Insolvenz

Air-Berlin-Verwalter prüft Rückforderungen in Millionenhöhe

Die Fluggesellschaft war möglicherweise schon vor der Insolvenzanmeldung zahlungsunfähig. Das weckt neue Hoffnung bei den Gläubigern.

Ein Flieger von Air Berlin in einer Wartungshalle

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Foto: dpa

Berlin. Die Pleite von Air Berlin könnte für die Geschäftspartner der insolventen Airline ein teures Nachspiel haben. Insolvenzverwalter Lucas Flöther lässt derzeit prüfen, ob die Gläubiger Ansprüche auf millionenschwere Rückzahlungen haben. "Wir prüfen Haftungs- und Anfechtungsansprüche gegen alle in Betracht kommenden Personen und Institutionen", sagte Flöther der Berliner Morgenpost. Im Fokus stehen dabei Zahlungen von Air Berlin in den Monaten unmittelbar vor der Insolvenz.

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Flöther hat in der vergangenen Woche die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PricewaterhouseCoopers damit beauftragt, die Bücher der Airline durchzuarbeiten. Zuvor hatte die "Bild am Sonntag" berichtet, PwC solle mögliche Schadenersatzansprüche gegenüber Ex-Managern von Air Berlin prüfen. Die Arbeit der Prüfer geht aber darüber hinaus: PwC soll auch Beweise dafür sammeln, dass die Airline bereits vor der offiziellen Insolvenzanmeldung im August zahlungsunfähig gewesen ist. Wenn das der Fall ist, könnte Flöther alle Zahlungen von der Fluggesellschaft ab dem Zeitpunkt der faktischen Insolvenz zurückfordern. Bei einem milliardenschweren Konzern wie Air Berlin würden auf Geschäftspartner wie Flughäfen, Abfertigungsdienstleister und Krankenkassen Rückforderungen in Millionenhöhe zukommen. Flöther rechnet in einem halben Jahr mit ersten belastbaren Ergebnissen. Dann müsste auch ein Gericht den tatsächlichen Zeitpunkt der Insolvenz klären.

Anzeichen für eine frühere Zahlungsunfähigkeit der Fluggesellschaft hat es in der Vergangenheit immer wieder gegeben: Im Frühjahr 2015 hatte Air Berlin nach Informationen der Berliner Morgenpost um einen Aufschub bei der Zahlung von Mitgliedsbeiträgen an Luftfahrtvereinigungen gebeten. Auch Flughäfen, Kerosin- und Materiallieferanten hatten sich über die Zahlungsmoral der Berliner beklagt. "Air Berlin war nicht dafür bekannt, seine Rechnungen pünktlich zu zahlen", heißt es aus Kreisen früherer Kunden.

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Für die Hunderttausenden Gläubiger von Air Berlin könnten die möglichen Rückforderungen die letzte Hoffnung sein, überhaupt etwas von ihrem Geld wiederzusehen. Lucas Flöther hat für den 24. Januar zur Gläubigerversammlung eingeladen. Dann will er klären, wie viel in der Kasse noch übrig ist. Derzeit macht er den Gläubigern wenig Hoffnung. "Aufgrund der drohenden Masseunzulänglichkeit haben die Gläubiger aus heutiger Sicht nur mit einer geringen Quote zu rechnen", sagte Flö­ther. Das bedeutet, dass das vorhandene Geld womöglich nur ausreicht, um die Kosten des Insolvenzverfahrens zu decken. Dazu zählt auch die Verpflichtung, den 150-Millionen-Euro-Kredit zurückzuzahlen, den der Bund nach der Insolvenzanmeldung gewährt hatte. Das dafür benötigte Geld kommt aus den Deals mit Easyjet und Lufthansa. Insgesamt 250 Millionen Euro bezahlen die Fluggesellschaften für Flugzeuge und Landerechte von Air Berlin. Noch vor Weihnachten will die EU-Kommission entscheiden, ob sie für das Geschäft mit Lufthansa grünes Licht gibt.

Am Montag hat zudem der Serviceanbieter Nayak die Techniksparte von Air Berlin übernommen. Die meisten Arbeitsplätze gehen aber verloren: In Berlin werden 80 Beschäftigte übernommen, in Düsseldorf 170. Den 700 übrigen Mitarbeitern stehe eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft offen, so Nayak.

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