Versteigerung

Sitze, Herzen, Tassen - Air-Berlin-Inventar wird versteigert

Alles kommt unter den Hammer: Von Business-Class-Sitz bis Waschtischgarnituren. Sogar die Schokoherzen können ersteigert werden.

Air Berlin gibt es nicht mehr – oder doch? Am Dienstag konnte man den Eindruck haben, als ein Flugzeug mit der altbekannten rot-weißen Lackierung am Flughafen Tegel abhob. Doch was aussah wie eine Erscheinung, war nur ein ehemaliges Flugzeug von Air Berlin, das noch nicht umlackiert war.

Flüge wie diese sind nicht selten. Zwischen den Jahren verwirrte ein Airbus von Air Berlin die Menschen in Schleswig-Holstein. Er kreiste vier Stunden lang extrem langsam. Kein Geister-, sondern ein Testflug, beruhigten die "Kieler Nachrichten" ihre Leser. Der Airbus kam aus Frankfurt-Hahn, wo die ehemals geleasten Air-Berlin-Maschinen geparkt sind.

Zwar ist es eine Tatsache, dass Air Berlin im August Insolvenz anmeldete und den Betrieb Ende Oktober einstellte – aber so ganz ist die Airline der (Schoko-)Herzen noch nicht verschwunden. Das berühmte rote Schokoherz zum Beispiel boten findige Verkäufer zwar schon im Sommer zu exorbitanten Preisen im Internet an. Doch immer noch gibt es die Herzen im Handel. Outlet-Shops der Firma Lindt etwa bieten sie noch in 700-Gramm-Tüten an. Allerdings waren im B5-Center in Wustermark am vergangenen Dienstag nur noch drei Tüten vorrätig – und Nachschub wird nicht mehr erwartet.

Der letzte Air Berlin-Flug

Der letzte Air Berlin-Flug. Abflug in München und Landung in Berlin-Tegel.
AB6210: Das war der letzte Flug der Air Berlin

Doppelsitzer aus der Business-class unter dem Hammer

Wer daran interessiert ist, kann ab Mitte Januar stattdessen Inventar aus Air-Berlin-Flugzeugen ersteigern. Bei einer Online-Auktion des Hamburger Auktionshauses Dechow sollen unter anderem Servierwagen, Flugzeugsitze, Geschirr aus der Businessclass, Decken, Waschtischgarnituren, Kinderspielzeug, Schminktaschen des vom Designer Wolfgang Joop mitgegründeten Labels Wunderkind und die bekannten Schokoherzen – immerhin eine Tonne – unter den Hammer kommen. Das hat das Hamburger Auktionshaus Dechow auf seiner Webseite angekündigt.

Versteigert werden sollen unter anderem auch drei Doppelsitzer der Business-Klasse – Startgebot: 150 Euro. Für die sechs Dreisitzer der Economy-Klasse fangen die Gebote bei 100 Euro an.

Ein Air-Berlin-Sprecher bestätigte am Mittwoch, dass die Sachen mit dem Aufdruck der Fluglinie aus dem Bestand des Unternehmens kommen. Der Erlös werde in die Insolvenzmasse fließen. Über die geplante Auktion hatte zuvor das Luftfahrt-Portal "Aerotelegraph" berichtet.

"Air Berlin forever, Over and Out"

Der letzte Funkspruch von Air Berlin. "BER4EVR to Tegel Airport."
Das war der letzte Funkspruch von Air Berlin

Airline-Uniformen an Flüchtlinge gespendet

Wer an der Auktion teilnehmen will, muss sich mit Namen, Adresse und einer Mobilfunknummer auf der Homepage von Dechow registrieren. Mehr als 2600 Interessierte hätten das innerhalb weniger Tage bereits getan, sagte Toke Bransky, Bereichsleiter für Marketing und Vertrieb bei Dechow.

Eine andere Idee zur Weiterverwertung hatten Mitarbeiter der Schweizer Air-Berlin-Tochter Belair. Als im November Hunderte einwandfreie Uniformen des Flugpersonals vernichtet werden sollten, fragten sie sich: Warum die Kleider nicht einer Hilfsorganisation für Flüchtlinge spenden? "Wir fanden es sinnlos, einwandfreie Kleidungsstücke zu vernichten, und haben uns darum über diese Anweisung hinweggesetzt", zitiert das Schweizer Onlineportal Nau.ch einen ehemaligen Mitarbeiter von Belair.

Man habe sich nicht vor den Kon­sequenzen gefürchtet, die Uniformen einfach gespendet und damit "das ­einzig Richtige getan". Inzwischen sind 150 Uniformen auf der griechischen Insel Lesbos eingetroffen, bestätigt Raquel Herzog, Gründerin der Frauen-Hilfsorganisation SAO Association in Zürich, die die Spenden entgegennahm. Wollpullover, Softshelljacken und ­Wintermäntel würden an Menschen verteilt, die unter elenden Bedingungen im Flüchtlingslager leben. Befürchtungen, dass Flüchtlinge es ablehnen könnten, abgelegte Uniformen zu tragen, gebe es nicht, sagt Herzog.

Damit die Menschen die gespendeten Kleider auseinanderhalten könnten, würden die Logos der Airline mit bunten Stoffstücken übernäht. "Die Menschen sind froh, überhaupt etwas Warmes zum Anziehen zu haben." Vor einigen Tagen habe es auf Lesbos geschneit. Das Lager sei überfüllt, sagt Herzog, statt 1800 Menschen lebten dort mehr als 6000, "ein Drittel davon Kinder unter zehn Jahren".

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