Prozess in Berlin

Rocker-Prozess: Diebe stehlen Richter Prozessakten

Diebe kommen durch diese Aktion in Besitz der Prozessakten im sogenannten Wettbüro-Mord-Prozess. Das Verfahren geht dennoch weiter.

Ein Mitglied der Rockergruppe Hells Angels (Archivbild)

Ein Mitglied der Rockergruppe Hells Angels (Archivbild)

Foto: Fredrik von Erichsen / dpa

Berlin. Es ist aus Sicht des Schwurgerichts ein sehr unangenehmer Vorgang, der den nun schon 186 Verhandlungstage währenden Prozess aber nicht zum Platzen bringen wird: Am Montag wurde einem beisitzenden Richter im sogenannten Wettbüro-Mord-Prozess an der Schlüterstraße (Charlottenburg) aus seinem Auto die Aktentasche gestohlen. Zum Inhalt zählt auch ein Laptop, auf dem ein Großteil der Akten abgespeichert ist. In dem Verfahren geht es um einen Mord, der am 10. Januar 2014 in dem Wettbüro „Expect“ in Reinickendorf verübt wurde. Opfer war der 26-jährige Tahir Ö., Anstifter und Täter sollen Mitglieder der Rockergruppierung Hells Angels gewesen sein.

Justizsprecherin Lisa Jani bestätigte die von der „Bild“-Zeitung verbreitete Information über den Diebstahl der Aktentasche des Richters. Fraglich ist jedoch die von der Boulevardzeitung geäußerte These, dass dieser Diebstahl gezielt verübt wurde – die Akten sind ohnehin allen Prozessbeteiligten zugänglich, und es gab in dem seit drei Jahren laufenden Prozess immer wieder Situationen, in denen Teile der Akten weitergegeben wurden.

Der Aktentaschendiebstahl war am Donnerstag – unter Ausschluss der Öffentlichkeit – dann auch nur kurz ein Thema. Weitaus interessanter war der Auftritt des Direktors des Landeskriminalamtes, Christian Steiof. Der 52-Jährige bestätigte, dass er am 24. Januar 2014 auf einer Pressekonferenz falsche Angaben gemacht habe. Er sei von Untergebenen unzureichend informiert worden, so Steiof. Richtig sei aus heutiger Sicht, dass es im Umkreis der Hells Angels Rachegelüste gegen Tahir Ö. gegeben habe, nachdem sich dieser im Oktober 2013 eine blutige Auseinandersetzung mit zwei Hells lieferte. Richtig sei auch, dass es gegen die Hells Angels keine Gefährdungsansprache gegeben habe und Tahir Ö. auch nicht gewarnt wurde, obwohl bekannt war, dass er sich in Reinickendorf aufhält. Gegen die Beamten seien Disziplinarverfahren eingeleitet worden, bestätigte Steiof. Der Prozess wird fortgesetzt.