Verlängerung der U5

So sieht der Rohbau des U-Bahnhofs "Unter den Linden" aus

Die Berliner Verkehrsbetriebe haben am Mittwoch den Rohbau des fertiggestellten U-Bahnhofs präsentiert.

Berlin. Die U-Bahnbaustelle unter der Kreuzung Unter den Linden und Friedrichstraße sorgt seit Jahren für viel Ärger bei Autofahrern und Fußgängern. Monatelang mussten U-Bahnnutzer die Strecke zwischen Französischer Straße und Friedrichstraße gar zu Fuß zurücklegen, weil der alte Tunnel abgerissen und durch einen neuen ersetzt wurde. Nun ist unter der Erde ein dreigeschossiger Bahnhof entstanden, an dem sich die Linien U5 und U6 einmal kreuzen werden. Es sei "sensationell, was die Firma Implenia hier im Auftrag der BVG realisiert hat", sagte die Vorstandschefin der landeseigenen Verkehrsbetriebe, Sigrid Nikutta, am Mittwoch bei einem Ortstermin im Untergrund. Man rechne mit mindestens 50.000 Fahrgästen täglich, die in dem neuen U-Bahnhof einmal ein-, aus- oder umsteigen werden.

Noch ist in dem von den Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich entworfenen Gebäude viel nackter Beton zu sehen. Das wird sich in den kommenden Monaten aber ändern. Die Wände werden mit Kirchheimer Muschelkalk verkleidet und die Böden mit weißem Terrazzo gestaltet. Die tragenden Säulen des Bahnhofs bekommen einen schwarzen Anstrich. "Wenn man oben auf der Straße steht, ahnt man nicht, was für ein großes Gebäude im Untergrund entstanden ist", sagte Michael Greiner, Projektleiter Finanzen der Implenia Construc­tion GmbH, die den Rohbau ausgeführt hat. Er ist zufrieden. "Es hat kaum Unfälle gegeben, und wir liegen im Zeitplan. Unsere Mitarbeiter haben einen guten Job gemacht."

Das Baugeschehen sei eine hohe Belastung für die Anwohner gewesen, räumte Jörg Seegers, Geschäftsführer der Projektrealisierungs GmbH, ein. Dennoch habe es nur wenige Beschwerden gegeben. Im kommenden Jahr sollen im neuen Bahnhof Schotter aufgebracht und Gleise verlegt werden.

In Berlins historischer Mitte entstehen drei neue Bahnhöfe

"Unter den Linden" ist der größte der geplanten drei U-Bahnhöfe, die derzeit an einer 2,2 Kilometer langen Neubaustrecke zwischen Alexanderplatz und Brandenburger Tor entstehen. Sie verbindet die Stummellinie U55, die seit 2009 zwischen Hauptbahnhof und Brandenburger Tor besteht, mit der U5, auf der Züge zwischen Alexanderplatz und Hönow am östlichen Stadtrand rollen. Ende 2020 soll dieser Lückenschluss vollzogen sein. Dann können Menschen aus den Wohngebieten im Osten der Stadt ohne Umsteigen zum Regierungsviertel und zum Hauptbahnhof gelangen. Die BVG erwartet, dass die neue U-Bahnstrecke eine Entlastung für den Boulevard Unter den Linden mit sich bringt. 20 Prozent des Straßenverkehrs könnten sich auf die U-Bahnlinie verlagern. Aktuell rechnet die BVG mit Gesamtkosten in Höhe von 525 Millionen Euro. Das Projekt wird vom Bund und vom Land Berlin gemeinsam finanziert.

Der Bau des gleichfalls neuen U-Bahnhofs Museumsinsel gilt unter Fachleuten als besondere Herausforderung. Die Station liegt direkt unter dem Spreekanal. Nahe gelegene Gebäude wie das Kronprinzenpalais und die Bertelsmann-Repräsentanz, aber auch die Schlossbrücke dürfen bei den Arbeiten nicht zu Schaden kommen. Messgeräte verfolgen deshalb die Veränderungen an den Bauten. Als besonderes Verfahren wird beim Bau des Bahnhofs eine Vereisung des Bodens vorgenommen, damit kein Wasser in die Baustelle eindringen kann. Diese Vereisung ist derzeit in der Vorbereitung. Stahlrohre von 105 Meter Länge sind um die beiden Tunnelröhren herum verlegt worden. Durch sie soll eiskalte Sole gepumpt werden, die die Kälte an den umgebenden Boden weitergibt. "Im Januar und Februar 2018 wollen wir die Maschinen anwerfen", so Peter Hoppe, Gesamtprojektleiter der Baufirma Implenia.

Man hoffe, dass sich bis Anfang Mai ein ausreichend großer Eiskörper gebildet habe und die Bauarbeiten dann beginnen können. Der Bahnhof Museumsinsel entsteht nach einem Entwurf des Büros Max Dudler. Die Decke wird gewölbt sein und von mehr als 7000 Lichtpunkten erleuchtet, sodass der Eindruck eines Sternenhimmels entsteht. Der U-Bahnhof Rotes Rathaus war bereits Ende 2016 im Rohbau fertiggestellt. Das Berliner Büro Collignon hat diese Station entworfen. Markant sind die sieben pilzförmigen Stützen, die die Decke tragen. In Vitrinen sollen archäologische Funde aus dem Umfeld gezeigt werden.

Beim Bau der neuen U-Bahnstrecke zwischen Marx-Engels-Forum und Brandenburger Tor kam die Tunnelvortriebsmaschine Bärlinde zum Einsatz. Von Frühjahr 2013 bis Herbst 2015 bahnte sie den Weg durch den Untergrund und stellte die beiden Tunnelröhren im Rohbau fertig. Die Bauarbeiten hatten 2012 begonnen. Wenn der neue Abschnitt der U5 in Betrieb geht, wird der U-Bahnhof Französische Straße vom Netz genommen. Er bleibt jedoch als Bauwerk bestehen. Doch die Züge der U6 werden dort ohne Halt durchfahren. Denkbar sei, dass der Bahnhof dann anders, etwa für Veranstaltungen, genutzt wird, heißt es von der U5-Projektgesellschaft. Die Entscheidung darüber trifft der Senat.

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