Ein Jahr nach Anschlag

Protokoll des Anschlags - die ersten drei Tage

Von den ersten Notrufen bis zur Identifizierung von Anis Amri. Die ersten drei Tage im Protokoll.

19 Dezember

++20.01 Uhr++ Erstmeldung zum Breitscheidplatz durch Polizeikräfte

++20.02 Uhr++ Über die Einsatzleitzentrale der Polizei wird die Flucht des Fahrers bekannt gegeben und über einen angeblichen Schuss, der gefallen sein soll, berichtet.

++20.04 Uhr++ Der Disponent der Feuerwehr alarmiert nach Notrufen, in denen zunächst von einem Unfall die Rede war, mit dem Stichwort „Notfall Hilfeleistung mit Notarzt“.

++20.07 Uhr++ Mehr Notrufe gehen ein. Darunter auch detaillierte Beschreibungen. Die Leitstelle schickt weitere Rettungswagen und Notarzt-Einsatzfahrzeuge. Die Alarmierung läuft jetzt unter dem Stichwort „Massenanfall von Verletzten“. Polizeikräfte suchen parallel im Tatortnahbereich mit zwei Wagen und einem Zeugen nach dem flüchtigen Fahrer. An der Straße des 17. Juni treffen die Beamten und der Zeuge auf eine männliche Person, die der Zeuge zunächst als Fahrer des Lkw identifiziert.

++20.09 Uhr++ Der Disponent der Feuerwehr verändert das Einsatzstichwort in „Massenanfall von Verletzten Gefahrenlage Polizei“. Nun ist klar, dass es sich um eine Bedrohungslage handelt. Die Einsatztaktik wird angepasst.

++20.11 Uhr++ Die Rettungskräfte treffen an der Einsatzstelle ein. Ein Staffelführer der Feuerwache Moabit ist als Erstes vor Ort und erkundet die Lage. Er stellt viele Verletzte und Tote fest.

++20.15 Uhr++ Das Lagezentrum der Polizei erhält eine Täterbeschreibung des flüchtigen Lkw-Fahrers.

++20.18 Uhr++ Die Leitstelle der Feuerwehr alarmiert nun auch die Schnelleinsatzgruppe (SEG) Rettungsdienst des DRK Kreisverbandes Berlin-City.

++20.23 Uhr++ Der Betreuungsdienst und weitere Rettungswagen und Notarztfahrzeuge werden alarmiert. Durch Software-Probleme kommt es bei dieser Alarmierung zu Problemen.

++20.25 Uhr++ Die Leitstelle der Feuerwehr löst Voralarm für die Berliner Krankenhäuser aus.

++20.28Uhr++ Weitere Rettungswagen und Notarztfahrzeuge und die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV) werden angefordert.

++20.30 Uhr++ Der Pressedienst der Feuerwehr erreicht den Einsatzort. Erste Patienten werden in die Krankenhäuser gebracht.

++20.33 Uhr++ Die zuständige Direktion 2 der Polizei erhält Meldung über die Festnahme eines Tatverdächtigen an der Straße des 17. Juni.

++20.37 Uhr++ Polizei gibt bundesweit gesteuerte Nachricht „Verdacht einer Amoklage“ heraus.

++20.45Uhr++ Berlins oberster Feuerwehrmann, Landesbranddirektor Wilfried Gräfling, übernimmt die Einsatzleitung bei der Feuerwehr.

++20.46 Uhr++ Der Technische Dienst der Feuerwache Charlottenburg wird alarmiert. Mit dem Feuerwehrkran wird später der Lkw angehoben.

++21.05 Uhr++ Die Leitstelle entsendet weitere Rettungswagen an den Breitscheidplatz. Im Hotel „Waldorf Astoria“ wird eine Sammelstelle für Augenzeugen und Angehörige eingerichtet.

++21.30 Uhr++ Alle Patienten mit den schwersten Verletzungen wurden in Berliner Kliniken transportiert. Die Leitstelle fordert weitere Rettungswagen aus Brandenburg an.

++21.37++ Der Lagedienst alarmiert das Einsatznachsorge-Team, das in der Feuerwache Moabit eine Anlaufstelle einrichtet.

++21.56 Uhr++ Die Polizei gibt erste Opferzahlen bekannt.

++22.04 Uhr++ Formelle Nachricht des Bundeskriminalamtes „Verdacht eines terroristischen Anschlags mittels eines Lkw“.

++22.30 Uhr++ Feuerwehr gibt die Meldung heraus, dass die Einsatzstelle unter Kontrolle sei.

++23.08 Uhr++ Die Polizei löst „Maßnahme 300“ aus. Bei allen Gefährdern und relevanten Personen werden „Verbleibskontrollen“ durchgeführt.

20. Dezember

++00.54 Uhr++ Die Maßnahme 300 wird bundesweit ausgelöst.

++00.55 Uhr++ Staatsschutz und Kripo halten eine Telefonschaltkonferenz ab.

++01.25 Uhr++ Das Bundeskriminalamt schaltet Hinweisportal frei, an das Bürger ereignisbezogene Videos, Filme und Bilder übersenden können.

++16.54 Uhr++ Im Lkw-Führerhaus wird die Duldung eines „Ahmed Almasri“ gefunden.

++17.30 Uhr++ Operative Maßnahmen zu „Ahmed Almasri“ werden vorbereitet.

++19.00 Uhr++ Maßnahme 300 wird beendet. Beginn der verdeckten Aufklärung zu „Amri“.

++20.20 Uhr++ Der Festgenommene wird entlassen, aber weiter observiert.

21. Dezember

++11.03++ Es ist klar, dass Amri der Fahrer des Lkw gewesen sein muss. Bilder und Details über ihn werden veröffentlicht.

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