Untersuchungsbericht

Nach Kritik: Polizei überarbeitet Einstellungsverfahren

Nach Zweifeln an der Polizeischüler-Tauglichkeit wird das Verfahren geändert. Unterdessen wird gegen Polizeipräsident Kandt ermittelt.

Polizeischüler bei einem Pressetermin in der Polizeiakademie

Polizeischüler bei einem Pressetermin in der Polizeiakademie

Foto: Maurizio Gambarini / dpa

Berlin. An der Berliner Polizeiakademie sollen die Einstellungsverfahren überarbeitet werden. Das geht aus einem ausführlichen internen Untersuchungsbericht hervor, der der Berliner Morgenpost vorliegt. So sollen noch in diesem Jahr die im PC-Test zur Anwendung kommenden Leistungsverfahren gegen neue Versionen mit veränderten Aufgaben ausgetauscht werden.

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Auch der Deutschtest soll komplett ausgetauscht und die persönlichen Gespräche überarbeitet werden. Der Bericht kommt zu dem Fazit, dass die "persönliche Vorstellung" den aktuellen Ansprüchen nicht mehr gerecht werde. In der Polizeiführung gibt es zudem Überlegungen, die Polizeiakademie von der Berliner Schulinspektion der Senatsbildungsverwaltung kontrollieren zu lassen. Eine entsprechende Kooperationsvereinbarung befinde sich noch im Abstimmungsprozess.

In jeder Klasse ein bis zwei "problematische" Auszubildende

In dem Bericht bemängeln auch Ausbilder an Polizeischülern, dass Sozialtugenden wie Pünktlichkeit, Höflichkeit oder die Bereitschaft zur Anstrengung "nicht mehr in sehr hohem Maße" da seien. Massive Störungen an der Akademie gebe es nicht, aber "gravierende Verstöße im Einzelfall", wird die Meinung von Lehrkräften im Untersuchungsbericht der Berliner Polizeiführung wiedergegeben.

Das steht im Untersuchungsbericht zur Polizeiakademie

Zitiert wird auch aus einer Einschätzung an der Akademie, dass es in jeder Klasse ein bis zwei Auszubildende gebe, deren Verhalten als nicht zufriedenstellend, "wenn nicht gar problematisch" angesehen werde. Anonym geäußerte Vorwürfe zu den Zuständen an der Ausbildungsstätte für den mittleren Dienst hatten tagelangen Wirbel und eine Sondersitzung des Innenausschusses ausgelöst. Die Rede war von Disziplinlosigkeit, Lernverweigerung und Aggression in einer Klasse mit vielen Schülern aus Einwandererfamilien. Eine Unterwanderung der Akademie durch kriminelle Clans hatten sowohl Geisel als auch Polizeipräsident Klaus Kandt kategorisch ausgeschlossen.

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Jetzt heißt es in dem Bericht, der hohe Anteil von Polizeischülern aus Zuwandererfamilien sei nicht Ursache für problematisches Verhalten. Am Montag ist im Innenausschuss des Abgeordnetenhauses eine Anhörung zur Polizeischule geplant. Mitarbeiter der Akademie sollen Fragen der Parlamentarier beantworten.

Unterdessen gibt es Neuigkeiten zu einem anderen Problem der Berliner Polizei: Im Verfahren um schadstoffbelastete Schießstände gibt es nun auch eine Anzeige gegen Polizeipräsident Kandt, wie der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft, Martin Steltner, der Berliner Morgenpost bestätigte. Der Vorwurf laute auf "Körperverletzung im Amt" und Verstoß gegen die Chemikalien-Verordnung.

(mit dpa)

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