Hochhauskonzept

Wiener Modell für mehr Wohnraum in Berlin

Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe stellt strenge Anforderungen für neue Berliner Hochhausprojekte vor.

Blick über Berlin-Mitte: Wohnhochhäuser an der Leipziger Straße

Blick über Berlin-Mitte: Wohnhochhäuser an der Leipziger Straße

Foto: imago stock / imago/Jochen Tack

Berlin. In Berlin wird es eng, Wohnraum ist gerade im Zentrum knapp. Der Bau von Wohnungen hat deshalb höchste Priorität. Doch weil es in der Fläche immer weniger Baugrund gibt, wollen Investoren zunehmend in die Höhe bauen. Die rot-rot-grüne Landesregierung und die zuständige Bausenatorin Katrin Lompscher (Linke) allerdings wollen den Bau von Hochhäusern begrenzen und klare Regeln für die Genehmigung aufstellen. Bei einem Pressegespräch am Freitag präsentierte Ephraim Gothe (SPD), Baustadtrat von Mitte, seine Idee für ein Berliner Hochhauskonzept.

Er erklärte im Rathaus Wedding, dass Hochhäuser grundsätzlich nicht geeignet seien, die Wohnungsfrage zu lösen: „Hochhäuser sind dafür einfach zu teuer.“ Allerdings sollte Hochhausbau an bestimmten Stellen und unter bestimmten Voraussetzungen möglich sein, sagte Gothe, der auch im Expertengremium von Bausenatorin Lompscher sitzt. Die Experten sollen Vorschläge für ein Hochhauskonzept erarbeiten. Vorbild für ein solches Konzept könnte die Stadt Wien sein, so Gothe. Bereits für das gerade beschlossene Aktionsprogramm „Sauberes Berlin“ der rot-rot-grünen Koalition hatte die österreichische Hauptstadt als Vorbild gedient, sagte Gothe.

Kaufen statt Mieten? In diesen Vierteln lohnt es sich

Nun geht auch im Bereich Wohnungsbau der Blick nach Wien: In dem Konzept, das dort seit 2015 gilt, ist festgelegt, dass Hochhäuser ab 30 Meter Höhe auch für die Allgemeinheit Vorteile bringen sollen. „Im Sockelbereich müssen öffentliche Einrichtungen untergebracht werden, und das oberste Geschoss muss öffentlich zugänglich sein – beispielsweise durch ein Restaurant oder eine Aussichtsplattform“, erklärte Gothe. In Wohnhochhäusern müsse ein Drittel der Wohnungen „leistbar“ sein – also beispielsweise einer Mietpreisbindung unterliegen. Allerdings sei in Wien seit 2015 noch kein Hochhaus unter diesen Regeln gebaut worden. „Kritiker sagen, dass die Regeln so streng sind, dass der Bau eines Hochhauses nicht finanzierbar wäre.“ Das Konzept müsse sich also erst beweisen. Dennoch, sagte Gothe, wolle er das Wiener Modell als Vorbild für ein Berliner Hochauskonzept ins Gespräch bringen.

Neben seiner Zukunftsidee für Berlin hatte der Stadtentwicklungsexperte vor allem geladen, um gute Nachrichten aus seinem Bezirk zu verkünden: Nirgendwo ist die Zahl der Wohnungsbaugenehmigungen in diesem Jahr so hoch wie in Mitte: „Es ist auffällig, dass Mitte in diesem Jahr mit 3542 genehmigten Wohnungen wahnsinnig weit vorne liegt“, erklärte Gothe. Bis September genehmigte der Bezirk in diesem Jahr deutlich mehr Wohnungen als die anderen elf Bezirke. Mit weitem Abstand folgen Treptow-Köpenick mit 2709 und Marzahn-Hellersdorf mit 1983 genehmigten Wohnungen. Allerdings, schränkte er ein, sei die hohe Genehmigungszahl seines Bezirks nicht beliebig wiederholbar. So habe man durch drei Großprojekte mit insgesamt 1500 Wohnungen einen Sondereffekt. „Wir können auf dem Niveau in Mitte nicht fortfahren, weil diese großen Flächen eben nur einmal zu bebauen sind“, sagte der Baustadtrat.

Spandau ist Schlusslicht bei Wohnungsbaugenehmigungen

Verwundert zeigte sich der ehemalige Baustaatssekretär – in Mitte erst seit einem Jahr im Amt – über die Schlusslichter des Berliner Genehmigungsrankings: In Reinickendorf, Steglitz-Zehlendorf und Tempelhof-Schöneberg wurden laut dem Amt für Statistik Berlin-Brandenburg in 2017 bislang nur zwischen 500 und 800 Wohnungen genehmigt. In Spandau, Schlusslicht der Liste, sogar nur 379. „Es ist alarmierend, dass man dort so hinterherhinkt“, sagte der Baustadtrat. „Da fragt man sich schon, was da los ist.“ An seine Amtskollegen in den anderen Bezirken richtete er einen „freundlichen Appell“: „Ihr müsst euch mehr anstrengen. Wir kriegen die Wohnungsfrage nur in den Griff, wenn in allen zwölf Bezirken ausreichend gebaut wird.“

Mieten: Berlin ist für Normalverdiener kaum noch bezahlbar

In keiner Großstadt Deutschlands sind die Mieten für Normalverdiener so unerschwinglich wie in Berlin. Zwischen 2012 und 2016 sind die Mieten in Berlin um 20% gestiegen - Platz 8 im deutschlandweiten Städteranking.
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