Pilotprojekt

Durch Berlin fährt ab Frühjahr der "BerlKönig"

Daimler und BVG testen in Berlin ab Frühjahr einen neuen Mitfahrdienst. 50 Mini-Busse sollen zum Start durch Berlin fahren.

Eine Mini-Van, der ab Frühjahr unter dem Namen "BerlKönig" als Mitfahrdienst durch Berlin fahren soll

Eine Mini-Van, der ab Frühjahr unter dem Namen "BerlKönig" als Mitfahrdienst durch Berlin fahren soll

Foto: dpa

Berlin. Wenn das Jahr sich dem Ende nähert, zeigen die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) gerne, wie innovativ sie sind. Wurde letztes Jahr vor Weihnachten verkündet, dass die gesamte Dienstwagenflotte nun aus Elektroautos besteht, kündigte das Unternehmen am Mittwoch ein komplett neues Beförderungskonzept an: Künftig sollen die Fahrgäste von Deutschlands größtem Nahverkehrsunternehmen nicht mehr auf die nächste U-Bahn, Tram oder den Bus warten müssen, sondern individuelle Fahrten mit Autos buchen können.

Das Angebot mit dem poetischen Namen „Berlkönig“ nutzt das Prinzip des sogenannten Ridesharings: Mehrere Menschen mit ähnlichem Ziel teilen sich ein Fahrzeug. Gebucht wird über eine App, der Kunde gibt Start und Ziel an und bekommt auch gleich den Fahrpreis angezeigt. Anders als bei einem Taxi wird er dann nicht an Ort und Stelle abgeholt, sondern zu einem der virtuellen Haltepunkte geleitet, die sich in der Regel an der nächsten Straßenecke oder einer BVG-Haltestelle befinden.

Höchstens zehn Minuten soll es dauern, bis er eingesammelt wird, Ausgestiegen wird an der Haltestelle, die dem Ziel des Kunden am nächsten ist. Preislich sollen die Fahrten irgendwo zwischen einem BVG-Ticket und dem Berliner Taxitarif liegen.

Ein Algorithmus stimmt die Streckenwünsche der einzelnen Fahrgäste aufeinander ab, sodass möglichst wenige Umwege gefahren werden und so viele Plätze wie möglich besetzt sind. Das soll vor allem Autofahrer dazu bringen, ihren privaten Pkw stehen zu lassen. „Wir bündeln unsere Fahrten und sorgen damit für weniger Verkehr, weniger Lärm und weniger Verkehr in unserer Stadt“, verspricht BVG-Chefin Sigrid Nikutta. Weil die BVG eine Geschlechterdebatte vermeiden will, tragen die Hälfte der Autos übrigens die Aufschrift „Berlköniginnen“.

Zunächst als Pilotprojekt, soll das Angebot im Frühjahr an den Start gehen, anfangs aber nur in Friedrichshain-Kreuzberg, Mitte und Prenzlauer Berg, da es für genaue Testergebnisse so viele Kunden wie möglich braucht. Sollten die „Berlkönige“ gut ankommen, sollen sie auch in den Außenbezirken fahren.

Dort also, wo manche Linien enden und die Leute wieder ins Auto steigen oder gerade zu später Stunde oft leere Busse unterwegs sind. Eine Ausweitung auf die Außenbezirke sei „ganz zentral für uns“, sagt Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne).

Technik und Fahrzeuge liefert der BVG-Kooperationspartner Via Vans, ein Gemeinschaftsunternehmen von Daimlers Transportersparte Mercedes-Benz Vans und dem US-Unternehmen Via, das seine Software in mehreren amerikanischen Städten schon seit 2013 im Einsatz hat.

Zunächst will Mercedes 50 Fahrzeuge an den Start bringen, ein Großteil davon sind Vans mit Dieselantrieb (acht Sitzplätze) sowie elektrische B-Klassen (vier Sitzplätze). Im Sommer ist dann der Einsatz eines neuen Elektro-Vans geplant. Je nach Projektverlauf soll die Flotte dann auf bis zu 300 Fahrzeuge erweitert und voll elektrisch sein.

Damit es überhaupt losgehen kann, muss der Betrieb erst mal genehmigt werden – eigentlich widerspricht das Angebot dem Personenbeförderungsgesetz. Die BVG will sich für die Genehmigung die „Experimentierklausel“ des Gesetzes zunutze machen, wonach neue Verkehrsformen bis zu vier Jahre erprobt werden können. Es handele sich um einen „atypischen Busverkehr“, sagt BVG-Finanzvorstand Henrik Haenecke. Auch handelt es sich laut BVG nicht um Sammeltaxis, da die Autos nicht von Tür zu Tür, sondern von Haltestelle zu Haltestelle fahren.

In der Taxibranche ist man trotzdem verstimmt. „Gerade nachts kann die BVG zur echten Konkurrenz werden“, sagt der Vorsitzende der Taxiinnung, Leszek Nadolski. Auch der Fahrgastverband Igeb findet, dass die BVG sich lieber auf ihre Kernkompetenzen konzentrieren sollte.

Beim Start-up Clever Shuttle, das ebenfalls Ride­sharing mit Elektroautos anbietet, sieht man das Vorhaben hingegen positiv, da es dabei helfe, das gesamt Prinzip bekannter zu machen. Davon würden am Ende alle Anbieter profitieren, ist Geschäftsführer Bruno Ginnuth überzeugt.

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