Spandau-Hauptbahnhof

Diebesbanden gehen in Zügen in Berlin auf Beutezug

Die Täter schlagen oft zwischen Bahnhof Spandau und Hauptbahnhof zu. Bereits 130 Geschädigte innerhalb weniger Monate.

Ein ICE im Berliner Hauptbahnhof

Ein ICE im Berliner Hauptbahnhof

Foto: Peter Endig / picture alliance / ZB

Diebesbanden gehen in Berlin derzeit gezielt in Fernzügen der Deutschen Bahn auf Beutezug. Der Bundespolizeidirektion Berlin sind allein seit Sommer dieses Jahres mindestens 130 Geschädigte bekannt. Die Ermittler gehen von mehr als 100.000 Euro Gesamtschaden aus.

Viele Diebstähle ereignen sich in den Fernzügen zwischen dem Bahnhof Spandau und dem Hauptbahnhof. Die Vorgehensweise sei bei einem Großteil der angezeigten Taten sehr unterschiedlich. Während einige Täter gezielt durch die Abteile gehen und Taschen entwenden, bieten andere zumeist älteren Menschen vermeintlich Unterstützung an. "Den Opfern wird das Gepäck als augenscheinliche Hilfe in den Zug getragen. Dabei werden allerdings Geldbörsen oder andere Wertgegenstände gestohlen", sagte ein Sprecher der Bundespolizei.

Das Phänomen ist für die Ermittler nicht neu. Wie Bundespolizeisprecher Matthias Lehmann auf Nachfrage der Berliner Morgenpost bestätigte, ermittelte die Behörde allein zwischen Ende Sommer 2016 und August 2017 gegen sieben polnische Tätergruppierungen wegen gemeinschaftlichen und bandenmäßigen Taschendiebstahls.

Polizei Berlin: Mit Aufklebern gegen Taschendiebstähle

Die Berliner Polizei hat eine neue Maßnahme zur Diebstahlbekämpfung entwickelt. Die Polizei beklebt die Taschen und Rucksäcke von möglichen Opfern mit einem Hinweis. Dadurch sollen die Betroffenen lernen, besser auf ihre Taschen aufzupassen.
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Elf Beschuldigte sitzen in Untersuchungshaft

Die Diebe waren gezielt in Fernzügen der Deutschen Bahn zwischen dem Bahnhof Spandau und dem Hauptbahnhof auf Beutezug gegangen. Allein in dem genannten Zeitraum waren von der Bundespolizei und der Polizei Berlin 50 Tatverdächtige festgenommen worden – gegen elf Beschuldigte wurde Untersuchungshaft angeordnet. Mehrere Verfahren sind noch immer nicht abgeschlossen.

Doch nicht nur ältere Menschen werden zu Opfern der Diebesbanden. Auch Dienstreisende passen in das Beuteschema der Taschendiebe. So berichtete etwa ein 53 Jahre alter Morgenpost-Leser, dass er im Intercity zwischen Spandau und Hauptbahnhof bestohlen worden sei. Während er auf Toilette war, hätten Diebe seinen Rucksack entwendet. "Mein Portemonnaie hatte ich glücklicherweise mitgenommen", sagte er. Im Rucksack waren allerdings Tablet, Schlüssel, E-Book-Reader und Theaterkarten. Geschätzter Schaden: 1000 Euro. Noch am Südkreuz erstattete der Mann Anzeige. Dort sagte man ihm, das Phänomen sei bekannt. "Neben der ganzen Rennerei war natürlich auch der Theaterabend mit meiner Frau gelaufen", sagte er.

Die Polizei zeigt, wie Sie sich gegen Taschendiebe schützen

Die Polizei klärt diese Woche über die Tricks der Taschendiebe auf. Bei Aktionsständen geben Beamte Tipps, wie man sich vor Diebstahl schützen kann. Zur Adventszeit sind die Hotspots der Täter Weihnachtsmärkte und Bahnhöfe.
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Fernzüge sind nicht mit Videotechnik ausgestattet

Auch die Deutsche Bahn kennt das Problem mit den Diebesbanden. Dort verweist man wegen laufender Ermittlungen allerdings an die Polizei. Für die Ermittler kommt erschwerend hinzu, dass die Fernzüge der Bahn aus datenschutzrechtlichen Gründen nicht mit Videotechnik ausgestattet sind. Lediglich auf den Bahnhöfen gibt es eine entsprechende Überwachung. Für die Ermittler heißt das, dass die Diebe auf frischer Tat erwischt werden müssen. Wegen der schnellen Vorgehensweise ist das aber schwierig. Viele Opfer bemerken den Diebstahl erst, wenn die Täter schon in anderen Waggons sind und an der nächsten Station den Zug verlassen. Zudem sind Reisende gerade in Fernzügen im Gegensatz zum Regionalverkehr oft mit mehr Gepäck unterwegs, was auch mehr Tatgelegenheiten für die Taschendiebe schafft.

Für die Ermittlungsbehörden war 2016 ein Rekordjahr, was die Zahl der Taschendiebstähle angeht. In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hat es dagegen deutlich weniger Fälle gegeben. Die Zahl der Taschendiebstähle im Zuständigkeitsbereich der Berliner Landespolizei war im ersten Halbjahr von rund 22.000 auf 11.500 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zurückgegangen.

Auch die Bundespolizei verzeichnet seit Jahresanfang einen signifikanten Rückgang – von 4400 auf 2800 Fälle. Ermittler führen das darauf zurück, dass mehrere Tätergruppierungen zerschlagen werden konnten und Bandenchefs verurteilt wurden. In den beiden Behörden gibt es daher Hoffnungen, dass es sich bei den rückläufigen Zahlen um eine dauerhafte Trendumkehr handeln könnte. Genaue Zahlen für dieses Jahr werden allerdings erst mit der Kriminalitätsstatistik im kommenden Frühjahr veröffentlicht.

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