Tierpark Berlin

Zoodirektor Knieriem: Eisbären-Baby hat zu wenig getrunken

Das Baby von Eisbärin Tonja ist tot. Das Tier wurde nur 26 Tage alt. Laut Tierpark-Chef Knieriem trifft die Mutter keine Schuld am Tod.

Berlins Eisbärenbaby ist tot

Nach dem Tod von Eisbärenbaby Fritz ist nun auch der neue Nachwuchs von Eisbärendame Tonja im Tierpark gestorben. Die genaue Ursache ist noch unklar.
Di, 02.01.2018, 22.14 Uhr

Berlins Eisbärenbaby ist tot

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Berlin. Am frühen Dienstagmorgen gegen 3.30 Uhr ist das Eisbärbaby im Tierpark gestorben. Es werde im Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (IZW) in Berlin obduziert, hieß es aus dem Tierpark. Das Jungtier – ein Mädchen – wurde nur 26 Tage alt.

"Wir wussten, dass die Sterblichkeit in den ersten Wochen sehr hoch ist, dennoch sind wir sehr traurig", so Eisbär-Kurator Florian Sicks. "Für uns heißt es nun, die Bilder der Überwachungskamera auszuwerten und das Obduktionsergebnis abzuwarten", ergänzte Zoo- und Tierparkdirektor Andreas Knieriem. "Wir stehen vor einem Rätsel. Fest steht nur, dass das Jungtier vor seinem Tod nicht genug getrunken hat", sagte er. "Es hat zwölf bis 15 Stunden lang zu wenig Milch bekommen und ist dann hinweggeschlafen." Er war an der Untersuchung des Jungtiers beteiligt gewesen. Warum das Tier nicht mehr trank, ist noch unklar. Bei weiteren Untersuchungen soll es um mögliche Infektionen gehen.

"Es gab weder Blutungen oder Quetschungen noch Organveränderungen", sagte Knieriem. Es sei kein Fehler der Eisbärenmutter zu erkennen. "Man kann mit allen Jungtieren Glück und Pech haben", sagte er.

Silvesterböller haben nichts mit dem Tod zu tun

Noch am Neujahrstag hatten sich die Tierpfleger gefreut, das Eisbärjungtier nach der Silvesternacht wohlbehalten bei Tiermutter Tonja trinken zu sehen. Die Silvesterböller hatten nach Auskunft von Knieriem nichts mit dem Tod zu tun. "Das schließen wir definitiv aus." Auch am Neujahrsabend sei alles wie immer gewesen.

Im Tierpark hatte die achtjährige Tonja am 7. Dezember zum zweiten Mal Eisbärnachwuchs zur Welt gebracht. Vatertier ist der sechsjährige Wolodja. Eisbärin Tonja hatte sich artgerecht um ihr Jungtier gekümmert. Vom drei Wochen alten Mini-Eisbären gab es im Internet beliebte Videos aus der Überwachungskamera des Tierparks. Ihm war schon ein weißes Fell gewachsen.

Am Donnerstag vergangener Woche hatte das Jungtier erstmals seine Augen geöffnet. Eisbär-Kurator Florian Sicks schätzte das Gewicht der Kleinen auf ein Kilo.

Eine erste Obduktion ergab, dass das Tier "deutlich leichter war", so Knieriem. Wahrscheinlich war es auch bei der Geburt schon kleiner als üblich. Das genaue Obduktionsergebnis und damit die Ursache des Todes wird frühestens Ende dieses Monats erwartet, weil das IZW erst Mitte Januar personell wieder voll besetzt ist.

Weiterhin Hoffnung auf Nachwuchs

Dem ersten Eindruck nach sei das bis zuletzt unbenannte Tier nicht an einem Leberschaden gestorben. Dies war die Todesursache bei Eisbär Fritz, den Tonja vor rund einem Jahr im Tierpark auf die Welt gebracht hatte. Eisbär Knut war 2011 mit vier Jahren an einer Hirnerkrankung gestorben.

Wie in der Natur üblich, war im Tierpark geplant, dass Tonja mit ihrem Jungtier erst im Frühjahr die Wurfhöhle verlässt. Tonjas Reich betrat daher ganz bewusst niemand, um die natürliche Muttertier-Jungtier-Bindung nicht zu stören. Über Kameras überprüften die Pfleger alle zwei Stunden, wie sich der Nachwuchs entwickelt. Bei Arbeitsbeginn am Dienstag um 8.30 Uhr bemerkten sie, dass das Eisbärbaby nicht mehr lebte.

Knieriem hofft weiterhin auf Nachwuchs bei den Eisbären im Tierpark: "Es gibt keine Anzeichen dafür, dass Tonja und Wolodja sich nicht für einen gemeinsamen Nachwuchs eignen. Berlin hat es verdient, Geburtstage von Eisbärenjungen zu feiern", sagte Knieriem.

Hier bedient sich das Berliner Eisbären-Baby an der Milchbar

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