mit der Vergabe der Werbung feste Einnahmen von den Konzessionären und auch eine Umsatzbeteiligung gesichert. Wie viel Geld genau Berlin aus dieser Vergabe erwarten darf, ist deshalb noch nicht eindeutig zu sagen. Politisch bedeutsam ist jedoch, dass der zu erwartende Betrag erheblich über den Kosten für die künftig von Berlin finanzierten öffentlichen Toiletten liegt, die der Senat ebenfalls an einen privaten Betreiber geben möchte. Auch diesen zweiten Auftrag hat das Haus von Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) kürzlich ausgeschrieben.

Zahl der leuchtenden Großvitrinen wird reduziert

8,7 Millionen Euro pro Jahr sind für den Aufbau des neuen Toilettensystems zunächst eingeplant. Über 15 Jahre der Laufzeit wird mit gut 130 Millionen Euro gerechnet. Aus den Werbeerlösen kann Berlin nach dem Ergebnis der Ausschreibung nun auf das Zwei- bis Dreifache dieser Summe als Einnahmen kommen. Es ist also genügend Geld da, um das System der öffentlichen Bedürfnisanstalten auch ohne eine Koppelung mit Werberechten weiter auszubauen. Die Opposition hatte kritisiert, es sei falsch, das funktionierende System der Wall-City-Toiletten zu zerschlagen. Die Bezirke sorgen sich, wer künftig Aktionen wie die Weihnachtsbeleuchtung in Geschäftsstraßen sponsort. Das hatte häufig Wall übernommen.

Bisher wurden die Werberechte durch mehr als 200 einzelne Verträge der Senatsverwaltung und der einzelnen Bezirke mit Wall geregelt. Durch die nun entschiedene Ausschreibung soll es auch weniger Werbeflächen auf öffentlichem Grund geben, weil eine maximale Anzahl von Anlagen festgelegt wurde. Dadurch werden 30 Prozent der Großvitrinen und zehn Prozent der Standardvitrinen verschwinden. Die Litfaßsäulen bleiben unterdessen fast alle erhalten.