Neukölln

AfD-Politikerin veröffentlicht NS-Plakate auf Facebook

Die Neuköllner AfD-Politikerin Franziska Lorenz-Hoffmann hat bei Facebook Plakate aus der NS-Zeit veröffentlicht.

Screenshots der Postings von Franziska Lorenz-Hoffmann bei Facebook

Screenshots der Postings von Franziska Lorenz-Hoffmann bei Facebook

Berlin. "Deutsche Frau! Halte Dein Blut rein" – solche und andere Sprüche hat die Neuköllner AfD-Politikerin Franziska Lorenz-Hoffmann auf ihrem Facebookprofil veröffentlicht. Sie sind unübersehbar auf Plakaten gedruckt, die aus der Zeit des Nationalsozialismus stammen oder diesen nachempfunden sind. Eines der Plakate ist mit einer Zeitangabe versehen: 1934 – ein Jahr nach Beginn der NS-Schreckensherrschaft. Das andere Plakat stammt laut dem Deutschen Historischen Museum aus dem Jahr 1944. Lorenz-Hoffmann war bis mindestens Anfang 2016 stellvertretende Vorsitzende der Neuköllner AfD. Noch heute ist die Politikerin für die Partei in der Seniorenvertretung der Bezirksverordnetenversammlung von Neukölln aktiv.

Bereits am 6. Januar postete sie mehrere dieser Motive unkommentiert auf ihrem privaten Facebookprofil. Das Profil ist jedoch öffentlich einsehbar. Lorenz-Hoffmann hat fast 5000 Freunde und weitere 1000 Menschen, die ihren Facebook-Kanal abonniert haben. Für eine Stellungnahme, war die AfD-Polikerin vorerst nicht zu erreichen.

Posts wurden mittlerweile gelöscht

Der Rechtsextremismus-Experte und Professor an der Freien Universität Berlin, Hajo Funke, sagte der Morgenpost: "Das ist purer, nationalsozialistischer Rassismus, den Frau Lorenz-Hoffmann auf ihrer Facebook-Seite ausstellt." Die Verbreitung solcher Propaganda sei ein Tabubruch, der unentschuldbar sei, bei der AfD allerdings kein Einzelfall. "So etwas zu posten, ist infam – wenn es nicht so verrückt wäre", fügte Funke hinzu.

Mittlerweile hat Lorenz-Hoffmann die entsprechenden Posts gelöscht. Die AfD-Politikerin war bereits einmal in die Schlagzeilen geraten. Im Februar 2016 hingen Plakate mit ihrem Gesicht und dem Slogan "So bunt wie unser Kiez." an dem Einkaufszentrum "Neukölln Arkaden". Nachdem öffentlich wurde, dass Lorenz-Hoffmann in der AfD aktiv ist, reagierte die Betreiber-Firma und entfernte die Werbefläche.

Der Berliner AfD-Vorsitzende Georg Pazderski wollte sich auf Morgenpost-Anfrage nicht zu den Postings von Lorenz-Hoffmann äußern. Der Sprecher der Berliner AfD, Ronald Gläser, teilte lediglich mit: "Es ist falsch, so etwas zu posten. Gut, dass sie die Bilder selbständig gelöscht hat."

Für die Berliner AfD kommen die Postings von Lorenz-Hoffmann zur Unzeit. Erst vor wenigen Tagen hatte sich der parlamentarische Geschäftsführer der Berliner AfD-Fraktion, Frank-Christian Hansel, über den AfD-Bundestagsabgeordneten Jens Maier aufgeregt. Dieser hatte Noah Becker, den Sohn von Boris Becker, über seinen Twitter-Account als "Halb-Neger" bezeichnet. Hansel schrieb dazu: "Es reicht, Leute! Wenn ihr Euch oder Eure Mitarbeiter nicht im Griff habt, geht nach Hause!", twitterte er. "Die AfD braucht keine Leute, die immer noch das primitive Vokabular und den Duktus der 50er Jahre verwenden." Hansel, der in Neukölln zur Bundestagswahl antrat, wird noch weniger gefallen, dass eine Neuköllner Parteifreundin nun gar Vokabular der 30er-Jahre bemüht.

Mehr zum Thema:

So wurde AfD-Abgeordneter bei Facebook-Täuschung erwischt

Noah Becker reagiert gelassen auf rassistischen AfD-Tweet

Parteischiedsgericht lehnt AfD-Ausschluss von Björn Höcke ab

© Berliner Morgenpost 2018 – Alle Rechte vorbehalten.