Bauprojekt

An der Kurfürstenstraße entstehen 182 neue Wohnungen

| Lesedauer: 4 Minuten
Carolin Brühl
Bauprojekt Schönegarten an der Kurfürstenstraße 41-44

Bauprojekt Schönegarten an der Kurfürstenstraße 41-44

Foto: © Kurfürstenstrasse 41-44 Grundstücks GmbH / BM

In der Nähe des Potsdamer Platzes und des Kulturforums entsteht ein Karree mit 182 Wohnungen. Zu mieten gibt es nur einen kleinen Teil.

Berlin. Verdichtung lautet das Schlüsselwort für Wohnungsbau in der Innenstadt. Die Grundstückspreise sind teuer, Investoren reizen deshalb den verfügbaren Platz möglichst gewinnbringend aus. Nicht immer passt das Ergebnis zur Bebauung der Umgebung, sondern ruft oft Proteste der Nachbarn hervor. Ein Neubau der Lagrande Gruppe an der Kurfürstenstraße Ecke Genthiner auf dem jetzigen Parkplatz eines Möbelhauses zeigt, dass neues Wohnen offenbar nachbarschaftsverträglich sein kann.

14 Häuser im Karree um einen großzügigen Garten

„Schoenegarten“ heißt das Ensemble in Anlehnung an die beiden Ortsteile Schöneberg und Tiergarten, die sich in dem innerstädtischen Kiez treffen. Und der Investor gruppiert die 14 Häuser nach den Plänen des Berliner Architekturbüros Tchoban Voss auf dem rund 7000 Quadratmeter großen Grundstück um eine 2300 Quadratmeter große Grünanlage in der Mitte, einen Garten also, der mit Spiel- und Freiflächen gestaltet wird. Selbst eine alte Durchwegung zur Pohlstraße bleibt als Tunnel durchs Vorderhaus erhalten.

„Der neue Block wird vielfältig: Auf der einen Seite mischen die unterschiedlichen Gewerbenutzungen im Erdgeschoss die hauptsächliche Wohnnutzung auf und bringen mehr Leben in die Gebäude hinein. Auf der anderen Seite trägt die Fassadengestaltung dazu bei, die Häuser als Individuen wahrzunehmen“, sagt Architekt Sergei Tchoban.

152 Eigentumswohnungen und 30 Mietwohnungen

152 Eigentumswohnungen und 30 Mietwohnungen sowie 3700 Quadratmeter Einzelhandelsfläche im Erdgeschoss sollen auf dem Parkplatz gegenüber der Apostelkirche entstehen. „Geplant sind zwei große Anbieter, ein Lebensmittelmarkt und ein Drogeriemarkt“, sagt Projektentwickler Jens Noack. Von den beiden großen Märkten soll zur Straße hin indes nur der jeweilige Eingangsbereich zu sehen sein. Der größte Teil der Verkaufsfläche liegt im Innenbereich des Gebäudeensembles und wird von der künftigen Grünanlage des Innenhofs überdeckelt.

„Wir wollten damit auch verhindern, dass, wie es so oft passiert, die Schaufensterfronten zugeklebt werden, weil ein Supermarkt dort Regale aufstellen oder Werbung anbringen will“, sagt Noack. Zu sehen sind zur Straße hin dann nur die kleineren Geschäfte wie beispielsweise ein Bäcker oder eine Espressobar. „Hier soll Stadt und urbanes Leben entstehen“, sagt Jens Noack.

Glasbalkone lassen eine Aussicht ohne Einsicht zu

Die Wohnungen in den siebengeschossigen Häusern werden zwischen 47 und 165 Quadratmeter groß und sollen um Durchschnitt 5800 Euro pro Quadratmeter kosten. Zu jeder Wohnung gehört ein Balkon oder eine Terrasse. Im obersten Stock sieht der Entwurf ein zurückgesetztes Staffelgeschoss mit umlaufenden Terrassen vor. „Für uns ist es ein gutes Zeichen, dass auch Leute aus dem Kiez sich hier schon Wohnungen reserviert haben oder Interesse für eine der Wohnungen angemeldet haben“, sagt Noack.

Zwar sind die Balkongeländer aus Glas, was befürchten ließe, dass künftige Bewohner die Optik mit Sichtblenden verändern würden. „Mittels einer besonderen Struktur im Glas wollen wir aber erreichen, dass man zwar nach außen sehen kann, aber von außen nicht gesehen werden kann“, sagt Vertriebs­managerin Marzena Rybicka.

Besonders ist auch das Farbkonzept der 14 Häuser im Karree, das sowohl historische Vorbilder wie den Backsteinexpressionismus vieler Berliner Häuser der 20er-Jahre als auch zeitgenössische Gestaltungselemente aufnimmt. Alle Fassaden unterscheiden sich nämlich nicht nur wegen unterschiedlicher Farben von kühlem Grau bis warmen Sandfarben, sondern auch durch verschiedene Strukturen mit Klinkersteinen, Putz oder unterschiedlich bearbeitetem Architekturbeton. Fortgeführt wird die Besonderheit der jeweiligen Fassade bis in die Gestaltung der Foyers.

Das Dach ist begrünt

Neben der Optik zieht sich unterdessen auch Nachhaltigkeit wie ein roter Faden durch das Projekt. So wird das Dach begrünt, um das Regenwasser langsam versickern zu lassen. In den Gärten soll eine Vielfalt verschiedener Bäume, Büsche und Stauden angepflanzt werden. Daneben sind Fenster und Wände energetisch so ausgestaltet, dass die Gebäude den Energiestandard „Effizienzhaus 55“ der Kreditanstalt für Wiederaufbau erreichen und somit für den Erwerber eine Finanzierungshilfe von bis zu 100.000 Euro ermöglichen.

Abgeschlossen und bezugsfertig sein sollen die neuen Wohnungen sowie die Gewerbeflächen zu Weihnachten 2020, sagt Noack.

Mehr zum Thema:

Ehemalige Bezirksgärtnerei: 300 Wohnungen geplant

Senat und Bezirk verhindern 600 Wohnungen in Prenzlauer Berg

Behördenchaos stoppt Wohnungsbau in Berlin