Berlin

Reinickendorfer fürchten Kollaps

Umfangreiche Sanierungen an der A111 und an den Linien U6 und S25 geplant

Auf den Bezirk und besonders auf Tegel kommt in den nächsten drei bis vier Jahren einiges zu, wenn alle Bauvorhaben des Senats, der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) und der S-Bahn Berlin umgesetzt werden, wie geplant. Die Sanierung der Autobahn A111, die Erneuerung der U-Bahn-Strecke der Linie U6 zwischen den Stationen Kurt-Schumacher-Platz und Alt-Tegel, eine neue Sicherungstechnik und der Bau eines zweiten Gleises für die S-Bahn-Strecke der Linie S25 zwischen den Bahnhöfen Schönholz und Tegel werden im Jahr 2021 aufeinander treffen, wenn sich vorher nichts ändert.

"Für die Unternehmen, für alle Tegeler, für alle Nordberliner, wäre das eine Katastrophe", sagt Lars Wittenberg, Initiator des Unternehmerstammtischs Tegel. Er befürchtet, dass Stau auf dem Weg zur Arbeit und nach Hause mit dem Auto, oder per Schienenersatzverkehr der BVG ein Dauerproblem sein wird. "Viele Konsumenten werden sich überlegen, ob sie nach Tegel fahren wollen. Sei es aus dem nördlichen Umland, oder aus dem Süden – wer tut sich das denn an?", fragt Wittenberg. Er befürchtet in Folge durch die zeitgleichen Bauvorhaben finanzielle Einbußen für die ortsansässigen Unternehmer.

Die A111 verläuft im Nordwesten Berlins und verbindet den Berliner Ring (A10) vom Autobahndreieck Oranienburg mit dem Berliner Stadtring (A100) am Dreieck Charlottenburg. In Berlin müssen 13,3 Kilometer vierstreifige Autobahn saniert werden. Hinzu kommen neben der Rudolf-Wissell-Brücke und Westendbrücke 49 Brücken-, Tunnel- und sogenannte Trogbauwerke, 85 Verkehrszeichenbrücken sowie 93 Lärmschutz- und Stützwände, die sich auf der Strecke befinden. Bereits für 2014 war der Start für die Sanierung der Autobahn angesetzt, wurde immer wieder verschoben.

"Sieben Jahre Verzögerung sind nicht hinnehmbar"

Der Abgeordnete Tim-Christopher Zeelen (CDU) hat eine Anfrage zu diesem Thema im Abgeordnetenhaus gestellt. In dem Antwortschreiben der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz heißt es, dass die Planung aufgrund einer angespannten Personalsituation in der Abteilung Tiefbau und die damit verbundene erforderliche Projektpriorisierung nicht weitergeführt werden konnte.

Deshalb hat die Senatsverwaltung die Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs und -bau GmbH (DEGES) im Mai 2015 mit der Planung sowie mit der Baudurchführung beauftragt. Der Plan sieht vor, dass bis Mitte 2018 ein integriertes Verkehrs- und Baukonzept steht. Das heißt, dass die Arbeiten des bislang auf 750 Millionen Euro geschätzten Projekts, das von Bund und Land Berlin getragen wird, nicht vor 2021 beginnen.

Wie lang die Sanierung dauern wird, kann die Senatsverwaltung nicht beziffern. "Berlin ist eine wachsende Stadt mit wachsendem Verkehr. Hinzu kommen immer mehr Pendler, die täglich aus Oberhavel über die A111 nach Berlin fahren. Der Autobahnabschnitt hier in Reinickendorf ist ein wichtiges Einfahrtstor für den Güterverkehr, der von den großen Seehäfen aus Hamburg, Bremen und Wilhelmshaven, aber auch aus ganz Nordeuropa zu uns kommt", sagt Zeelen. Und auch der Fernbus-Markt boome seit einigen Jahren gerade in der Hauptstadt. "Sieben Jahre Verzögerung sind in Anbetracht dieser Sachlage überhaupt nicht hinnehmbar", sagt Zeelen.

Eigentlich sollten die Baumaßnahmen der Autobahn beendet sein, wenn jene an der U-Bahnlinie beginnen. Danach sieht es derzeit nicht aus. Die BVG plant die komplette Erneuerung der Kabelkanal- und Gleisanlagen, die grundhafte Instandsetzung der Bahnhöfe Scharnweberstraße, Otisstraße und Holzhauser Straße. Die Maßnahmen sind für den Zeitraum März 2020 bis Dezember 2021 vorgesehen – die Planung für die Streckensanierung läuft bereits.

Die Pläne für den Ersatzneubau der Brücke Seidelstraße werden im kommenden Jahr beauftragt, heißt es seitens der BVG. Doch damit nicht genug: Die S-Bahnlinie 25 soll zwischen den Bahnhöfen Schönholz und Tegel eine neue Sicherungstechnik bekommen, die dann voraussichtlich im Herbst 2021 in Betrieb genommen werden soll. Darüber hinaus soll ein zweites Gleis gebaut werden, damit die Bahnen zukünftig im Zehn-Minuten-Takt fahren können.

"Beim jetzigen Stand müssen wir Sorge haben. Bis dahin ist es aber noch lange hin. Der gewünschte und der tatsächliche Baubeginn liegen oftmals auseinander", sagt Katrin Schultze-Berndt (CDU), Bezirksstadträtin für Bauen. Sie kündigt an, alles zu versuchen, damit kein Chaos entstehe.

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